Die Husumer horten Flaschen : Leergut – dringend gesucht!

Norbert Thiesen sorgt  bei Tadsen dafür, dass Leergut wieder beim Hersteller ankommt.
Norbert Thiesen sorgt bei Tadsen dafür, dass Leergut wieder beim Hersteller ankommt.

Fehlende Flaschen sorgen für Produktionsengpässe in der Getränke-Industrie und Probleme beim Großhandel.

shz.de von
12. Juli 2018, 13:00 Uhr

Sommer, Sonne, Bier und Brause: Naturgemäß verdoppelt sich in diesen Wochen der Absatz an Kaltgetränken. Zudem sorgt die laufende Fußballweltmeisterschaft dafür, dass vor allem der Gerstensaft in Strömen fließt. Erfreulich ist das ja für Getränke-Industrie und Handel – wenn die Kunden nur nicht das Pfandgut so emsig horten würden. Denn umso mehr leere Flaschen in Kellern und Garagen herumstehen, desto weniger Getränke können produziert werden. Deshalb der Appell der Branche: Bringen Sie uns ihre Mehrwegflaschen zurück!

„Wir haben zurzeit Probleme, genügend Leergut auf den Hof zu bekommen. Deshalb kommt es bei allem, was mit Pfand belegt ist, immer wieder zu kurzfristigen Engpässen“, sagt Henning Tadsen, Geschäftsführer des gleichnamigen Getränke-Großhandels. „Dabei ist unser Warenzyklus mit einigen Tagen noch sehr kurz, da wir überwiegend für die Gastronomie arbeiten.“

Ganz anders sehe es dagegen oft im privaten Bereich aus. „Hier steht der Kasten Bier oder Wasser auch schon mal gerne vier Wochen.“ Dennoch sammeln sich auf dem Betriebshof der Firma täglich jede Menge leere Flaschen. Damit diese schnell und sortenrein wieder an die Hersteller zurückgeliefert werden können, ist Überblick nötig. Und deshalb ist Norbert Thiesen in der Leergutsortierung ein wichtiger Mann. Bereits im Morgengrauen steht er für die Fahrer bereit, die mit ihrer Leergutladung in die gesamte Republik ausschwärmen. 5000 bis 6000 Kisten – das sind rund 15 Tonnen – werden von Thiesen täglich gestemmt. Und zum Feierabend hat er zudem täglich noch stolze zehn bis zwölf Kilometer Strecke „auf der Uhr“. „Andere schinden sich für dieses Fitnessprogramm für viel Geld in der Muckibude. Das kann ich mir locker sparen“, bemerkt Norbert Thiesen schmunzelnd.

Die reichliche Bevorratung bei geringem Rücklauf beschäftigt auch Domenik Krause, Handelsvertreter bei Getränke-Hoffmann. „Es gibt Kunden, die große Mengen kaufen und das Leergut dann so lange bunkern, bis die letzte Kiste leer ist“, berichtet er. „In der Brauereiszene ist es in Einzelfällen bereits zu Schwierigkeiten in der Abfüllung gekommen, so dass die eine oder andere Sorte einige Tage nicht verfügbar war.“ Insgesamt werde immer noch reichlich Bier für WM-Fanpartys gekauft. Aber seitdem die deutsche Mannschaft ausgeschieden sei, sei im Laden auch während der Übertragung der Spiele wieder mehr los, sagt er.

Zu denen, die löblicherweise zwischendurch schon mal einen Kasten zurückbringen, zählt ein Hauptfeldwebel aus der Julius-Leber-Kaserne. „Wir horten normalerweise kein Leergut. Aber bei hoher Temperatur verbrauchen wir sehr viel Wasser. Dann kommt es vor, dass wir 20 Kästen auf einmal anliefern“, sagt er.

Apropos Wasser: Das Problem mit den fehlenden Mehrwegflaschen kennt man auch beim Getränkehersteller Husumer Mineralbrunnen nur zu gut. „Das trifft uns alle Jahre. 2018 ist es durch die Hitze und die vielen Feiertage im Mai extrem. Zudem steht immer mehr Leergut sehr lange bei den Verbrauchern. Aber damit der Mehrwegkreislauf funktioniert, muss es mit der Rückgabe klappen. Deshalb sollte jeder zusehen, dass bei uns auch wieder etwas ankommt“, so der Aufruf von Geschäftsführer Uwe Kohlmann. Probleme in der Produktion oder gar einen Produktionsstopp habe es deshalb aber noch nicht gegeben. „Wir füllen derzeit täglich 800 000 Flaschen ab. Das bedeutet, alle Maschinen laufen am Limit und die Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr“, sagt er. Eine echte Durststrecke müssen die Verbraucher also nicht befürchten.

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