Husum im Schnee : Kurz war’s mal wirklich Winter

Oliver Hansen schippt in der Norderstraße in Husum Schnee.
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Oliver Hansen schippt in der Norderstraße in Husum Schnee.

Eine Autofahrerin wurde verletzt – ansonsten sorgte Tief „Friederike“ in der Region nur für wenige Unfälle.

shz.de von
18. Januar 2018, 18:50 Uhr

Die einen sind glücklich, wenn endlich mal nichts Flüssiges von oben kommt, die anderen sind schon genervt, bevor die erste Flocke sich auch nur blicken lässt. Schnee ist schön, macht aber viel Arbeit, könnte man in Abwandlung eines geflügelten Wortes von Carl Valentin sagen. Und wer durch Schnee und Eis zur Arbeit muss, hat sowieso seine spezielle Sicht auf die vielgepriesene „weiße Pracht“. Donnerstag war es mal wieder so weit: Es schneite – nicht, was das Zeug hält und auch nicht den ganzen Tag, aber immerhin.

Ein Hauch von Winter zog über die norddeutsche Tiefebene und hinterließ auch in Husum erst weiße, später matschig graue Spuren. „So gegen 4 Uhr mussten wir zum ersten Mal raus“, sagt Thomas Leißner. Und dabei sollte es nicht bleiben: Als es später am Morgen dann so richtig losging, mussten der Teamleiter des Kommunalen Servicebetriebs Husum (KSH) und seine Leute gleich noch eine zweite Schicht einlegen. Doch im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, wo es zahlreiche Unfälle gab und nicht nur der Autoverkehr zum Erliegen kam, ging es in Husum „recht sutje zu“. Und auch der Sturm, der das Schneechaos anderswo noch anfachte, machte um Husum einen respektablen Bogen. Leißner sprach von „ganz normalem Winterdienst“.

Die schöne Seite von Tief „Friederike“: Winterlandschaft in St. Peter-Ording.
Foto: Pfau
Die schöne Seite von Tief „Friederike“: Winterlandschaft in St. Peter-Ording.
 

Kuriosum am Rande: Als er gegen 3.30 Uhr von seinem Wohnort Mildstedt gen Husum aufbrach, war dort von Schnee weit und breit nichts zu sehen. „Erst als ich über die Au nach Husum herein fuhr, wurde es auf einmal weiß“, erinnert sich Leißner. Überhaupt hat der Winter den KSH bislang nicht übergebührlich in den Schwitzkasten genommen. „In den vergangenen Wochen haben wir uns mehr mit Baumschnitt als mit Winterdienst beschäftigt.“ Osterende, Neue Freiheit, Auweg – zu tun gab und gibt es reichlich: Äste zurückschneiden, Totholz entfernen und so weiter. Und das geht in milden Wintern natürlich leichter von der Hand.

Dass er und sein Team in Husum recht ordentlich gearbeitet haben müssen, bestätigt die Husumer Polizei. Klar habe es den einen oder anderen kleinen Unfall gegeben, hieß es, sei hier ein Auto von der Fahrbahn abgekommen oder dort ein zweites Auto auf ein drittes aufgefahren. Doch schwere Unfälle – vor allem solche, bei denen Menschen zu Schaden kamen – blieben aus.

Schneetreiben am späten Vormittag auf Husums Straßen.
Foto: vb
Schneetreiben am späten Vormittag auf Husums Straßen.
 

Das war außerhalb des Stadtgebietes anders. Dort ereignete sich auf teils spiegelglatten Straßen neben leichteren Verkehrsunfällen mit Blechschäden auch ein schwereres Unglück, zu dem die zentrale Leitstelle Nord in Harrislee gegen 12 Uhr alarmierte. Zwischen dem Rantrumer Ortsteil Ipernstedt und der Gemeinde Wittbek war eine Autofahrerin in einer leichten Kurve von der Fahrbahn abgekommen. Das Fahrzeug prallte dabei gegen einen Wall und blieb dort – unmittelbar neben einem Chausseebaum – hängen. Die Frau wurde eingeklemmt. Aus Ostenfeld und Wittbek eilten Einsatzkräfte mit Rettungsscheren und Spreizer herbei. Ihnen gelang es, die schwerverletzte Fahrerin aus ihrem Auto zu befreien, so dass sie in eine Klinik gebracht werden konnte.

Einen weiterer Unfall ereignete sich gegen 14 Uhr auf der L 37 im Bereich Ostenfeld. Hier war ein Lastwagen in den Graben gerutscht.

Nicht nur die Bundesstraßen 5 und 202 verwandelten sich am Vormittag schnell in rutschige Pisten. Der wässrige Schnee zwang die Autofahrer zu einem sehr gemäßigten Tempo. Auf der B 5 zwischen Oldenswort und Witzwort kam ein Autofahrer mit seinem Wagen von der Straße ab. Er blieb auf der Böschung hängen. Wegen der Bergung bildete sich ein Stau.

Der aktuelle Wintereinbruch machte sich übrigens genauso schnell auf den Rückzug wie er kam – jedenfalls fürs Erste. Heute dürften leichte Plusgrade den Schnee von gestern vielfach schon wieder verschwinden lassen. Und da es bislang keinen nennenswerten Bodenfrost gibt, ist in den Abendstunden wohl vor allem auf überfrierende Nässe zu achten. Zum Wochenende hin sind Leißner und seine Mannen dann womöglich abermals gefordert. „Dann soll es richtig kalt werden“, sagt der KSH-Teamleiter.

Väterchen Frost ist in diesem Jahr mal wieder ein äußerst launischer Geselle.

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