Bauern in Südtondern : Landwirte hadern mit dem Wetter

Unter Wasser: Wie dieses Getreidefeld bei Großhansdorf (Kreis Stormarn) sahen im Dezember etliche Äcker aus.
Unter Wasser: Wie dieses Getreidefeld bei Großhansdorf (Kreis Stormarn) sahen im Dezember etliche Äcker aus.

Nasse Felder, Schweinepest-Sorgen und Gülle-Stau machen auch Südtonderns Bauern zu schaffen.

shz.de von
02. Februar 2018, 07:00 Uhr

Was wünschen sich Südtonderns Bauern? Frost im Februar, damit sie endlich wieder ihre Felder befahren können. Denn wie überall in Schleswig-Holstein leiden auch die Landwirte im nördlichen Nordfriesland unter den Folgen der Regenmassen, die über Monate Äcker aufgeweicht haben. Felder, die nicht bestellt, Ernten, die nicht eingefahren und Gülle, die nicht ausgefahren werden konnte, diese Themen lagen deshalb beim Neujahrsgespräch des Kreisbauernverbands Südtondern in der Nordsee-Akademie obenauf. „Das ist so in meinen 40 Berufsjahren noch nicht vorgekommen“, sagte Südtonderns Kreisbauern-Vorsitzender Wolfgang Stapelfeldt mit Nachdruck.

Auch das Risiko „Afrikanische Schweinepest“ treibt Südtonderns Bauern um: „Wir sind in großer Sorge wegen eines eventuellen Ausbruchs der Seuche“, sagte Stapelfeldt. Zwar gebe es keine große Wildschweinpopulation in Südtondern. Auch gehe bekanntermaßen von der Seuche und dem Verzehr von infiziertem Fleisch keine Gefahr für Menschen aus, jedoch: „Polen ist nicht weit weg. Es braucht nur ein Lkw-Fahrer einen Salamibrötchen-Rest wegwerfen, den eine Ratte frisst, die dann in den Schweinestall des Nachbarn läuft.“ Ein Einbruch der Seuche in die Nutztier-Schweinebestände wäre laut Stapelfeldt „eine Katastrophe“. Er regte unter anderem an, unter Einbindung von Feuerwehren und Technischem Hilfswerk mittels Szenarien zu proben, wie im Ernstfall vorzugehen wäre.

In seinem Vortrag mit dem Titel „Die moderne Agrarverwaltung – wie gläsern ist ein landwirtschaftlicher Betrieb?“ führte Dr. Rasmus Thamsen vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Flensburg der Versammlung vor Augen, welchen hohen Bürokratie- und Kontrollstandards Landwirte ausgesetzt sind. „Schwarze Schafe sind nicht die Regel, aber es gibt sie – und wir erwischen sie alle“, sagte er.

Meldefristen, Tierkennzeichnung, Ackernutzung, Düngemittelverordnung – die Anforderungen sind zahlreich, die Auflagen streng. Auch wenn Thamsen zufolge die Kontrolleure bei „verzeihlichen Versäumnissen der Landwirte eher wohlwollend sind“, so können technische Möglichkeiten umso unbarmherziger Missstände und Verfehlungen aufzeigen, unter anderem durch Aufnahmen aus Flugzeugen und von Satelliten. „Schon jetzt fliegt jeden Dienstag ein Sentinel-Satellit – das bedeutet Wächter-Satellit – über Schleswig-Holstein“, sagte Thamsen, noch allerdings sei man nicht in der Lage, diese Datenmengen zu Kontrollzwecken auszuwerten.

Nordfrieslands Kreispräsident Heinz Maurus hob die enge Partnerschaft der Landwirtschaft und des Kreises in den Bereichen Klima, Küstenschutz und der Gestaltung der ländlichen Räume hervor. Im Bereich der Windkraft-Planung sei es das Ziel der Politik für Nordfriesland, zu fördern, aber auch zu steuern. Stapelfeldt wiederum machte deutlich, dass er es nach wie vor kritisch betrachte, dass das Gebiet Wiedingharder- und Gotteskoog nach Willen des Kreises als Landschaftsschutzgebiet dauerhaft frei von Windkraftanlagen gehalten werden soll.

Für die Zukunft wünschte sich Stapelfeldt eine sach- und faktenorientiertere öffentliche Diskussion, mehr Tempo beim Breitbandausbau vor allem in den Außenbereichen – und eben besseres Wetter. „Das Gute ist: Wir Landwirte sind unerschütterliche Optimisten.“

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