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Husum im Jahr 2015 : Kultur für große und kleine Leute

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Dritter und letzter Teil des Rückblicks auf 2015: Husum als bunter Schauplatz von Konzerten, Ausstellungen und Kongressen. Und dieses Jahr geht es so weiter.

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erstellt am 03.Jan.2016 | 17:48 Uhr

Arbeit, Familie, Sport – da bleibt für anderes nicht viel Zeit. Doch seit Januar 2015 gibt es Hoffnung für alle, die schon immer davon träumten, Malen zu lernen. Anja Pletowski und ihre „Akademie für Spätberufene“ macht es möglich – soweit sich jemand berufen fühlt. Aber das tun offenbar viele, denn nach der Startphase ist auch das zweite Studien-Semester wieder ausgebucht. Die Husumer Malerin hat offenbar einen Nerv getroffen.

Für Besucher im Alter von neun bis 13 Jahren hat das Nordsee-Museum ein illustr(ativ)es Begleitheft zum Entdecken der Museums-Exponate aufgelegt. Das wissbegierige Monster Latje und dessen frecher Schatten Skaad nehmen die Kinder bildhaft an die Hand. Und die erfahren, warum es das Museum gibt, weshalb die Menschen an der Küste Deiche bauen und wie das Leben auf den Halligen aussieht.

Max und Moritz gehören seit 2015 ebenso zum Repertoire des Poppenspäler-Museums wie Schneewittchen und Frau Holle. Auch Herzogin Augusta ist zurück im Schloss. Claus Koch machte es möglich: 85 Handpuppen überließ der 76-jährige Hamburger dem Museum. Alle Figuren stammen aus DDR-Produktion. Manche tragen noch den Stempel VEB (Volkseigener Betrieb) und stehen damit auch für ein Stück Zeitgeschichte.

Was für eine Vorstellung: Echte Elefanten trinken Wasser aus dem Tine-Brunnen. Unfug? Von wegen! Es gibt Beweise – keine Fingerabdrücke, aber Fotos. In der Ausstellung „Von der Republik zur Republik – Husum in der Fotografie von 1920 bis 1970“ waren sie allerdings nur einer von vielen Höhepunkten. Der Besucher-Ansturm im Nordsee-Museum war jedenfalls so groß, dass die Schau mehrfach verlängert wurde. Zur Eröffnung spielte die Alt-Rock’n’Roll-Band „Thunderboys“. Es war ihr erster gemeinsamer Auftritt seit 1966.

Man kann es getrost an die große Glocke hängen: Das Gasthaus zum Ritter St. Jürgen, einst Zentrum der Armenpflege, wurde 1465 erstmals urkundlich erwähnt. Das heutige Seniorenstift, seit dem 16. Jahrhundert auch Kloster genannt, feierte im vergangenen Jahr 550-jähriges Bestehen. Die Klosterkirche ist gerade einmal 100 Jahre jünger. Zwei runde Jubiläen also, die es im Osterende zu begehen galt und zu denen am Ende nicht nur sprichwörtlich geläutet wurde: eine 1575 von Melchior Lukas Brant gegossene Glocke, die sich im Besitz des Klosters befindet, aber seit etwa 1900 im Nissenhaus gelagert wurde, kehrte im Zuge der Feierlichkeiten an die alte Heimstätte zurück.

Im Mai stellten fünf Schüler des Theodor-Storm-Gymnasiums im Speicher ihren ersten eigenen Ton-Träger vor. Inzwischen ist das Quintett - obgleich es genau so heißt – beileibe kein „Platzhalter“ mehr, sondern eine gefragte Indie-Rock-Formation. Es gab ja schon mal eine Band, die mit eigentümlichem Namen von Husum aus die Musikwelt eroberte: „Vierkanttretlager“. Und deren Mitglieder kehrten im Juni zurück an alte Wirkungsstätten und legten – weil die Karten weggingen wie warme Semmeln – im Speicher gleich zwei Konzerte innerhalb von zwei Tagen hin.

Mehr als 1000 Besucher verlustierten sich im Frühsommer beim neunten Schlossvergnügen. Und die Theatergruppe „5plus1“ demonstrierte, dass Geschichte nicht langweilig sein muss, indem sie namhafte Schloss-Bewohnerinnen szenisch wieder auferstehen ließ.

Zwei große Ereignisse warteten 2015 auch auf den früheren Präsidenten der Theodor-Storm-Gesellschaft, Karl Ernst Laage. Vom einen wusste er: Es war sein 95. Geburtstag, der im Rathaus gefeiert wurde, und den er – wie konnte es anders sein – zum Anlass nahm, sein neues Buch „Begegnungen mit Theodor Storm“ vorzustellen. Das andere war eine zu erwartende Überraschung: Für sein Lebenswerk wurde Laage mit der höchsten Auszeichnung des Kreises Nordfriesland bedacht: Er erhielt den Hans-Momsen-Preis.

Zwei neue Kultureinrichtungen halfen im Juni einer dritten bei der Wiederbelebung. Nach einjähriger Zwangspause gab es am 7. Juli wieder eine Kulturnacht. Erstmals mit dabei der Filmklub Husum, der Enthusiasten jeden zweiten Dienstag im (auch 2015 wieder preisgekrönten) Kino-Center mit cineastischen Kostbarkeiten verwöhnt. Ferner der Kulturkeller Husum e. V., der aus dem historischen Braukeller wieder eine Kultur- und Begegnungsstätte machen möchte. Dazu gründeten sämtliche Kulturträger in Husum einen eigenen Verein. Und zur Kulturnacht kam mit dem Gitarristen Arne Janßen eine deutsche Jazz-Ikone in den Keller.

Dass der Spielmannszug Rödemis bei internationalen Wettbewerben Preise über Preise abräumt, ist ja schon beinahe selbstverständlich geworden, aber deswegen nicht weniger erwähnenswert. Eine außergewöhnliche Auszeichnung erfuhr dagegen die Husumer Großplastikerin Lucia Beatriz Figueroa. Für ihr künstlerisches Werk erhielt die gebürtige Argentinierin mit Wohnsitz in Husum auf Schloss Gottorf den Preis der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft. Die Laudatio hielt Ministerpräsident Torsten Albig. Zudem bekam Figueroa eine Ausstellung, die so gut ankam, dass sie zweimal verlängert wurde.

An einem Novum versuchten sich der Museumsverbund Nordfriesland und das Kinder- und Jugendforum BISS. Auf dem Gelände des Nordsee-Museums entstand die Kinderstadt Lüttsum – mit eigenen Häusern, eigener Verwaltung, eigenem Geld und eigener Zeitung. Trotz des miesen Sommerwetters fiel das Vorhaben nicht ins Wasser, sondern auf fruchtbaren Boden.

Die Storm-Tage standen diesmal im Zeichen zweier Dichter: Theodor Storm und Thomas Mann. Wer nicht dabei sein konnte, dem sei die Ausstellung „Bürger auf Abwegen“ im Storm-Museum empfohlen. Die läuft noch bis zum 31. März.

So. War’s das? Nein, noch lange nicht! Husum ist und bleibt nun mal eine rührige Kulturstadt – mit Filmtagen, internationalem Figurentheater-Festival, Raritäten der Klaviermusik, Nordfriesischer Liedkunst, jungen Meistern und und und. Apropos Konzerte: In mehreren Aufführungen gedachte die Stadt ihres einstigen Kantors Nicolaus Bruhns (1365-1697), der in diesem Jahr 350. Geburtstag gehabt hätte. Und für besonderes Aufsehen sorgte ein Konzert der Theodor-Storm-Schule in der Marienkirche – mit dem Titel: „Ba-rockt“.

„Nationale Minderheiten in Europa“ lautete das Thema des 9. Internationalen Ferdinand-Tönnies-Symposiums im Nordsee-Congress-Centrum. Dazu waren Wissenschaftler aus ganz Europa angereist. Erstmals gab es auch ein Kulturprogramm. Passend zum Thema wurde der erste Abend mit einem Doppelkonzert von Dragseth und dem Roberto-Weiß-Trio abgeschlossen. Und sozusagen als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk bescherte die Bredstedter Konzertagentur Gofi den Husumern die Aussicht auf ein neues Schlosshof-Open-Air am 22. Juli 2016. Der Haupt-Act steht schon fest: Es ist Shooting-Star Johannes Oerding.

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