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ADFC testet Städte : Leid und Freud der Husumer Radler

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Kein Glanzstück: Der Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) stellt Husum in seinem Fahrradklima-Test die Note 3,9 aus.

Fließt der Zweiradverkehr flüssig? Erleben Radler häufig Konflikte mit Fußgängern und Autofahrern? Macht das Radfahren in Husum überhaupt Spaß? Fragen wie diese hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in seinem Fahrradklima-Test 2016 gestellt, dessen Auswertung unserer Zeitung jetzt vorliegt. Radfahrer konnten zu 27 Fragen wie in der Schule Noten von eins bis sechs vergeben. Das Ergebnis im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2014: Die Gesamtnote liegt nach wie vor bei mageren 3,9.

Die selbe Note? Da könnten sich ja Politik und Verwaltung als maßgebliche Gestalter des Radler-Lebens zurücklehnen und glauben, dann habe sich zumindest nichts verschlechtert. Das stimmt aber nur für die Innensicht. Im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe ist Husum bei diesem „Rad-Wettkampf“ in den vergangenen zwei Jahren zurückgefallen: von Rang neun auf 13. Allerdings vergrößerte sich auch das Teilnehmerfeld von 21 auf 29.

Auch bundesweit ging es bergab: vom Platz 192 (2014) auf 232 (2016), wobei auch hier tröstend angemerkt werden kann, dass statt 292 inzwischen 364 Städte untersucht wurden. Wie auch immer: Statistisch gesehen ist Husum folglich im Land und im Bund im Mittelfeld hängen geblieben.

Auf den ersten Blick mag man meinen, eine überschaubare Stadt wie Husum im ländlichen Raum müsste es am einfachsten haben, eine für Radler freundliche Infrastruktur aufzubauen. Doch ausgerechnet die Großstadt Kiel liegt im bundesweiten Ranking auf Platz sechs und verfügt über ein Radroutennetz, Fahrradstraßen, Radfahrstreifen, Schutzstreifen, über 99 Prozent freigegebener Einbahnstraßen und flächendeckende Fahrradwegweiser.

Die Abstimmungen der Husumer Fahrradfahrer in der Befragung des ADFC müssen als deutlich gefestigter angesehen werden als zuvor, denn dieses Mal gaben in Husum 260 Radler ihre Stimme ab, vor zwei Jahren nur 61. Was sie am meisten nervt und was sie positiv beurteilen, zeigt die Übersicht auf dieser Seite.


Problemzonen


Was sagen die nüchternen Noten über das wahre Radlerleben in Husum aus? Ausflug mit ADFC-Mitglied Jan Groeneveld (49) ab Osterende. Dort fällt der Blick auf Wurzeln, die sich mit Macht durch den Asphalt ans Licht arbeiten – wie an vielen Stellen in der Stadt. Eine der übelsten vor der Gemeinschaftsschule Nord ist kürzlich beseitigt worden.

In der Berliner Straße begeistern auf den ersten Blick die markierten Fahrstreifen. Doch begegnen sich Busse oder Lkw, bleibt zu den Radlern nicht mehr der vorgeschriebene seitliche Sicherheitsabstand.

Am Übergang vom Kuhsteig zum Plan ist mangels klarer Beschilderung offen, für wen die mit unterschiedlichen Farben gepflasterten Wege eigentlich gedacht sind.

Mal hier ja, mal dort nein: Längst sind nicht alle Einbahnstraßen in Husum gegenläufig befahrbar.

Jan Groenevelds Erfahrung in Husum ist, dass er im Vergleich mit Autos mindestens gleich schnell an seinem Ziel ankommt. „Das liegt schon daran, dass ich mein Rad immer direkt neben mir parken kann – und andere müssen erst noch zu ihrem Fahrzeug laufen.“

Barbara Ganter (52) beobachtet die die Entwicklung der Fahrradfreundlichkeit Husums aus mehreren Perspektiven gleichzeitig. Sie ist ebenfalls ADFC-Mitglied, aber auch Stadtverordnete der Grünen und darüber hinaus auch Mitglied der „Arbeitsgruppe Innovative Verkehrskonzepte“. Die AG ist aus der „Zukunftskonferenz 2030“ übrig geblieben, die 2004 Perspektiven für Husum entwickelt hat – unter anderem auch für Direktvermarktung und Regenerative Energien. In der AG herrscht nach ihrer Aussage ein „ausgesprochen konstruktiver Geist“ und alle würden sich bemühen, nach und nach jene Maßnahmen in Angriff zu nehmen, die in dem im Jahr 2010 verabschiedeten Radverkehrskonzept festgehalten worden sind. Das geschehe in enger Abstimmung mit der Bauverwaltung, die für die Anliegen der Mitglieder ein offenes Ohr habe. Barbara Ganter schätzt aktuell die Haltung von Politik und Verwaltung bezüglich der Interessen aller Fahrradfahrer so ein: „Fraktions- und parteiübergreifend wird der Radverkehr inzwischen mitgedacht“. Das lässt hoffen für den nächsten Fahrradklima-Index des ADFC, der 2018 zu erwarten ist.

Stärken

(die zehn am besten benoteten Punkte)

Alle fahren Fahrrad 2,6 (2,5)*

Stadtzentrum gut zu erreichen 2,7 (2,7)

Mit Rad kommt man zügig voran 2,9 (2,9)

In Gegenri. geöffn. Einbahnstr. 3,0 (3,0)

Bei uns macht Radfahren Spaß 3,5 (3,0)

Wegweiser für Radfahrer 3,5 (3,2)

Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer 3,8 (3,7)

Geeignete Abstellanlagen 3,7 (3,7)

Ampelschaltungen für Radler 3,8 (3,8)

Konflikte mit Fußgängern 3,8 (3,6)

Schwächen

(Die zehn am schlechtesten

benoteten Punkte

aus der Sicht

Husumer Radfahrer )

Falschparkerkontrolle auf Radwegen 4,8 (4,8)

Oberfläche der Radwege 4,6 (5,0)

Breite der Radwege 4,6 (4,6)

Fahrradmitnahme im ÖPNV 4,4 (4,3)

Werbung für das Radfahren 4,4 (4,2)

Verkehrsführung an Baustellen 4,4 (4,8)

Fahren im Mischverkehr mit Kfz 4,3 (4,2)

Winterdienst auf Radwegen 4,3 (4,6)

Fahren auf Radwegen und

-fahrstreifen 4,3 (4,3)

Reinigung der Radwege 4,2 (4,6)

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erstellt am 26.Jul.2017 | 12:00 Uhr

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