Leckeres aus "Miesches Resäpthäft"

Zu Besuch: Erika Botte und Peter Ewaldsen überreichten Marie Lorenzen eines der ersten druckfrischen Kochbücher. Foto: dew
Zu Besuch: Erika Botte und Peter Ewaldsen überreichten Marie Lorenzen eines der ersten druckfrischen Kochbücher. Foto: dew

Marie Lorenzen war früher als Kochfrau in der Region im Einsatz und eine wichtige Institution / Verein gibt Kochbuch mit ihren Rezepten heraus

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15. Oktober 2011, 07:45 Uhr

Emmelsbüll-Horsbüll | Sie stand bei Familienfesten am Kochherd, damit die Hausfrau entlastet wurde und mitfeiern konnte. Sie übernahm bei größeren Feiern in der Gastwirtschaft die Regie in der Küche und hielt dem Kröger den Rücken frei. Sie war immer zur Stelle, wenn sie gerufen wurde. Die Kochfrau war vielen Familien eine wichtige Stütze, war unentbehrlich - eine Institution.

Marie Lorenzen (92) ist eine von ihnen. Ihr zu Ehren gab der Friesenverein der Wiedingharde ein handliches Kochbuch heraus, das bis auf drei Ausnahmen Rezepte enthält, nach denen sie von 1946 bis Mitte der 1990-er Jahre kochte. Alle Rezepte waren über viele Jahre hinweg einzeln nach und nach in der Wiedingharder Vereinspostille "En krumpen üt e Wiringhiird" ("Ein bisschen aus der Wiedingharde") abgedruckt. Erika Botte und Antje Neumann stellten sie zusammen und arbeiteten sie redaktionell auf. Das postkartengroße Rezeptheft trägt den Titel "Miesche Plöns Resäpthäft". "Miesche" ist die Koseform ihres Vornamens. Den Beinamen Plön hat sie von einem Vorfahren, und "Resäpthäft" bedeutet Rezeptheft.

Die rüstige Dame wurde am 17. Juli 1919 in Horsbüll geboren und lebt heute in einer Rentnerwohnung nahe der Emmelsbüller Rimberti-Kirche. Schon in jungen Jahren diente sie sich mit den Kochkünsten, die sie von der ihrer Mutter gelernt hatte, den Familien an - und war dann auf dem Fahrrad in Emmelsbüll, Klanxbüll, Lübke-Koog, Rodenäs und teils auch Neukirchen unterwegs, bei denen Küchendienste anlässlich von Familienfesten wie Konfirmationen, Hochzeiten oder Jubiläen gefordert waren. Die Feste wurden zumeist im Hause gefeiert. Wenn ein großes Essen in der Gastwirtschaft anstand - wie etwa bei Jonasson in Horsbüll - war sie ebenfalls die gefragte Kochfrau.

"Es war nicht immer leicht in der Küche", erinnert sich Marie Lorenzen der Zeiten, als es noch keinen E- oder Gasherd gab und über echtem Feuer gekocht werden musste - und gerade mal drei "Feuerlöcher" zur Verfügung standen. In die fremde Küche pflegte sie stets ihr eigens Handwerkszeug wie das scharfe Messer oder den guten Schneebesen mitzunehmen. Vor jeder Kochtour mussten der Einkauf geregelt und Mengen abgesprochen werden. "Man hatte viel um die Ohren", berichtete sie, "und auch die Verantwortung für ein Gelingen des Festessens", fügte sie hinzu. Schmunzelnd ergänzte sie, dass auch mal zu viel Salz in der frischen Suppe war, und das Verfeinern mit den Gewürzen nicht ganz gelang. Doch dann und wann gab es auch Beifall für die Köchin, deren Lohn in Maßen blieb. Doch, wie Marie Lorenzen erzählte, sei sie nie unzufrieden gewesen, wenn sie ihre Arbeit getan und nach dem Abwasch aufs Fahrrad gestiegen war, um zu später Abend- oder früher Morgenstunde den Heimweg nach Horsbüll anzutreten, wo ihr Vater einmal eine kleine Landstelle betrieb. 1996 verkaufte sie ihr Haus und zog nach Emmelsbüll.

Peter Ewaldsen, Vorsitzender des Friesenvereins, überreichte der ehemaligen Kochfrau nun ein Exemplar des Rezeptbuchs, das bei Kaufmann Brodersen in Emmelsbüll, im Friesischen Gasthof, bei Top-Kauf in Neukirchen und im Zollhaus-Café in Rodenäs zu haben ist. Die Rezepte (übrigens auch Backrezepte) sind in "wirinhiirder freesk" abgefasst - von Frischer Suppe bis Mehlbeutel und Kringel bis Krümelkuchen - insgesamt 30 Rezepte und eines leckerer als das andere - und alle von der Kochfrau, die heute fast nur noch Nostalgie ist.

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