Nationalpark Wattenmeer : Küstenvögel legen nach

Die Küstenseeschwalben in Nordfriesland haben erst im Juli angefangen zu brüten. Das komplette Gelege umfasst später zwei oder drei Eier.
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Die Küstenseeschwalben in Nordfriesland haben erst im Juli angefangen zu brüten. Das komplette Gelege umfasst später zwei oder drei Eier.

Seeschwalben und Sandpfeifer fangen erst im Juli an zu brüten, obwohl sie längst mit flugfähigem Nachwuchs unterwegs sein sollten. Schuld ist das kalte Frühjahr.

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15. Juli 2015, 13:00 Uhr

Die Küstenvögel sind spät dran in diesem Jahr. In St. Peter-Ording beginnen Küstenseeschwalben oder Sand- und Seeregenpfeifer erst im Juli neue Gelege, obwohl andere Familien dieser Arten längst mit flugfähigem Nachwuchs unterwegs sind. Nach Einschätzung des Biologen Rainer Schulz von der Schutzstation Wattenmeer eine sehr ungewöhnliche Situation: „Küken aus den jetzt begonnenen Gelegen wären erst ab Mitte August flügge, während viele ihrer Artgenossen schon nach Afrika unterwegs sind“.

Der Grund dafür, warum die Tiere trotzdem jetzt brüten, ist dem Biologen zufolge das kalte und windige Frühjahr: „Im Mai und Juni zerstörten mehrfach kleine Sturmfluten die Nester auf Sandbänken oder tiefliegenden Salzwiesen. Daraufhin wurde es so kalt, dass manche Tiere mit den Nachgelegen pausierten. Das zog die Brutperiode stärker als sonst in die Länge.“

Doch das ist nicht das einzige, was den Vögeln das Leben schwer macht. In vielen Brutgebieten des Festlandes gingen zahlreiche Gelege durch Fuchs oder eingeschleppte Arten wie Mink oder Marderhund verloren. Auf den Inseln und Halligen ist die Situation für die Brutvögel insgesamt günstiger, da es hier – bis auf Sylt – keine größeren Bestände von Füchsen oder Mardern gibt.

Der plötzliche Wetterwechsel mit Rekordtemperaturen birgt weitere Risiken für die Vögel, wie Schulz berichtet: „In vielen Spülsäumen liegen Paraffinklumpen, die aus der leider noch immer legalen Reinigung von Schiffstanks auf hoher See stammen. Sonst fest wie Wachs, kann sich Paraffin in der Mittagssonne verflüssigen und Vögeln, die hiermit in Berührung kommen, das Gefieder verkleben.“

Auch vor zu großer Hitze müssen die brütenden Vögel ihre Gelege schützen. Sind die Eier etwa durch anhaltende Störungen längere Zeit der Mittagssonne ausgesetzt, können sie überhitzen. Die Schutzstation Wattenmeer bittet daher alle Urlauber, die besonders gekennzeichneten Vogelbrutgebiete zu respektieren und nicht zu betreten.

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