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Geballte Kompetenz : Kuratorium soll die Stadt voranbringen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Geballte Fachkompetenz steht Friedrichstadt zur Verfügung, um den Ort zu beleben. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland spricht gar von einem Lottogewinn für die Stadt.

Ein überschaubarer Kreis traf sich in der Kultur- und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge in Friedrichstadt, um einer ersten Bilanz der beiden von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland (WFG) eingestellten „Stadtkümmerer“ Michael Schäfer und Tilmann Meyer zu lauschen. Beide sind jeden Freitag direkt am Marktplatz im Haus Theorie und Praxis anzutreffen, führen dort Gespräche, nehmen Anregungen entgegen oder lassen sich innerstädtische Zusammenhänge erklären. Schäfer, der bisher von seinen 106 Arbeitstagen 48 nach eigenen Worten im Holländerstädtchen verbracht hat, ist mittlerweile fast zu einem intimen Kenner der städtischen „Seele“ geworden. Denn zwei Fragen sollen langfristig beantwortet werden: Warum sind die Kommunikationsstränge in der Stadt so kompliziert, und warum wird aus Friedrichstadt nicht viel mehr gemacht ?

Natürlich hätte man einfach ein paar Ökonomen die Sache unter die Lupe nehmen lassen können, denn in den ersten Überlegungen zur Einstellung der „Kümmerer“ ging es um die Ursachenbekämpfung der vielen Leerstände, doch damit wäre nur am Symptom herumgedoktert worden. Die Gründe liegen tiefer. Das zeigte sich auch in der ersten Bilanzrunde. Denn dort war unter anderem die Rede von Neu- und Alt-Friedrichstädtern, von Zugezogenen und echten Bewohnern. Schäfer hatte sogar davon gehört, dass „in einem Friedrichstädter Haus geboren“ noch eine Klasse höher zu bewerten sei.

Die Einladung zu der Veranstaltung hat vermutlich einige Interessenten abgeschreckt, die eigentlich bereit wären, etwas für die Stadt zu tun, vermutete Bürgermeister Eggert Vogt, „es sah nämlich so aus, als ob nun auch konkrete Aufgaben übernommen werden müssen“. Zur Zeit sei eine gewisse Aufbruchstimmung in der Stadt zu spüren, Bürger seien bereit, auch Freizeit für ihren Wohnort zu investieren, obwohl es nach übereinstimmender Ansicht der Runde überwiegend die Neubürger seien. Gegen diese Unterscheidung wehrte sich Christiane Thomsen, Leiterin des städtischen Museums und des Stadtarchivs, vehement, denn ohne Fremde, beziehungsweise Zugezogene, wäre die Stadt nicht gegründet worden und vieles was die Stadt liebenswert mache, würde es nicht geben, wie etwa die kulturelle Vielfalt. „Wir müssen mit dieser Klassifizierung aufhören“, unterstrich sie. Beifälliges Nicken, und Schäfer präsentierte sein noch offenes Kuratorium (Das Wort Kurator stammt ab vom lateinischen Wort curator – Pfleger, Vertreter oder Vormund– sowie von curare – Sorge tragen, sorgen um), das sich für die unterschiedlichsten Belange der Stadt einsetzen, quasi als Ansprechpartner und Motor dienen soll. Dazu gehören neben der Friedrichstädter Stadtvertreterin Elke Kempkes, die als gebürtige Friedrichstädterin vertraute Ansprechpartnerein für Bürger sein will, auch Jennifer Timrott. Die Journalistin hat einige Jahre auf einer Hallig gelebt und wohnt jetzt im Holländerstädtchen. Mit dabei ist auch Inga Wiele aus
St. Peter-Ording. Sie berät Unternehmen bei Umstrukturierungen und saß unter anderem auch im Aufsichtsrat des Softwareherstellers SAP. Markus Jung ist Kommunikationsdesigner und lebt seit einem Jahr in der Stadt, um dort seinen Ruhestand zu verbringen. Letzter im Bund ist Kommunikationsberater Maurice Morell von der Insel Sylt mit dem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit und Markenpositionierung im Genuss- und Lifestyle-Bereich. Er will sich wie seine Mitstreiter ehrenamtlich für die Bürger und die Stadt einbringen. Michael Schäfer unterstrich, dass er sich nicht aus der Verantwortung stehlen wolle, sondern nach wie vor die Strippen in der Hand halten werde. Dr. Matthias Hüppauff, Geschäftsführer der WFG bezeichnet dies als einen Lottogewinn für die Stadt. So viel geballte Sachkompetenz, müsse üblicherweise sehr teuer bezahlt werden.

Wer an neuen Ideen und deren Umsetzung interessiert ist, selbst Vorschläge hat und sich einbringen will, sollte sich bei Theorie und Praxis am Markt (freitags geöffnet) oder bei Facebook informieren.

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erstellt am 29.Mär.2015 | 08:00 Uhr

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