Friedrichstadt : Lange eine Kirche im Untergrund

Die Kirchenbänke stammen aus der Untergrundkapelle und sind deutlich älter als das Kirchengebäude St. Knud.
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Die Kirchenbänke stammen aus der Untergrundkapelle und sind deutlich älter als das Kirchengebäude St. Knud.

Die Historie der katholischen Gemeinde in Friedrichstadt und ihrer Kirche St. Knud ist voller spannender und amüsanter Begebenheiten.

Etwas zurück gesetzt liegt die katholische Kirche St. Knud in Friedrichstadt am Fürstenburgwall. Es ist ein eher unauffälliger Bau ohne Kirchturm. Stattdessen ragt ein massiv geschmiedetes Kreuz in den Himmel und macht deutlich, um was es sich bei dem neugotischen gelben Backsteinbau handelt.

Nur drei Jahre nach der Gründung des Holländerstädtchens 1621 wurde die katholische Gemeinde ins Leben gerufen. Damit gilt sie als die älteste katholische Kirchengemeinde, die nach der Reformation in Schleswig-Holstein gegründet wurde. Doch die Gläubigen mussten noch gut zwei Jahrhunderte auf eine eigene Kirche warten. Bis dahin feierten sie ihre Gottesdienste im benachbarten Fünfgiebelhaus.

1840 war es dann soweit, als Pastor Heiremanns der Friedrichstädter Schiffergilde ein Grundstück am Fürstenburgwall abkaufte. Der Kopenhagener Architekt Friedrich Hetsch errichtete 1846 das erste Gotteshaus, worüber sich die katholische Gemeinde nicht lange freuen konnte. Nur drei Jahre hielten die Mauern stand. Aufgrund von Konstruktionsmängeln brach das Gewölbe ein, und das Gebäude musste komplett abgerissen werden. Wieder musste die Gemeinde von vorn beginnen. Diesmal wandte sich die Kirchengemeinde an den Flensburger Planer und Architekt Eggermann und beauftragten ihn mit der Errichtung eines neuen Gotteshauses, das 1854 erstmals genutzt werden konnte.

Doch mit der Zeit schwand die bis dahin große Mitgliederzahl der katholischen Kirchengemeinde. Das führte dazu, dass das gelbe Backsteingebäude am 31. Oktober 2003 nach dem Willen des damaligen Kirchenvorstandes in Husum und gegen den massiven Widerstand der meisten Kirchenmitglieder profaniert, also entweiht wurde. Doch diese Friedrichstädter Geschichte muss umgeschrieben werden, wie Diakon Bernwart Kwasigroch und der Vorsitzende des Kirchengemeinderates Falko Heuckrodt klar stellen. „Die Kirche sollte eigentlich 1854 vom zuständigen Weihbischof geweiht werden“, erklärte Heuckrodt. Da jedoch Friedrichstadt zu Dänemark gehörte, verweigerte die dänische Regierung ihm die Einreise, womit es bis heute nicht zu einer Kirchenweihe gekommen sei. Es könne sich damals nur um eine Benedizierung gehandelt haben, also um eine Segnung, so Kwasigroch.

Nach fünf Jahren kam wieder Leben in das Gotteshaus. „Das ist einem Lausbubenstreich des ehemaligen Dompfarrers Dietrich Timmermann in Kopenhagen zu verdanken“, gibt Ulrich Keiluweit, Mitglied der katholischen Gemeinde, lachend zu bedenken. „Nach seiner Pensionierung kam Timmermann nach Friedrichstadt, wo seine Schwester wohnt, und bat darum, das Gotteshaus als Privatkapelle nutzen zu dürfen.“ In Wirklichkeit wollte er es wieder zum Leben erwecken, was ihm auch gelungen sei.

Erst vor wenigen Wochen bekam die Kirchengemeinde ihre Apostelfiguren zurück, und auch die gespendete Orgel wurde in einem feierlichen Gottesdienst geweiht (wir berichteten). In dem Gotteshaus sind jedoch noch weitere Schätze verborgen. So ist im Altarraum des Kirchenschiffes eine Christusfigur zu bewundern. Der Corpus soll um 1230 entstanden sein und eine Odysee hinter sich haben. „Glaubt man der Überlieferung, so soll die Christusfigur nach der zweiten Grote Mandränke 1634 als Strandgut aus dem Meer gerettet worden sein“, sagt Ulrich Keiluweit. Sie soll zu einer Kirche auf der Insel Strand gehört haben. Auf jeden Fall wurde sie zunächst in der Uelvesbüller Kirche aufgestellt, die allerdings 1853 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Gesichert ist die Herkunft und das Alter der Kirchenbänke, die heute in der Kirche St. Knud stehen und deutlich älter als das Gotteshaus selbst sind. „Sie stammen aus einer katholischen Kapelle, die im Keller eines benachbarten Hauses untergebracht war“, so Keiluweit. Doch auch hier regte sich Widerstand seitens der dänischen Regierung. „Es gab ja nur die dänische Staatskirche, eine andere religiöse Gemeinschaft wurde damals nicht zugelassen.“ So mussten die Gläubigen ihren Versammlungsraum im Keller durch einen Hintereingang betreten. „Wenn man so will, so war dies eine Untergrundkirche, allerdings mit Duldung der dänischen Regierung.“ Der Altar in der kleinen Kapelle wurde auch als Beerdigungsstätte genutzt. „Es ist bekannt, dass unter dem Altar die ersten Priester der katholischen Gemeinde beerdigt wurden.“ Bei Umbauarbeiten vor wenigen Jahren sei man tatsächlich auf Gräber gestoßen.

In direkter Nachbarschaft zur ehemaligen Kapelle steht das Schulgebäude, das von der katholischen Gemeinde betrieben wurde. Laut Keiluweit ist es – aus dem gleichen Stein wie das Gotteshaus errichtet – etwa um 1800 gebaut worden. Erst 1927 wurde die Schule geschlossen und das Gebäude verkauft. Auf dem dazugehörigen Schulhof steht heute das kleine Gemeindehaus, wo vor wenigen Wochen der neue Franziskusraum eingeweiht wurde. Wie es zu dem Namen kam, darüber hat Keiluweit auch eine bewegende Geschichte parat. „Auf Nordstrand gab es auch eine Filialkirchengemeinde St. Knud, die allerdings aufgelöst wurde.“ Bei Aufräumarbeiten sei man auf ein Mosaikbild mit der Abbildung des Heiligen Franziskus gestoßen, das ebenfalls zum Müll sollte. „Das konnten wir so nicht zulassen, und so haben wir es zu uns nach Friedrichstadt genommen.“ Im Sommer soll mit einem Fest das Mosaik auf dem Gelände der katholischen Kirchengemeinde aufgestellt werden.

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