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Landesschau in Husum : Kunstszene zieht ins Nissenhaus ein

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Landesschau des Bundesverbands Bildender Künstler (BBK) gastiert in der Storm-Stadt.

von
erstellt am 15.Nov.2017 | 12:00 Uhr

Lucia Figueroas Arbeit, ein dreiteiliges Schiff aus rotem Terrakotta, ist schon da. Und wie auf Zuruf kommt in diesem Augenblick die andere Künstlerin herein, die Husum bei der Landesschau des Bundesverbandes Bildender Künstler vom 19. November bis zum 18. Februar vertreten wird. Anja Pletowskis Bild ist groß und schwer und sie daher auch etwas außer Atem. Immerhin hat Pletowski jemanden gefunden, der es ihr bis vor die Eingangstür des Nissenhauses gefahren hat. Die letzten Meter ist sie nun auf sich allein gestellt. Aber schon eilt jemand vom Aufbauteam herbei und hilft, das unhandliche Gemälde in den ersten Stock zu tragen.

Dort wird es langsam eng. Drei Tage lang wurden insgesamt 90 Arbeiten von 67 Künstlern in der Herzog-Adolf-Straße angeliefert. Sie alle haben den Sprung in die 64. BBK-Landesschau geschafft. Aber damit beginnt auch eine sprichwörtliche „Parallelität der Ereignisse“. Überall stehen Vitrinen und Sammlungsstücke herum, die noch zur Ludwig-Nissen-Ausstellung gehören und nun den Exponaten der Landesschau weichen müssen. „So nahe kommen sich BBK-Künstler in den kommenden Monaten nicht mehr“, wirft Dr. Uwe Haupenthal, einer der sieben Juroren und als Geschäftsführer des Museumsverbundes Nordfriesland Hausherr der Leistungsschau, ein. Manche Bilder sind noch in Folie verpackt, andere lehnen an den Wänden und wieder andere stehen in Einzelteilen da, sollen also erst noch ein Kunstwerk werden.

Was es hier herauf geschafft hat, hat schon kleinere oder größere Odysseen hinter sich. Angeliefert werden die Arbeiten von den Künstlern selbst. Doch bevor es nach oben ins Nissenhaus oder hinüber ins Schloss geht, muss der Eingang und die Unversehrtheit der Kunstwerke geprüft und registriert werden. Viel Arbeit für die Mitglieder des BBK, aber auch für Haupenthal und sein fünfköpfiges Team.

Schwer vorstellbar, dass hier in nur einer Woche alles an seinem Platz sein soll, „aber wir machen das ja nicht zum ersten Mal.“ Wie viele Ausstellungen er schon aufgebaut habe? Haupenthal zuckt vielsagend mit den Achseln. „Einige!“

A und O ist die Disposition. „Deshalb habe der Landesverband vorab Lagepläne erhalten und sich die Örtlichkeiten anschauen können“, ergänzt Gerd Brodersen. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail. „Wir müssen uns zurücknehmen und die Arbeiten für sich selbst sprechen lassen. Sie müssen ihren Platz finden“, sagt Haupenthal. Natürlich werde nach Lösungen gesucht, sie möglichst im Sinne der Künstler zu platzieren. „Da haben wir eine dienende Funktion, aber die vertreten wir selbstbewusst.“ Die Künstler müssten das Ganze am Ende zwar abnehmen, erklärt der Museums-Chef unter beispielhaftem Hinweis auf eine unvollständige Installation von Regine Bonke. „Doch die letzte Entscheidung haben wir.“

Gleich um die Ecke stehen zwei Foto-Arbeiten von Wolfgang Meyer-Hesemann, und ein Hinweiszettel des Künstlers macht deutlich, wie banal und zugleich sensibel diese Disposition sein kann: „Wenn übereinander, dann dieses Bild nach oben“, hat Meyer-Hesemann darauf geschrieben.

„Aber auch das Gesamtbild muss stimmen“, erläutert Haupenthal, und genau daran wird er in den kommenden Tagen mit seiner Jury-Kollegin Roswitha Steinkopf feilen. „Es muss eine gute Ausstellung werden“ – darin sind sich beide einig. „Aber wir müssen auch danach noch mit diesen Räumen leben können“, verweist Haupenthal auf ein weiteres Problem. Das Schloss steht unter Denkmalschutz: „Dort dürfen wir keinen noch so kleinen Nagel einschlagen“, erklärt Brodersen. Und auch beim Nissenhaus ist Sensibilität im Umgang mit der alten Bausubstanz gefragt.

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