Autor von 150 Stücken : Langer Applaus nach 60 Jahren Theater

Inmitten seiner Mitstreiter fühlt sich Frenz Bertram (mit Urkunde) richtig wohl.
Inmitten seiner Mitstreiter fühlt sich Frenz Bertram (mit Urkunde) richtig wohl.

Der Mildstedter Schauspieler und Autor Frenz Bertram verlässt die Bretter, die die Welt bedeuten. Mehr als 150 Stücke hat er geschrieben, aber längst nicht in allen auch mitgespielt. Seinen ersten Auftritt hatte er im Schwabstedter Fährhaus.

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19. März 2014, 15:30 Uhr

Mit vielem hatte er gerechnet – nur damit dann doch nicht. Am Ende seines letzten Bühnenauftritts erhob sich das Publikum im vollen Saal und spendete Frenz Bertram stehend Applaus. Auf der Bühne versammelten sich neben den aktuellen Theaterspielern auch jene aus vergangenen Spielzeiten. Es gab Rückblicke und Glückwünsche für den Regisseur und Autor von mehr als 150 Theaterstücken.Günter Jacobsen überbrachte Dank und Glückwünsche der Gemeinde Mildstedt, 20 Darsteller überreichten je eine rote Rose, die Urkunde war von allen unterzeichnet. Als Extrageschenk gibt es noch einen gemeinsamen Reisetag. Denn neben dem jahrzehntelangen gemeinsamen Theaterspielen gab es in der Mildstedter Theatergruppe auch immer wieder Ausflüge – mal zur Fünf-Seen-Fahrt nach Plön, mal zu Fuß zur Insel Südfall oder eine Fahrradtour. Daneben ging es auch schon mal ein ganzes Wochenende in die Lüneburger Heide, an den Elbstrand bei Övelgönne oder anderswo hin.

Anlässlich der Aufführung seines aktuellen Dreiakters ließ es sich Frenz Bertram nicht nehmen, selbst in eine Rolle zu schlüpfen. Gleichzeitig damit nimmt er aber auch Abschied „von den Brettern, die die Welt bedeuten“. 60 Jahre lang hat er die Stücke für seine Mildstedter Theatergruppe geschrieben, Regie geführt und immer wieder selbst Rollen übernommen. „Ich stehe gerne auf der Bühne – aber nie gerne im Mittelpunkt“, gestand er nach dem Theatertag, an dem gleich zwei Vorstellungen vor ausverkauftem Haus absolviert wurden.

An seinen ersten Auftritt kann er sich noch gut erinnern: „Das war 1954 auf der Bühne im Fährhaus Schwabstedt, da hatte ich anlässlich der Theateraufführung beim Schützenfest die Rolle eines Oberkellners übernommen.“ Der Aufstieg folgte peu a peu, in seiner letzten Rolle brillierte Frenz Bertram schließlich als Minister Christoph von Berneck. Für sein großes Engagement und Können wurde der vitale 77-Jährige mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem überbrachte Uwe Ronneburger ihm 1996 im Hamburger Ohnsorgtheater die Auszeichnung für den ersten Platz im Erzählwettbewerb „Vertell mol wat op Platt“. Im selben Jahr überreichte Peter Harry Carstensen dem bekannten Mildstedter das Bundesverdienstkreuz. Woher er seine enorme Schaffenskraft nimmt? „Dörch dat Theoderspeelen“, verrät er, „und weest wat – wer Theoder speelt, de blifft ok jung!“ Ehefrau Swantje fügt an, dass es wohl auch der Umgang mit den zumeist jungen Theaterspielern sei, der jung hält.

Doch Frenz Bertram beweist auch eine große Vielseitigkeit – beispielsweise im Verfassen plattdeutscher Kurzgeschichten, die auch in Büchern nachzulesen sind. Und im Umgang mit dem Hörfunk ist er bundesweit ebenfalls sehr gut vertraut – war im NDR ebenso zu Gast wie beim Saarländischen Rundfunk. Ob er denn kein Lampenfieber habe? „Nein“ sagt er ganz entschieden und kopfschüttelnd, „und das ist es, worüber ich mich ärgere. Denn mit Lampenfieber kommt der Text doch eigentlich viel besser über die Rampe.“ Er sei ja wirklich „eine echte Rampensau“, hat Ines Barber ihn einmal während der „Iris-Barber-Show“ im NDR genannt. „Du, das ist ein richtiges Kompliment“, unterstreicht Frenz Bertram; „een Rampensau – dat is nämlich wat ganz Besonneres. Dor kannst stolz op sien. Jo, so ist dat.“

Klar, dass dem Mildstedter Auftritt ein langer „Theaterrückblick“ folgte – gemeinsam mit den Darstellern im Kirchspielskrug. Aber lange Abende ist Frenz Bertram ohnehin gewohnt, denn manchmal dauern auch die abendlichen Theaterproben in der alten Schule viel länger als geplant. Letzteres übrigens nicht nur immer wegen des Rollenstudiums, „sondern ok dor hebbt wi jümmers een achterran mit veel Klönschnack.“

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