Biss-Leiter Bernd Biermann geht : „Kurzschlussreaktion“ oder „respektable Entscheidung“?

Bernd Biermann
Foto:
Bernd Biermann

Die Husumer Politik, Verwaltung und Kollegen reagieren recht unterschiedlich auf die Kündigung von Biss-Leiter und Jugendpfleger Bernd Biermann.

von
30. März 2017, 09:30 Uhr

Die Kündigung von Jugendpfleger Bernd Biermann bewegt in der Husumer Politik die Gemüter. Der Leiter des Jugendzentrums Biss hatte darum gebeten, eine halbe sozialpädagogische Assistentenstelle zusätzlich zu erhalten. Sein Team sei den Herausforderungen, die die Betreuung einer großen Zahl von Flüchtlings-Jugendlichen darstellt, ohne weitere Unterstützung nicht gewachsen, begründete Biermann seinen Wunsch. Dass die Politik seine Bitte mehrheitlich abgelehnt hat, ist für ihn einer der Gründe, ab Sommer beruflich neue Wege zu gehen (wir berichteten).

Reimer Tonder, Fraktionschef der Wählergemeinschaft Husum (WGH), bedauert Biermanns Entscheidung sehr. „Die Wählergemeinschaft hat ja dafür gestimmt, dass diese halbe Stelle genehmigt wird“, sagt Tonder. „Nun verlieren wir einen Jugendpfleger, der gute Arbeit geleistet hat, und haben dazu noch das Problem, dass die Stelle adäquat nachbesetzt werden muss.“ Biermanns Entscheidung könne er aber „in gewisser Weise“ nachvollziehen.

„Herr Biermann hat einen guten Job gemacht, seine Entscheidung bedauere ich“, sagt auch Christian Czock, Fraktionsvorsitzender der CDU. Allerdings müsse er auch die Haltung der Politik verstehen: „Wir wollten konkret vom Biss wissen, wie der Personalstand ist und wer dort wie viel arbeitet, bevor wir ihm die halbe Stelle genehmigen. Nur auf Zuruf wird ja auch sonst nirgends mehr Personal genehmigt. Wenn das nun der Grund ist, warum er kündigt, halte ich das für eine Kurzschlussreaktion.“ Zudem hätte sich Biermann bis Jahresende mit Jugendlichen aus dem Bundesfreiwilligendienst aushelfen können: „Die kosten die Stadt kein Geld.“ Er bedauere, dass Biermann nicht noch einmal Kontakt zur Politik aufgenommen habe. „Und was dieses Nachtreten soll, verstehe ich nicht“, sagt Czock.

Frank Hofeditz bezeichnet Biermanns Kündigung als „respektable Entscheidung“. Nach so langer Zeit aus dem öffentlichen Dienst auszuscheiden, sei mutig. Die Motive kann der Grünen-Fraktionschef allerdings nicht ganz nachvollziehen. Für Hofeditz decken sich die Öffnungszeiten des Jugendzentrums nicht mit der Nachfrage. Von der neuen Biss-Leitung erwartet er eine engere Zusammenarbeit mit den übrigen Trägern der Jugendarbeit sowie anderen Jugendzentren im Kreisgebiet. Wünschenswert wäre aus seiner Sicht auch, dass das Biss während der gesamten Sommerferien geöffnet bliebe.

Bürgermeister Uwe Schmitz hält sich in der Sache bedeckt – von Amts wegen: „Das ist eine Personalangelegenheit, und deshalb darf ich dazu nichts sagen“, so der Verwaltungschef.

Thomas Jarstorff, stellvertretender Leiter des Biss, der mit Biermann seit 27 Jahren eng zusammengearbeitet hat, verliert nach eigenen Angaben „einen Chef, der sich nie als solcher verstanden hat, sondern immer auch ein Freund und Teamplayer war“. Das gute Arbeitsklima sei ein Grund mehr für fast 30 Jahre erfolgreiche Jugendarbeit in und für Husum gewesen, ist der 57-Jährige überzeugt. „Persönlich bin ich sehr traurig, kann die Entscheidung aber gut nachvollziehen.“ Biermann habe stets gesagt: Jeder sei ersetzbar. „Aber so sehr wir uns in vielem einig waren, in diesem Punkt muss ich widersprechen: Wirklich gute Leute sind rar.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Horst Bauer war gestern bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen