zur Navigation springen

Bundestagswahl in Nordfriesland : „Lamentieren bringt ja nichts“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Matthias Ilgen hat seine Schlappe auf dem SPD-Listenparteitag verdaut. Das Bundestags-Mandat will er nun direkt gewinnen.

Die Zeiten, in denen amtierende Bundestagsabgeordnete auf der SPD-Landesliste gesetzt waren, sind offenkundig vorbei. Das musste der nordfriesische SPD-Kreisvorsitzende Matthias Ilgen (MdB) beim Landesparteitag leidvoll zur Kenntnis nehmen. Vom Landesvorstand auf Platz sechs gesetzt, blieb er nach zwei schmerzhaften Abstimmungs-Niederlagen ohne sicheren Listenplatz für die Bundestagswahl im September. Jetzt will Ilgen den Wahlkreis Nordfriesland  /  Dithmarschen-Nord gegen seine Hauptkonkurrentin Astrid Damerow (CDU) direkt gewinnen.

 

Ist das Votum des Landesparteitages ein Schlag ins Kontor?

Ja, weil ein Listenplatz natürlich auch symbolisiert, wie man seine Arbeit macht. Und ein amtierender Bundestagsabgeordneter hat in der Vergangenheit immer den Vortritt gehabt vor Leuten, die nicht im Bundestag sind. Dann auch noch im zweiten Schritt von jemandem herausgekegelt zu werden, der neu ist, ist natürlich ein Schlag ins Kontor. Aber am Ende des Tages bringt Lamentieren ja nichts.

 

War es auch ein Problem, dass die Ostküste mehr Delegierte stellt als die Westküste?

Es hatte vor allem damit zu tun, dass sich zwei Kollegen mit einem mäßigen bzw. schlechten Listenplatz zusammengetan haben mit dem Versprechen, dass sich die Kreisverbände gegenseitig unterstützen. Da hat der Landesteil Schleswig diesmal nicht zusammengehalten.

 

Ist Ihr Abschneiden auch eine Niederlage für den SPD-Landesvorstand und den Vorsitzenden Ralf Stegner?

Der Listenvorschlag war diesmal nicht einfach. Wir haben eine Mehrheit von Frauen in der Bundestagsgruppe und hatten mehr männliche Kandidaten für die Liste. Deshalb waren viele Kompromisse nötig, die zu Unzufriedenheit geführt haben. Es ist kein Weltuntergang, wenn es mal eine Gegenkandidatur gibt. Nur: Damit, dass Bündnisse geschmiedet werden über das Ranking in der Vorschlagsliste hinaus, hat niemand rechnen können.

 

Sind Sie enttäuscht?

Nach einigen Signalen auf dem Parteitag hatte ich damit gerechnet. Ohnehin haben die Nordfriesen und die Dithmarscher, die ja gespalten wurden, nur eine kleine Delegation und damit auch nicht die Hausmacht, Derartiges auf einem Parteitag zu verhindern. Hinzu kam eine Phalanx von linken Jungsozialisten, die stark daran gearbeitet haben, dass ich nicht wieder in den Bundestag einziehen soll. Nur so ist das am Ende möglich gewesen.

Das ist natürlich enttäuschend. Aber am Ende ist es nicht ausgeschlossen, dass Kanzlerkandidat Martin Schulz die SPD auf 30 Prozent im Bund führt und unser Landestrend dann bei 40 Prozent liegt. Wer dann in den Bundestag einziehen will, muss seinen Wahlkreis direkt gewinnen, da die Landesliste am Ende nicht zum Zuge kommt.

 

Es war ohnehin ihr Anspruch, den Wahlkreis direkt zu holen?

Dabei bleibt es. Und ehrlich gesagt ist es jetzt noch ein bisschen einfacher, die eigenen Genossinnen und Genossen für den aktiven Wahlkampf zu motivieren. Wenn alle das Gefühl hätten, der Listenplatz reicht ja, wäre es ungleich schwerer. Jetzt haben wir nur eine Chance und müssen gewinnen, um das Direktmandat über die Erststimme zu holen. Das ist auch für mich noch einmal ein zusätzlicher Ansporn. Ich selbst schaffe alleine schon 10  000 Haustür-Besuche und wir werden auch über die sozialen Medien werben. Läuft es auf Bundesebene gut für die SPD, dann ist jeder Wahlkreis gewinnbar, und darauf setzen wir. Hinzu kommt noch der kleine Faktor, dass ich durch den einen oder anderen überregionalen Fernsehauftritt ein bisschen bekannter bin als der Durchschnitts-Bundestagsabgeordnete. Das alles macht uns zuversichtlich, den Wahlkreis 2 direkt zu holen. Und das ist auch wichtig, damit die Anliegen der Westküste im Bundestag vertreten werden.

 

Also kein Frust nach der Parteitags-Niederlage, sondern neuer Kampfgeist?

Der politisch Hingerichtete ist wieder auferstanden und legt schnurstracks weiter los. Dabei erhalte ich sehr viel Unterstützung aus den Ortsvereinen, weil wir das Mandat im Bundestag brauchen. Mir ist es gelungen, viel Geld für die Friesen und zehn Millionen Euro für die Eiderstedter Kirchen nach Nordfriesland zu holen. Die Menschen wissen: „Ein Mann von der Westküste für die Westküste, der tut was für uns in Berlin.“

 

Wird es im Wahlkampf Unterstützung von Landes- und Bundes-Prominenz geben?

Ralf Stegner, der auch sehr traurig war, dass es für mich auf dem Parteitag so ausgegangen ist, hat seine Unterstützung schon angekündigt. Gerhard Schröder wird voraussichtlich nach Husum kommen und ich selbst habe bereits einen Termin mit Martin Schulz in Husum verabredet.

Das Wichtige ist, dass die SPD mit Martin Schulz den Glauben an sich selbst wiedergefunden hat. Zurzeit gibt es eine unglaubliche Euphorie bei den Sozialdemokraten mit 2000 Parteieintritten, was es zuletzt bei Willy Brandt gegeben hat. Dieser Trend wird sich noch weiter fortsetzen. Und dann ist ein Erfolg durchaus machbar.

 

zur Startseite

von
erstellt am 02.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen