Ringen um die Gieselau-Schleuse : Lauf gegen die Zeit

Sollte die Gieselau-Schleuse in Oldenbüttel geschlossen werden, ist besonders die Freizeitschifffahrt betroffen.
Sollte die Gieselau-Schleuse in Oldenbüttel geschlossen werden, ist besonders die Freizeitschifffahrt betroffen.

Die Eider-Anrainergemeinden kämpfen um den Erhalt der Gieselau-Schleuse – doch es fehlt ein Träger, der die Kosten übernimmt.

shz.de von
10. Mai 2018, 13:00 Uhr

Der Bestand der maroden Gieselau-Schleuse bei Oldenbüttel zwischen Nord-Ostsee-Kanal und der Eider wird sich zu einem Rennen gegen die Zeit entwickeln. Von einer Schließung betroffen wäre neben den Kreisen Dithmarschen, Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde auch der Kreis Nordfriesland – insbesondere die Städte Friedrichstadt und Tönning – da über die Schleuse der Freizeitschifffahrtsverkehr zwischen Nord- und Ostsee geregelt wird. Dies wurde in der jüngsten Sitzung der G 10, einer Arbeitsgruppe für den Erhalt der Schleuse, zu der sich die Eider-Anrainer vor einem halben Jahr zusammengeschlossen haben, in Erfde deutlich.

Als Gast bestätigte Prof. Hans-Heinrich Witte in diesem Kreis noch einmal die vom Bund getroffene Entscheidung, keine Mittel mehr für das Sperrwerk bereitzustellen, da es für den wirtschaftlichen Schiffsverkehr nicht mehr von Bedeutung ist. „Aufgrund dieser Vorgaben wird kein Geld mehr fließen. Derzeit sieht es für die ‚alte Dame‘ noch gut aus. Aber sollten sicherheitsrelevante Mängel festgestellt werden, machen wir die Schleuse sofort dicht“, erklärte der Präsident der Bonner Generaldirektion für Wasserstraßen und Schifffahrt.

Gleichzeitig wiederholte Witte das Angebot aus Berlin, bei einer Übernahme durch einen Träger 50 Prozent der entstehenden Kosten zu übernehmen. Über die Höhe der benötigten Summe für eine Grundsanierung, die die nächsten 30 Jahre übersteht, oder einen Neubau schwieg sich der Bundesbeamte allerdings aus. „Das Bauwerk war beim Tüv. Nun muss die Werkstatt einen Kostenvorschlag machen – sprich, es müsste ein Gutachten erstellt werden. Doch diesen Auftrag kann der Bund nicht erteilen, da er sich bereits gegen deren Weiterbetrieb entschieden hat und damit Steuergelder in ein bereits abgeschriebenes Objekt fließen würden“, erläuterte er.

Damit dreht sich die Diskussion zu den Kosten und damit auch die Überlegung zu einer eventuellen regionalen Trägerschaft also im Kreis. Dennoch bewertete der Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich (CDU) das Treffen positiv. „Über den nun in Gang gesetzten direkten Dialog bin ich sehr froh, denn eine Diskussion wie damals in Friedrichskoog möchte ich nicht noch einmal erleben“, sagte er. Mittlerweile habe der schleswig-holsteinische Landtag die rechtliche Prüfung einer möglichen Verpflichtung des Bundes für den Erhalt der Schleuse eingeleitet. „Die eventuelle Teilung der Planungskosten werde ich als Thema mit nach Berlin nehmen“, versprach er. Zu einem Zeitplan bis zur Entscheidung mochte er sich allerdings nicht äußern.

„Wir können nicht die Katze im Sack kaufen. Wir brauchen zumindest eine qualifizierte Kostenschätzung, und wir können nicht mehr ewig warten“, brachte es Manfred Lindemann, Amtsvorsteher im Amt Eider, für die Kommunen auf den Punkt. „Wir sind eine strukturschwache Region, die auf den Wassertourismus angewiesen ist. Die Entwicklung in eine andere Richtung wäre schlicht fatal“, ergänzte der Erfder Bürgermeister Thomas Klömmer (CDU). Letztlich kamen die Sitzungsteilnehmer überein, im Gespräch zu bleiben. Zudem wollen die Kommunen zeitnah Kontakt zu den zuständigen Ministerien in Kiel aufnehmen.





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