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Kreisbauerntag in Leck : Landwirte im Stimmungstief

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf dem Kreisbauerntag in Leck wurden eine zunehmende Bürokratie, erschwerende Auflagen und sinkende Preise bemängelt.

Die Wahrnehmung des bäuerlichen Berufs aus unterschiedlichen Positionen stand im Fokus des Kreisbauerntages in der Nordsee-Akademie Leck. Prominentester Gast war die Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im Bundestag, Gitta Connemann, neuerdings auch zur stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Bundestags-Fraktion aufgestiegen. Sie und Werner Schwarz, Präsident des Landesbauernverbandes, beleuchteten die Landwirtschaft auf schwierigem Kurs in die Zukunft. So lautete auch das Thema der Veranstaltung mit Landwirten aus der Region und Vertretern aus Verwaltung und Politik.

Kreisbauernverbandsvorsitzender Wolfgang Stapelfeld sieht den bäuerlichen Berufsstand derzeit in einem Stimmungstief. „Die Märkte laufen nicht. Die Luft zum Atmen ist dünner geworden. Wir haben auch unter den Sanktionen gegen Russland zu leiden“, sagte er und nannte als weiteres Problem die Stimmungsmache gegen die Bauern und von grünen Politikern mit Halbwahrheiten in die Ecke gestellt zu werden. Beistand erhielt Stapelfeldt durch Junglandwirte, die die überbordende Bürokratie und das überhandnehmende Auflagenwesen kritisierten.

Gitta Connemann, Mitglied einer bäuerlichen Familie ostfriesischer Provenienz, tat einen analytischen Rundblick auf die bundesdeutsche Agrarszene. Auf ihre Aufgabe verweisend stellte sie klar, „dass wir der einzige Ausschuss im Bundestag sind, der jeden Deutschen etwas angeht.“

Landwirtschaft, sagte sie, sei Leidenschaft. Den Demonstranten auf der Grünen Woche, die mit den Worten „wir haben es satt“ skandierten, habe sie nur geantwortet: „Wir machen euch satt.“ Überdies sei sie dort auch in Diskussionen verstrickt worden, „die nicht unsere Diskussionen waren.“ Es sei ein Skandal, wie man versuche, einen Berufsstand zu ächten – einen Beruf, der in der Achtung und im Ansehen der Bevölkerung nach dem Arzt und Lehrer auf Platz drei stehe. Connemann gestand ein, dass Erwartung und Realität im ländlichen Raum auseinander driften würden – und die erwartete Romantik auf dem Lande nicht erfüllt werde.

Wie die Landwirtschaft der Zukunft aussehen soll? Der Branche sollte auf keinen Fall das Wie vorgeschrieben werden. Man solle ihr im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten die Wahlfreiheit überlassen. Die Politik könne das nicht. Scharfe Kritik übte sie am Verein „Animal Peace“, der einen Bullen als „Held der Freiheit“ bezeichnet hatte, weil er einen Bauern angegriffen und getötet hatte.

Die Rednerin sprach Themen an wie den Einsatz von Antibiotika, der in der Humanmedizin um ein Vielfaches höher liege als in der Tiermedizin. Die Bezahlbarkeit von Lebensmitteln sei eine soziale Frage, werde heute jedoch von nur vier Konzernen bestimmt und störe die freie Auswahl. „Die Anforderungen an Lebensmittel steigen, der Lohn für den bäuerlichen Produzenten hingegen nicht.“

Das Russland-Embargo mache Probleme. Exporte fänden nicht mehr statt. „Wir spüren den Druck“, erklärte sie und nannte als Folge einen Rückstau auf dem europäischen Markt, dem eine gute Ernte 2014 noch einen drauf setzte. Dennoch äußerte Gitta Connemann Zuversicht. „Wenn wir zusammen stehen, hat Landwirtschaft Zukunft.“

Präsident Werner Schwarz sprach sich dafür aus, von den Landwirtschaft zusätzliche Aufgaben fernzuhalten. Einschränkend gestand er ein, dass sich der produzierende Landwirt der Pflicht zu einer Dokumentation nicht entziehen können. Angesichts der gegenwärtigen Situation stehe der Landwirt unter Druck. Bis zu zehn Prozent der Berufskollegen litten unter psychischen Beeinträchtigungen. Schwarz: „Landwirtschaft ist Leidenschaft, die aber auch Leiden schafft.“

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