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Dauerbrenner B 5 : Langsam fahren – schneller ausbauen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die besonders zwischen Husum und Tönning unfallträchtige Bundesstraße 5 war einmal mehr zentrales Thema beim Verein Infrastruktur Vestkysten/Westküste.

Für den Verein Infrastruktur Vestkysten/Westküste gab es im vergangenen Jahr kein wichtigeres Thema als die Bundesstraße 5. In zahlreichen Veranstaltungen hat man auf den dringend notwendigen Ausbau dieser „Lebensader“ hingewiesen – und von allen politischen Seiten in Land und Bund Zustimmung erfahren. Dabei hat der Verein nicht bloß Forderungen formuliert, sondern der Landesregierung wie gewünscht konkrete Unterstützung angeboten. Der Vertrag zur Vorfinanzierung von Planungskosten ist unterschriftsreif, allein der Planfeststellungsbeschluss als wesentliche Voraussetzung liegt immer noch nicht vor.

Dass die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur zu viel Zeit erfordert, die Planungen zu lange dauern und es zu viele Widerspruchs-Möglichkeiten gibt – mit alledem muss der Verein leben. Nicht leben kann man allerdings mit der traurigen Tatsache, dass auf der B 5 mit steigendem Verkehrsaufkommen gerade zwischen Husum und Tönning immer mehr Verkehrstote zu beklagen sind – dieses Problem duldet keinen Aufschub. Die Verkehrssicherheit auf der B 5 stand denn auch im Mittelpunkt der jüngsten Jahreshauptversammlung unter Vorsitz von Rickmer Johannes Topf, Husum. Als Diskussionspartner hatte sich der Verein einen Fachmann ins Nordfriesische Innovations-Center in Niebüll geholt: Hermann Fedrowitz, Leiter der Verkehrsabteilung des ADAC Schleswig-Holstein.

Topf berichtete zunächst von einer Veranstaltung des SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Ilgen Anfang Februar in Bredstedt, bei der Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer und der Direktor des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, Torsten Conradt, bekanntgegeben hatten, dass Ende 2017 mit dem Bau der nördlichen Umgehung bei Bredstedt begonnen werden könne. Immer vorausgesetzt, dass niemand nach dem Planfeststellungsbeschluss eine Klage einreiche und die Finanzierung geklärt sei. Der Bau der 18 Kilometer langen Umgehungsstraße, die südlich von Hattstedt beginnt, kostet immerhin rund 54 Millionen Euro – Bauzeit: drei bis vier Jahre. Im südlichen Beritt laufe – so Conradt seinerzeit – ein Planänderungsverfahren mit dem Ziel, die Vorschläge der Jelstrom-Initiative mit den Ideen des Straßenbau-Landesbetriebs abzustimmen.

„Der dreistreifige Ausbau zwischen Tönning und Husum ist ein weiteres Ziel. Bis Jahresende soll ein Planfeststellungsbeschluss für den ersten Abschnitt zwischen Tönning und Rotenspieker vorliegen“, erläuterte Topf. Der Ausbau der B 5 von Bredtstedt gen Dänemark sei hingegen laut Meyer nicht vorgesehen.

Fedrowitz legte zunächst die bundesweiten Zahlen der Verkehrstoten und Schwerverletzten vor. Topf ergänzte dazu die B-5-Bilanz für 2015: sechs Tote und 21 Schwerverletzte. 2014 starben auf der Hauptverkehrsader acht Menschen. Insgesamt ereigneten sich 15 schwere Unfälle, bei denen es 13 Schwerverletzte gab. Die Haupt-Unfallursache ist dabei laut Fedrowitz überhöhte Geschwindigkeit, besonders beim Überholen. Extrem gefährlich ist der etwa 20 Kilometer lange Abschnitt zwischen Tönning und Husum. „Trotz Tempolimits und Warnschildern kommt es besonders in der berüchtigten Janskurve immer wieder zu schweren Unfällen“, betonte Fedrowitz und machte klar, dass es nicht reiche, Schilder aufzustellen. Der ADAC fordere eine regelmäßige Überwachung. „Der Autofahrer braucht angesichts der übervollen Straße eine deutlich erkennbare Straßengestaltung, etwa durch Fahrbahnmarkierungen und Schutzmaßnahmen an Fahrbahnrändern.“ Er regte eine Schließung von Einmündungen und die Einrichtung von Abbiegespuren an, befürwortete eine Verlagerung des „Langsamverkehrs“.

Astrid Damerows (CDU) eindringliche Schilderung von Beinahe-Zusamenstößen durch Überholvorgänge bei Schlangenbildung („Einer verliert die Nerven und setzt zum Überholen an!“) fand große Zustimmung. Einigkeit herrschte daher im Saal, dass man Traktoren und Landmaschinen von der B 5 verbannen, ihnen aber Alternativrouten anbieten müsse.

„Was können Sie tun?“, fragte Topf am Ende konkret den ADAC-Experten, der zusagte, gemeinsam mit Experten und Vertretern des Vereins die B 5 speziell in Gefahrenbereichen zu checken. Der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr müsse jedoch seiner Pflicht nachkommen, die Strecke gründlich zu markieren. Eine Idee, die Topf aufgriff: „Wir könnten daraus eine gemeinsame Aktion enwickeln.“ Vehement geißelten nahezu alle Teilnehmer die langsam reagierende Bürokratie, die Unbeweglichkeit des Apparats und den Umgang mit engagierten Bürgern. „Am Telefon wird man in der Behörde einfach abgebügelt“, so ein verärgerter Unternehmer. Standardantwort sei: „Das brauchen wir schriftlich!“

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