Viele Besucher beim Tag der offenen Tür : Leistungsschau der Werkstätten im Husumer Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk

Der angehende Raumausstatter Niklas Hindemith prüft sorgfältig die Höhe der Spiralfedern von  einem alten Stuhl, der aufgepolstert werden soll.

Der angehende Raumausstatter Niklas Hindemith prüft sorgfältig die Höhe der Spiralfedern von  einem alten Stuhl, der aufgepolstert werden soll.

Der Schnuppertag im TSBW in Husum hat schon Tradition: Viele Eltern und Ehemalige waren zu Gast.

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28. Mai 2019, 17:20 Uhr

Der Tag der offenen Tür im Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk (TSBW) ist immer wieder aufregend. „Es ist der Tag der Leistungsschau unserer Werkstätten. Hier wird das abgebildet, was in einer sich rasant ändernden Wirtschaft passiert“, so TSBW-Chef Hans-Jürgen Vollrath-Naumann.

Hunderte Besucher kamen, um sich zu informieren: Überall – ob im Internat oder Diagnostikzentrum, in der Gärtnerei oder der Tischlerwerkstatt – war Reinschnuppern erwünscht. „Wichtig und begrüßenswert ist es immer wieder, wenn interessierte Eltern kommen, um sich zu versichern, dass ihr Kind hier den passgenauen Ausbildungsplatz gefunden hat und sich rundherum wohlfühlt“, so der Chef.

Das kleine, aber feine Geschäft des TSBW „Schnüsterwinkel“ aus der Siemensstraße 20 bot beim Tag der offenen Tür zumeist Waren aus den eigenen Werkstätten an.
Sonja Wenzel

Das kleine, aber feine Geschäft des TSBW „Schnüsterwinkel“ aus der Siemensstraße 20 bot beim Tag der offenen Tür zumeist Waren aus den eigenen Werkstätten an.

 

Er lässt es sich nicht nehmen, selbst in jeder Werkstatt innezuhalten, zu schnacken mit Ausbildern, jungen Teilnehmern, Eltern oder Azubis, die schon längst im Beruf stehen, aber die Gelegenheit nutzen, um ihre alte Ausbildungsstätte aufzusuchen: „Ich freue mich immer, die Ehemaligen wiederzusehen, wenn es ihnen gut geht, wenn sie in Arbeit sind oder eine Familie gegründet haben. Für viele von ihnen war der berufliche Start nicht ganz einfach. Da ist es um so wohltuender, die positive Lebensentwicklung zu verfolgen.“

Jessica und Sandra haben vor einigen Jahren die Ausbildung zur Änderungsschneiderin absolviert. Jetzt kamen sie, um ganz nostalgisch mit ihrer alten Meisterin ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen. Die Auszubildenden standen gern Rede und Antwort über ihre Aufgaben im jeweiligen Beruf.

Die angehenden Maßschneiderinnen Jessica Gräfling, Lisa Maier und ihre Ausbilderin Laura Kollbach (v.l.) posieren gern mit einem Querschnitt des Könnens aus der Schneiderwerkstatt.
Sonja Wenzel

Die angehenden Maßschneiderinnen Jessica Gräfling, Lisa Maier und ihre Ausbilderin Laura Kollbach (v.l.) posieren gern mit einem Querschnitt des Könnens aus der Schneiderwerkstatt.

 

In der Metallwerkstatt erklärte Thea Bardella, im ersten Ausbildungsjahr zur Industriemechanikerin, ein imposantes Modell einer Lok, einer T3 der preußischen Staatseisenbahnen, die im Jahre 1882 erstmals gebaut wurden. Dem Lokmodell angehängt ist ein mit echten Eierkohlen beladener Tender: „Vor rund 30 Jahren haben Auszubildende angefangen, Lok und Tender hier zu bauen. Das Gespann ist voll funktionsfähig“, freute sie sich. Es habe sogar schon Überlegungen gegeben, es auf dem Gelände auf extra verlegten Schienen als eine kleine Attraktion fahren zu lassen.

„Das marschiert“: Auszubildende Thea und Umschüler Tim haben Spaß an dem Lokmodell in Aktion.
Sonja Wenzel

„Das marschiert“: Auszubildende Thea und Umschüler Tim haben Spaß an dem Lokmodell in Aktion.

 

Thea ist immer noch ein wenig Exotin in einem eher von männlichen Kollegen dominierten Beruf. „Ältere Menschen stutzen, wenn sie hören, dass ich eine Ausbildung zur Industriemechanikerin mache. Ich bin aber der festen Überzeugung: Frauen sind in diesem Beruf genauso gut“, sagt sie selbstbewusst.

Tim, Umschüler im dritten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker, passte auf, dass das Lochmuster, das die vollautomatische Fräsmaschine in das Werkstück aus Plexiglas bohrt, glatt und gleichmäßig wird. Niklas Hindemith, im dritten Ausbildungsjahr zum Raumausstatter, stellte seine handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis beim Festzurren von Spiralfedern mit einem starken Faden.

Interessierter Zuschauer: Die angehende Raumausstatterin Katja Fromm zeigt dem Besucher Helmut Meyer, wie die Spiralfedern eines antiken Sessels gespannt werden müssen.
Sonja Wenzel

Interessierter Zuschauer: Die angehende Raumausstatterin Katja Fromm zeigt dem Besucher Helmut Meyer, wie die Spiralfedern eines antiken Sessels gespannt werden müssen.

 

Katja Fromm, Umschülerin zur Raumausstatterin, hat bei ihrer Renovierung eines alten Sessels einen interessierten Zuschauer: „Ich bin begeistert, dass man den Auszubildenden in allen Werkstätten bei der Arbeit über die Schulter schauen kann“, sagt Helmut Meyer aus Husum.

Der Tag der offenen Tür ist stets für Vertreter aus Wirtschaft und Politik eine gute Gelegenheit, um zu schauen, was beim TSBW los ist: „Das TSBW mit seinen vielfältigen Ausbildungsberufen bietet Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen einen sicheren Start in das Berufsleben und ist für Husum und die gesamte Region eine große Bereicherung“, sagten die Landtagsabgeordneten Lars Harms (SSW) und Claus Jensen (CDU).

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