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Zeitgeschehen: Geburtshilfe auf Langeness : Lasses aufregender Start ins Leben

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für Britta Johannsen kam die Rettung vor 14 Jahren aus der Luft. Ihr Sohn Lasse heißt mit zweitem Namen Christoph – wie der Hubschrauber. Die Hallig-Bewohnerin erinnert sich.

Ob Herzinfarkt auf den nordfriesischen Inseln oder schwerer Verkehrsunfall auf einer Bundesstraße – im Notfall muss es schnell gehen. Vor 40 Jahren hoben die fliegenden Lebensretter zum ersten Mal in Rendsburg ab, um den Menschen im hohen Norden schnelle notärztliche Hilfe zu bringen. Inzwischen steht „Christoph 42“, die rot-weiße Maschine der DRF-Luftrettung, als einziger Hubschrauber in Schleswig-Holstein rund um die Uhr zur Verfügung und wird jedes Jahr etwa 1600 Mal alarmiert. Anlässlich des runden Geburtstags findet heute eine Feierstunde im Hangar der Luftrettungsstation neben der Rendsburger Imland-Klinik statt. Mit dabei: Britta Johannsen (42) von der Hallig Langeneß. Im Gespräch mit Redakteur Frank Höfer erzählt die vierfache Mutter, warum ihr zweiter Sohn ohne die schnelle Hilfe aus der Luft möglicherweise nicht gesund zur Welt gekommen wäre.

Frau Johannsen, die Nacht auf den 18. April 2001 bleibt für Sie unvergesslich. Warum?

Ich war in der 35. Woche schwanger, etwa sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Werdende Mütter werden bei uns auf der Hallig normalerweise erst zwei Wochen vor dem Stichtag mit der Fähre aufs Festland gebracht. Wir hatten also eigentlich noch einen Monat Zeit. Es war der Mittwoch nach Ostern. Mein Mann Honke und ich gingen gegen elf Uhr zu Bett. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keinerlei Beschwerden und Probleme. Auch als ich gegen ein Uhr noch einmal aufstand, um nach unserem zweijährigen Sohn Nils zu sehen, schien noch alles in Ordnung zu sein. Ich legte mich wieder hin.

Was passierte dann?

Ich schlief sehr unruhig und bekam leichte Schmerzen im Unterleib. Um drei Uhr morgens war es mit der Nachtruhe vorbei. Die ersten Wehen setzten ein. Ich verständigte sofort die Gemeindepflegekraft. Sie ist für die Halligen Langeneß, Oland und Gröde zuständig, um in dringenden Fällen Erste Hilfe zu leisten. Als bei mir auch noch die Fruchtblase platzte, forderte sie sofort den Rettungshubschrauber an. Keine 15 Minuten später landete die Maschine auf der Wiese direkt vor unserem Haus.

War ein Flug auf das Festland zu diesem Zeitpunkt noch möglich?

Nein, das Risiko war dem Notarzt zu groß. Die Wehen waren schon zu heftig. Und für eine Geburt ist es in dem Hubschrauber einfach zu eng. Also entschieden sich Notarzt und Rettungsassistenten für eine Hausgeburt. Die Gemeindeschwester hatte schon den Backofen angemacht. So wurden die Handtücher und Kirschkernkissen warm gemacht. Wir wussten ja, dass das Neugeborene sehr klein sein würde. Lasse erblickte schließlich um 5 Uhr das Licht der Welt. Er wog 2710 Gramm und war kerngesund. Ich lag auf dem Boden im Wohnzimmer, mein Mann kniete neben mir, Lasse zwischen uns. Später wickelte die Gemeindepflegekraft ihn in eine Rettungsdecke, damit er nicht auskühlt. Mit der aufgehenden Sonne sind Lasse und ich dann doch noch nach Flensburg geflogen worden.

Welche Rolle spielt die ärztliche Versorgung durch die DRF-Luftrettung für die Hallig-Bewohner?

Eine sehr, sehr große. Wenn der Hubschrauber hier draußen landet, mitten in der Nordsee, haben wir es eigentlich immer mit brenzligen Ereignissen zu tun. In diesem Jahr haben wir die DRF-Hubschrauber aus Rendsburg oder Niebüll schon zwölf Mal auf Langeneß gehabt. Wir sind sehr froh, dass es die Gemeindepflegekraft noch gibt. Aber wenn es sich um schwere Verletzungen handelt oder jemand einen Herzinfarkt erleidet, brauchen wir die schnelle Hilfe aus der Luft. Zumal es von November bis März an zwei Tagen in der Woche nicht einmal mehr eine Fähre auf das Festland gibt.

Weiß Lasse, dass die fliegenden Retter sehr wichtig für ihn waren?

Klar. Immer wenn der rot-weiße Hubschrauber über unsere Hallig hinweggeflogen ist, hat er als Kind „Mein Hubschrauber“ gesagt. Noch heute hat er Kontakt mit Dr. Torsten Wilde, dem damaligen Notarzt.

Die Geburtshilfestation in Wyk auf Föhr wurde vergangene Woche geschlossen. Wird es dadurch mehr Einsätze dieser Art geben?

Leider ja. Es gibt dann keine echten Inselkinder mehr. Aus meiner Sicht besteht die Gefahr, dass Frauen sich von vornherein für eine Hausgeburt entscheiden, nur um einen Insulaner zur Welt zu bringen. Das könnte zu Komplikationen führen. „Christoph 42“ wird durch die Schließung der Stationen auf Föhr und auch auf Sylt für die Inseln und Halligen auf jeden Fall noch wichtiger, weil er eben auch nachts einsatzbereit ist, wenn das Wetter es erlaubt.

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