Bald noch mehr Umweltauflagen : Kutterfischern droht schwere See

Fischkutter auf der Nordsee südlich von Eiderstedt.
Fischkutter auf der Nordsee südlich von Eiderstedt.

Die Nordsee-Fischer befürchten, dass ihre Fanggebiete weiter verkleinert werden. Daher soll der Deutsche Nautische Verein diese Problematik überregional aufgreifen.

von
20. Januar 2015, 17:00 Uhr

Den Fischern an der Nordseeküste schwant nichts Gutes. Sie befürchten weitere Auflagen und Einschränkungen ihrer Fanggebiete. Anlass zur Sorge geben ihnen bevorstehende Änderungen im Zuge der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. Ein Maßnahmenkatalog dazu soll in diesem Jahr fertig, die formulierten Umweltziele bis 2016 umgesetzt werden. Umweltorganisationen haben bereits eine sogenannte Schattenliste erarbeitet, in der zum Beispiel umfangreiche Fischerei-Ausschlussgebiete gefordert werden.

„Wenn nur die Hälfte davon umgesetzt wird, dann sind wir hier am Ende“, sagt deshalb Peter Ewaldsen. Der Geschäftsführer der Erzeugerorganisation der Muschelzüchter war einer von mehreren Branchenvertretern, die in Husum zu dieser Problematik Stellung bezogen. Zu der Runde hatte der Nautische Verein Nordfriesland unter dem Motto „Kutterfischerei heute – und morgen?“ eingeladen.

Neben der Fischerei wird von der anstehenden Umsetzung der EU-Richtlinie aus dem Jahr 2008 auch die Handels- und Sportschifffahrt betroffen sein, informierte der Vorsitzende des Nautischen Vereins Nordfriesland, Gerd Seier. Und da die Umweltverbände mit ihrem Forderungskatalog vorgelegt haben, gelte es nun „in die Hufe zu kommen“. Schon heute gebe es zahlreiche Hindernisse für den ehemals freien Fisch- und Muschelfang – Verbote und Beschränkungen, Reglementierungen beim Fischfang und bei der Muschelsaat und -ernte sowie Sperrzonen in Offshore-Windparks und anderen Gebieten, wie Bereiche von Kabeltrassen.

In der im Herbst 2014 vorgelegten, 29-seitigen „Schattenliste“ der Umweltverbände werden Seiers Worten zufolge weitere drastische Maßnahmen gefordert: Neben neuen Restriktionen für die Muschelfischerei beispielsweise auch „die Schließung von mindestens 50 Prozent der Summe aller Flächen aller marinen Natura-2000-Gebiete für die Fischerei“ und von mindestens 75 Prozent der Flächen für die Fischerei in den Nationalparks.

Mit Grausen sieht Peter Ewaldsen derlei Versuche, die Fischerei aus dem Nationalpark herauszudrängen. Die acht Muschelfischer, die jährlich 320.000 Euro Lizenzgebühren an das Land überweisen müssen, nutzten ohnehin „weniger als ein Prozent des Nationalparks“. Es werde nachhaltig gewirtschaftet, und bei der Einrichtung des Nationalparks sei das Recht der traditionellen Nutzung verbrieft worden. Aber weil Naturschützer ein nutzungsfreies Wattenmeer wollten, werde den Muschelfischern unterstellt, dass sie die Natur zerstörten. „Wir werden drangsaliert“, stellte Ewaldsen fest und prophezeite den anderen Fischern: „Wenn sie uns weghaben, dann seid ihr dran. Wir können nur hoffen, dass es nie soweit kommt.“ Der Vertreter der Muschelzüchter forderte nachdrücklich eine gerechte, vor allem sachgerechte Behandlung seines Berufsstandes.

Auch der Amrumer Krabbenfischer Andreas Thaden wandte sich dagegen, dass die Fischer seitens des Naturschutzes immer wieder als „Totengräber der Nordsee“ dargestellt würden. Den Verbrauchern werde ein schlechtes Gewissen eingeredet, „nur um an Spenden für den Umweltschutz zu kommen“. „Es ist ein ehrliches, ordentliches Handwerk, das ich ausübe“, betonte Thaden. „Ich bin doch der Letzte, der den Ast absägt, auf dem er sitzt.“ Auch der Ostfriese Dirk Sander, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer mit rund 100 Kuttern, erklärte mit Blick auf die Umweltverbände: „Es kommt immer wieder etwas Neues. Die wollen uns da raushaben – eiskalt.“ Und mit Blick auf die Forderungen der „Schattenliste“: „Wenn es tatsächlich so kommt, dann ist es aus.“

Weil sich die Fischer in öffentlichen Auseinandersetzungen mit Umweltverbänden wie „David gegen Goliath“ (Thaden) fühlen, wollen die Fischer künftig ihre Kräfte stärker bündeln. Auch die Tourismusverbände hätten inzwischen erkannt, welche Folgen es haben würde, wenn es keine Fischer mehr an der Küste geben würde, sagte Sander. Der Nautische Verein Nordfriesland will sich der Thematik ebenfalls weiterhin annehmen. In der Schlussabstimmung votierten die Mitglieder einstimmig dafür, den Deutschen Nautischen Verein mit seinem ständigen Fachausschuss einzuschalten. Dieser solle die Angelegenheit, von der nicht nur Nordfriesland betroffen sei, überregional aufgreifen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen