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Nein zur Oberstufe in Tönning : Landrat fürchtet negative Folgen für die Schullandschaft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Bildungsministerium wird in den nächsten Wochen über die Einführung einer Oberstufe an der Tönninger Gemeinschaftsschule entscheiden. Landrat Dieter Harrsen spricht sich gegen das Projekt aus.

Nein zum Abitur in Tönning sagt Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen. In einer Stellungnahme an das Landesbildungsministerium bittet er dieses, der Einrichtung einer Oberstufe an der Gemeinschaftsschule der Eider-Stadt nicht zuzustimmen. Für das Schreiben hatte sich Harrsen mit den Fraktionsvorsitzenden im Kreistag abgestimmt, wobei nicht alle seine Ansicht teilen. Das Bildungsministerium will bis Ende Januar, Anfang Februar seine Entscheidung fällen.

Die Tönninger SPD-Fraktion hatte das Thema Sekundarstufe II im vergangenen Jahr aufgeworfen und einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Stadt ist Träger der Gemeinschaftsschule. Im ersten Anlauf war die SPD damit im Tönninger Stadtrat gescheitert. Da aber der zuständige Fachausschuss nicht in die Beratung eingebunden worden war, wurde das Projekt noch einmal aufgerollt und fand letzlich doch eine denkbar knappe Mehrheit von einer Stimme in der Stadtvertretung. Während SPD und SSW geschlossen dafür waren, lehnten CDU und die Mehrheit der AWT es ab. Ende April wurde der Antrag dann beim Bildungsministerium eingereicht. Eine zusätzliche Bildungschance, kurze Wege und eine Sicherung des Schulstandorts Tönning sind die Hauptargumente der Befürworter.

Harrsen fürchtet dagegen gravierende Auswirkungen auf die Eiderstedter Schullandschaft. „Durch die Einrichtung einer Oberstufe in Tönning wäre der Bestand des Gymnasiums in St. Peter-Ording akut gefährdet“, heißt es in der Stellungnahme. Es habe aufgrund seiner Randlage im Westen von Eiderstedt keine Möglichkeit, anderweitig Schüler anzuwerben. Weiter heißt es: „Die wirtschaftlichen Folgen einer Schulschließung für diese Region wären fatal, zumal auch das Nordsee-Internat St. Peter-Ording dann keine Zukunft mehr hat.“ Außerdem weist Harrsen auf den Rückgang der Schülerzahlen hin, im Kreis Nordfriesland sinken sie demnach in den nächsten zwölf Jahren um 28 Prozent. Er betont, dass Tönning jederzeit Kooperationsvereinbarungen schließen könne, um seinen Schülern einen höherwertigen Abschluss zu ermöglichen.

„Das war mir vornherein klar“, erklärte Stadtvertreter Stefan Runge (SPD) auf Anfrage zu dem Nein des Landrats. Seine Partei werde sich aber weiter dafür einsetzen, dass an der Eider-Treene-Schule eine Sekundarstufe II eingerichtet wird. „Bis jetzt hatte es dafür recht gut ausgesehen – vor dem Hintergrund des Zahlenwerks, das die Stadtverwaltung zusammengestellt hat.“ Die Entwicklung der Schülerzahlen spreche für das Vorhaben. So gebe es beispielsweise Interesse aus dem Norden Dithmarschens, und zudem sei Tönning Mutterschule für die Friedrichstädter Gemeinschaftsschule. Seiner Ansicht nach gebe es für St. Peter-Ording genügend Schüler. Inhaltlich spreche für die Tönninger Oberstufe, dass sie einen erleichterten Zugang zum Abitur schaffe, auch für Kinder, die aus einem nicht entsprechend vorgeprägten Elternhaus stammen. Er habe von Eltern und von Gemeindevertretern aus den Nachbarorten viel Zustimmung für die Oberstufe in Tönning erhalten, betonte Runge.

Auch die Tönninger SSW-Fraktion spricht sich für das Abitur in Tönning aus. „Die Gymnasien in Husum und St. Peter-Ording sind nicht gefährdet“, sagte der Fraktionsvorsitzende Helge Harder auf Anfrage. St. Peter-Ording könne sich anders aufstellen und andere Schwerpunkte setzen. Die Schulen könnten auch kooperieren. Zudem sei genug Platz in der Tönninger Einrichtung vorhanden, die Stadt müsse nicht investieren. „Und außerdem handelt es sich erst einmal um eine dreijährige Testphase.“ Die SSW-Fraktion werde sich weiter dafür einsetzen.

Auf Ablehnung stößt das Projekt von Anfang an bei der CDU Tönning. Und so ist der Fraktions-Chef Hans-Joachim Teegen auch zufrieden mit der Stellungnahme des Landrats. „Die Tönninger Schule ist zu klein für ein adäqutes Fächer-Angebot für ein qualifiziertes Abitur“, sagte er auf Anfrage. Außerdem sehe die CDU Tönning eine Gefährdung des Gymnasiums in St. Peter-Ording.

Die AWT-Fraktion war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

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erstellt am 21.Jan.2014 | 07:30 Uhr

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