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Nachlässige Radfahrer : Leichtsinnig durch die Dunkelheit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Fahrradkontrolle in Friedrichstadt und Umgebung brachte ein alarmierendes Ergebnis: 50 Prozent der Drahtesel wiesen Mängel auf. Meist waren Lichtanlage, Bremsen und Klingeln defekt. Die Polizei appelliert an die Eltern, für die Sicherheit ihrer Kinder zu sorgen.

Die Schicht für das Quartett beginnt sehr früh an diesem Morgen. Als die beiden Streifenwagen am Bahnhof von Friedrichstadt vorfahren, ist es gerade mal 6.30 Uhr. Fahrradkontrolle steht auf dem Programm. Die überwiegend dunkel gekleideten „Pedaleros“ kämpfen gegen den starken Seitenwind. Das aufmunternde „Guten Morgen“ der Polizeibeamten weckt bei einigen gleich ein schlechtes Gewissen – doch die Schuld an fehlender Front- und Heckbeleuchtung wird in der Mehrzahl der Fälle damit erklärt, „dass der Defekt ja noch gar nicht so alt ist oder sogar gerade erst ganz plötzlich aufgetreten sein muss“. Die Beamten bleiben freundlich. Hauptkommissar Andreas Todt, Oberkommissar Jan Peters und die beiden Polizeikommissare Hartmut Hilbig und Henry Clasen kennen so ziemlich jede Entschuldigung – und zücken die vorgedruckte Mängelliste. Darin wird jeder Lapsus eingetragen. Schließlich müssen die reparierten Drahtesel noch einmal bei der Polizei vorgeführt werden.

Diese Kontrollen haben einen ernsten Hintergrund: „Bei vielen Einsatzfahrten im Nachtdienst beobachten wir Radfahrer, die im Stockfinsteren mit dem Fahrrad ohne Licht unterwegs sind“, erzählt Friedrichstadts Stationsleiter Andreas Todt. „Dabei bedenken die wenigsten, dass Fahrräder weder Stoßstangen noch Knautschzonen haben.“ Zur fehlenden Beleuchtung kommt oftmals noch die dunkle Kleidung ohne Reflektorstreifen hinzu – und bei etlichen Rädern fehlen zudem noch die Reflektoren zwischen den Speichen.

An den nächsten Kontrollstellen in Seeth und Drage trifft es gleich drei Radfahrer einer Familie. „Viele Radler kommen mit ihrem Gefährt bis zur Bushaltestelle und stellen es dort ab“, sagt Jan Peters, „aber auch auf diesem Wege müssen Licht und Bremsen doch funktionieren.“ Darauf, „dass es bei fehlender Beleuchtung sogar ein Verwarngeld von 15 Euro geben kann“, weist Henry Clasen ausdrücklich hin. Doch Zwangsgelder sollen an diesem Morgen nicht verteilt werden – darum geht es gar nicht. Als die beiden Streifenwagen um 7.45 Uhr an der Gemeinschaftsschule in Friedrichstadt eintreffen, macht deren Ankunft rasend schnell die Runde in der Schülerschaft. Ein Entkommen gibt es indes nicht – „denn die Räder werden uns klassenweise serviert“, sagt Peters. Inzwischen ist auch Fahrradmechaniker Raimondo Ponelis eingetroffen – er behebt kleine Mängel an Ort und Stelle. Und so ganz nebenbei führt diese Überprüfungsaktion auch zu einem ganz anderen Erfolg: „Es konnte sogar noch ein Fahrraddiebstahl aufgeklärt werden“, freut sich Jan Peters.

Immer wieder wird die Mängelliste hervorgeholt, werden Defekte angekreuzt oder handschriftlich notiert. „Die Eltern haben dann für deren Behebung zu sorgen“, sagt Peters. „Die Schule erhält eine schriftliche Benachrichtigung und wird die Behebung der Mängel kontrollieren. Wir wollen nichts weiter, als dass die Kinder mit sicheren Rädern unterwegs sind.“ Zwischendurch überzeugt sich auch Konrektor Burkhard Beierlein vom Verlauf der Aktion. Und da werden gelegentlich echte Raritäten vorgeführt – solche, deren Einzelteile in diversen Sprühdosenfarben lackiert sind, einige, bei denen die Schutzbleche fehlen oder jenes auffällige Bike mit dem großen „Schrottplatz“-Schild. „Das Schild kann dranbleiben“, befindet Hartmut Hilbig, „aber die fehlende Klingel muss ersetzt werden und anhand einer Proberunde des Schülers haben wir gerade gesehen, dass die Bremsen ja überhaupt nicht richtig funktionieren.“ Um Gegenargumente sind die Schüler keineswegs verlegen. So darf die Bremse ja keineswegs zu scharf eingestellt sein, denn sonst fällt man ja beim Bremsen vornüber, erklärt einer. Und die fehlende Klingel werde durch lautes Rufen ersetzt. Ob das wohl stimmt? „Wir überprüfen die Behebung der Mängel – nicht die Ausreden“, kommentiert Peters trocken.

Zum Ende der Kontrollaktion zieht Peters um 8.20 Uhr Bilanz: „20 Fahrräder haben wir am Bahnhof überprüft, 16 in Seeth und Drage und 32 hier an der Gemeinschaftsschule. Von diesen 68 Fahrrädern weisen 50 Prozent Mängel auf.“ Abschließend verraten die Beamten aber auch dies: „Die Kontrollen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt.“

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