Ein Gebäude als Projektraum : Kunst mit Verfallsdatum

Das Thema von Anne-Christine Reverchon lautet „Alice im Wunderland“.
Das Thema von Anne-Christine Reverchon lautet „Alice im Wunderland“.

Mit dem Projekt „AIRhusum 2014“ nutzen Hermann-Tast-Schüler das Gebäude der alten Volkshochschule vor dem Abriss noch als Ausstellungsraum. Unter Leitung des Kunstlehrers Matthias Leßmann sind beeindruckende und sehenswerte Kunstwerke in Form von Skulpturen, Wandmalereien und Gemälden entstanden.

shz.de von
15. Juni 2014, 13:00 Uhr

Sie wirkt verlassen, trostlos und leer und steht kurz vor dem Abriss – gemeint ist die alte Volkshochschule. Doch kurz vor deren Ende haben Schülerinnen und Schüler der Hermann-Tast-Schule dem alten Gemäuer der ehemaligen „Höheren Töchter Schule 1899“ noch ein neues Leben eingehaucht. Mit ihrem Kunstprojekt „Architektur-Intervention im öffentlichen Raum“, kurz „AIRhusum 2014“ genannt, begaben sich junge Künstler auf eine spannende und interessante Reise. Und während der Ausstellungszeit von Freitag, 20. Juni, bis Freitag, 11. Juli, wollen sie alle Interessierten mit hinein nehmen in ihre künstlerische und geschichtsträchtige Gedankenwelt.

Während des fächerübergreifenden Projektes, das zum Teil während der Unterrichtszeit unter der Leitung des Kunstlehrers Matthias Leßmann in der alten Schule stattfand, sind beeindruckende und sehenswerte Kunstwerke in Form von Skulpturen, Wandmalereien und Gemälden entstanden. Unterstützung bekamen sie dabei von der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel. „Die Teilnehmer haben sich intensiv mit verschiedenen Themen befasst und sie künstlerisch umgesetzt“, so Leßmann. So haben beispielsweise Jan Hansen und Marc Köhler die Berliner Mauer in einem ehemaligen Klassenraum nachgebaut. „Wenn die Besucher in den Raum kommen, betreten sie West-Berlin und blicken auf Stacheldraht und auf die Mauer“, sagt Hansen. „Auf der einen Seite wird das pulsierende Leben im Westen und auf der anderen Seite der triste und graue Alltag im Osten dargestellt“, fügt Köhler hinzu. Wie die Mauer und das Leben auf der Ostseite aussehen, wird durch einen an der Decke hinter der Mauer hängenden Spiegel sichtbar. Wenige Räume weiter sind Lara Bock und Celine Röhe im ehemaligen Café beschäftigt. Ihr Projekt haben sie denn auch „Das verlassene Café“ genannt. Kunstvoll haben sie dafür gemeinsam die Wand bemalt – eine aufwändige Arbeit, wie sie berichten.

Im ersten Stockwerk hat Arvid Riemeyer die Wände schwarz gestrichen. Über einen Tunnel gelangen die Neugierigen in den „Dschungel der Eindrücke“. „Während der Ausstellung wird ein Film an die Wand projiziert, zugleich sorgt eine Nebelmaschine für düstere Stimmung“, berichtet er. Und da ist noch „Alice im Wunderland“, ein weiteres sehenswertes Thema, mit dem sich Anne-Christine Reverchon beschäftigte. In den sechs Ausstellungsräumen, die auf alle Etagen der früheren Schule verteilt sind, wird auch der Erste Weltkrieg abgehandelt. „Auf der einen Seite wird auf Fotos die Euphorie dargestellt, mit der die jungen Menschen damals in den Krieg zogen“, sagt ein junger Künstler. Auf der anderen Seite werde die harte Wirklichkeit des Krieges ebenfalls in Form von Bildern vor Augen geführt.

Ziel des Kunst-Projektes sei es, der Öffentlichkeit einen sonst unzugänglichen Raum in veränderter Perspektive zu zeigen, so Leßmann. „AIRhusum“ wird durch eine Vernissage mit Performances und Live-Musik am Freitag, 20. Juni, ab 19.30 Uhr eröffnet.

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