Der Wert des ehrenamtes : Kultur als Standortfaktor

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Die Ausstrahlung der Stadt hängt maßgeblich vom künstlerischen Schaffen ab – und der Kunstverein trägt seinen Teil dazu bei.

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26. Januar 2018, 17:12 Uhr

Für fünf Milliarden Euro Umsatz sorgt der Sport in Schleswig-Holstein laut der Studie „Wert des Sports“, die Landessportverband (LSV) und Industrie- und Handelskammer (IHK) aktuell vorgestellt haben. Sie berechnen darin auch den Wert für die Gesellschaft. Die gleiche Rechnung machen die Husumer Nachrichten mit Husumer Vereinen auf – und das nicht nur im Sport. Dabei geht es auch um die Frage, ob sich die Stadt aus Aufgaben zurückzieht, die ihr im Sinne der Für- und Vorsorge eigentlich obliegt. Heute: der Kunstverein Husum und Umgebung.


Ähnlich wie in der ersten  Folge über den TSV Husum der ideelle und materielle Wert der Vereinsarbeit auseinander gehalten werden muss (wir berichteten), geht es auch im Gespräch mit dem Kunstverein Husum und Umgebung darum, gesellschaftlich-kulturelle Effekte von kaufmännisch-rechnerischen fein säuberlich zu trennen. Nehmen wir als Beispiel eine der vier Ausstellungen, die der Verein pro Jahr im Rathaus organisiert. Dort hängen 80 Werke bildender Künstler aus der Region. Betrachter sind eingeladen, „ihre Wahrnehmung zu schärfen und zuzulassen, dass die Bilder ganz andere Saiten in uns zum Klingen bringen“, wie es die Vereinsvorsitzende Andrea Claussen ausdrückt, die als Kunsterzieherin arbeitet. Und Dieter Pelties, stellvertretender Vorsitzender, rät, „sich auf eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben, der Umwelt und der Gesellschaft einzulassen“. Der hier vorangestellte Wert jedes künstlerischen Schaffens kann eben nicht in Euro beziffert werden, nützt aber dennoch im tieferen Sinne der Seele des Einzelnen und der Gesellschaft als Ganzem.

Die Sprecher zählen weitere Aktionen hinzu, die sie selbst auf die Beine stellen oder mittelbar über Kooperationen umsetzen helfen: Lesungen, musikalische Aufführungen und Kunst-Events wie die Kunstmeile im Dockkoog oder Kunst in Schaufenstern. Ihre Werke werden über die Artothek der Stadtbibliothek an all jene ausgeliehen, die ihr Zuhause damit auf Zeit bereichern wollen.

Andrea Claussen und Dieter Pelties verweisen auch auf die Aktion der freischaffenden Künstler-Kollegin Gisela Meyer-Hahn aus Pinneberg, die zur Windmesse die Energieanlagen in der Südermarsch zu einem ästhetischen Licht-Konzert verbunden hatte. Die Vielfalt kultureller Aktivitäten im öffentlichen Raum in Husum unterstreiche die Bedeutung der Kunst als Standortfaktor. Viele jener, die aus beruflichen oder privaten Gründen vor der Entscheidung stehen, nach Husum zu wechseln, zögen das Kulturangebot einer jeden Region in ihre Überlegungen mit ein.

Kommen wir nun zu den harten Fakten unseres Beispiels. Die Künstler, die die 80 Bilder im Rathaus gehängt haben, bewerten ihre Kunstwerke mit durchschnittlich 400 Euro. Macht einen Wert von 32.000 Euro. Um diesen Betrag steigt der Wert des Rathauses – zumindest für die Dauer jeder Werkschau. Würde die Stadt die Bilder ankaufen, müsste sie ebenfalls diesen Marktpreis akzeptieren.

Kommen wir zum Wert der ehrenamtlichen Arbeit im Kunstverein. Andrea Claussen und Dieter Pelties opfern pro Jahr 348 Stunden ihrer Freizeit, das entspricht einem Gegenwert von 14.964 Euro. Die Aufgaben reichen von der täglichen Kontrolle der Mail-Eingänge über die Organisation der Ausstellungen bis zur Vorbereitung der Kulturnacht. Die Mitglieder im erweiterten Vorstand und andere Aktive bringen es auf 306 Stunden, die mit weiteren 8262 Euro zu Buche schlagen. In der Summe entspricht der Einsatz des Kultur-Teams des Kunstvereins also immerhin 23.226 Euro – nicht gerechnet die realen Ausgaben etwa für Flyer, Plakate oder Reisespesen für Künstler. Einen Zuschuss der Stadt für die Arbeit gibt es nicht.



Berechnungsweise: Der Clou in der LSV/IHK-Studie ist, dass jede ehrenamtliche Stunde in Vereinen erfasst wird und mit einem kalkulatorischen Bruttolohn bewertet wird. Mitglieder im engeren Vorstand „erhalten“ 43 Euro, im weiteren Vorstand vom Kassierer bis zum Spartenleiter 27 Euro, Kampfrichter und Trainer mit Lizenz 18 Euro, Trainer ohne Lizenz 14 Euro sowie Hilfskräfte 12 Euro.

Nächste Folge: Gesellschaft für Husumer Stadtgeschichte.

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