Ein besonderer Termin in Berlin : Kurzes Lehrstück auf Friesisch

Ilse Johanna Christiansen trifft Joachim Gauck bereits zum zweiten Mal.
Foto:
Ilse Johanna Christiansen trifft Joachim Gauck bereits zum zweiten Mal.

Friesenrats-Präsidentin Ilse Johanna Christiansen ist zu Gast im Schloss Bellevue: Die Bredstedterin wird zusammen mit mehr als 200 Ehrenamtlichen aus ganz Deutschland von Bundespräsident Joachim Gauck geehrt.

shz.de von
09. Januar 2015, 09:00 Uhr

Heute (9. Januar) ist für Ilse Johanna Christiansen ein ganz besonderer Tag. Die Präsidentin des Friesenrates (Sektion Nord) wird von Bundespräsident Joachim Gauck und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt im Berliner Schloss Bellevue empfangen.

Die Einladung kam vor Weihnachten per Post in einem großen Umschlag. „Ich dachte zuerst, dass darin ein Foto von unserem ersten Treffen mit dem Bundespräsidenten ist“, erzählt die Bredstedterin. Sie war dann überrascht, als sie stattdessen die Einladung zum Neujahrsempfang in Händen hielt.

Vor zwei Jahren war sie bereits in Bellevue zu Gast gewesen und hatte mit dem Bundespräsidenten an einem Tisch gesessen – zusammen mit weiteren Vertretern von Minderheiten in Deutschland. Damals wurde Ilse Christiansen klar, wie wenig Joachim Gauck über die Friesen wusste. Sie nutzte die gute Gelegenheit, um ihm auf die Sprünge zu helfen und mischte sich deshalb in eine Diskussion zum Thema „Minderheiten in Deutschland“ ein – fernab des Protokolls, was wiederum Joachim Gauck zum Schmunzeln gebracht hatte, erinnert sich die Friesin.

Ilse Johanna Christiansen ist seit 2013 Präsidentin des Friesenrates und setzt sich im Friisk Foriining sowie im Minderheitenrat auf Bundesebene für die friesische Volksgruppe ein. Die 60-jährige Diplom-Psychologin ist außerdem Mitglied im Gremium des Schleswig-Holsteinischen Landtages für Fragen der friesischen Volksgruppe und im beratenden Ausschuss des Bundesinnenministeriums für Fragen der friesischen Volksgruppe aktiv.

Heute ist sie in Berlin ein Gast von mehr als 200 Ehrenamtlichen, die den persönlichen Dank von Joachim Gauck für ihr Engagement entgegennehmen; es sind Bürger aus allen Bundesländern, die sich um das Gemeinwohl besonders verdient gemacht haben sowie Repräsentanten des öffentlichen Lebens. Neben der Nordfriesin nehmen zwei weitere Schleswig-Holsteiner am Empfang teil und werden von Justizministerin Anke Spoorendonk begleitet.

Die Bredstedterin ist die Neunte im langen Reigen der Gästeschar, wie sie bereits aus dem vorab verschickten Protokoll erfahren hat. Darin ist eine Kleiderordnung festgelegt, aber auch, dass sie dem Bundespräsidenten etwas Persönliches sagen darf. „Ich werde mich vor allen Dingen auf Friesisch für die Einladung bedanken“, hat sich Ilse Johanna Christiansen vorgenommen. Am liebsten hätte sie ein rotes Kleid getragen, aber erwartet wird etwas Dunkles. Also kommt ein „etwas geblümtes Kleid“ aus dunklem Wollstoff zu Ehren. Was auf keinen Fall fehlen wird, ist ihr Friesenschmuck: echte Handarbeit von der Insel Sylt.

Wie der Neujahrsempfang im Detail über die Bühne geht, wurde den Besuchern gestern (8. Januar) im Schloss Bellevue mehr als eine Stunde vermittelt. Begleitet wird Ilse Johanna Christiansen von Tochter Marlene, die für den Südschleswigschen Wählerverband (SSW) im Kieler Landtag arbeitet. Während ihre Mutter im Schloss weilt, stattet sie mit den anderen Begleitpersonen dem Bundestag einen Besuch ab und ist anschließend zu einem Essen eingeladen.

„Ich fühle mich wirklich geehrt. Joachim Gauck ist für mich eine Respektsperson. Ein Treffen mit ihm lehnt man nicht ab, denn das hat man eigentlich nur einmal im Leben“, freut sich die Vorsitzende des Friesenrates. Dass sie dem obersten Repräsentanten zum zweiten Mal gegenübersteht, ist doppelte Freude für die Friesin. Wer sie für die Ehrung vorgeschlagen hat, weiß sie zwar, aber: „Darüber redet man nicht öffentlich.“ Geht es allerdings um die Friesen, schweigt die temperamentvolle Frau niemals. Ihr Grundsatz ist das friesische Wort „Tuhuupe“, das „Zusammen“ bedeutet. „Ich möchte die Menschen für das Friesische begeistern und sie mitnehmen“, unterstreicht sie und merkt an: „Wir müssen Gas geben.“

Neben der Einladung von Gauck hat sie noch etwas Besonderes gefreut: Dass das Biikebrennen Ende 2013 in das deutsche Unesco-Verzeichnis „Immaterielles Kulturerbe“ aufgenommen worden ist. Es war ihre Idee, die nach Absprache mit dem Friesenrat und verpackt als Vorschlag des Landes Schleswig-Holstein von der Berliner Kulturministerkonferenz beschlossen wurde. Hört man Ilse Johanna Christiansen von der Zukunft reden, hat sie noch einiges im Köcher, wenn es um die friesische Minderheit geht. Man darf also gespannt sein.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen