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Umbau der Nord-Ostsee-Sparkasse : Künftig ein Konto beim Kaufmann?

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bargeld beim Kaufmann abholen oder den Bring-Service der Nord-Ostsee-Sparkasse nutzen? Die Verantwortlichen des Bank-Instituts planen eine Neuausrichtung und versuchen dabei, kreative Lösungen für den ländlichen Raum zu entwickeln.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2014 | 17:00 Uhr

Der Vorstandsvorsitzende der Nord-Ostsee-Sparkasse (Nospa), Thomas Menke, stellte sich den kritischen Fragen der Mitglieder des Hauptausschusses des Kreises Nordfriesland. In öffentlicher Sitzung im Kreishaus in Husum erläuterte Menke das Umbaukonzept des Bankinstituts.

Weniger Menschen im ländlichen Raum im Zuge des demografischen Wandels, die Abwanderung der Kunden in das Internet sowie die Notwendigkeit von Effizienzsteigerungen zwingen die Nospa, ihre Struktur zu verändern, erklärte Menke. In der Vergangenheit sei auf Präsenz in der Fläche gesetzt worden. Doch das rechne sich so nicht mehr: „Unsere Kunden stimmen mit den Füßen ab. Sie bevorzugen das Internet und nehmen persönliche Bankdienstleistungen dort in Anspruch, wo sie wohnen oder arbeiten. Dieses Verhalten hat viele kleine Filialen und selbst Geldautomaten inzwischen zu einem Zuschussgeschäft werden lassen, das wir uns nicht mehr leisten können.“

Der Vorstandschef betonte jedoch, mit dem Strukturkonzept wolle die Nospa nicht in erster Linie Geld sparen, sondern für möglichst viele attraktiver werden: „Unser Ziel ist eine Sparkasse mit umfassendem Leistungsangebot wie vor 30 Jahren: Mit Fachleuten, die vor Ort beraten und eigenverantwortlich entscheiden dürfen.“ In den größeren Orten werde es 19 Niederlassungen mit „Vollsortiment“ geben, also die Ein- und Auszahlung von Bargeld, aber ebenso eine kompetente und persönliche Beratung zur Geldanlage, Immobilien-Finanzierung oder Altersvorsorge. Neben den 19 Generaldirektionen werde es 21 kleinere Filialen geben, die zumindest 80 Prozent des Spektrums abdecken könnten. „Das Bankgeschäft ist so komplex geworden, dass Generalisten nicht mehr ausreichen. Deshalb werden wir Spezialisten ausbilden“, versprach der Vorstandschef.

Aus Sicht der Mitarbeiter bietet das Konzept nach seiner Ansicht neue Chancen: Zwar müssten manche den Dienstort wechseln, doch sei die Arbeit in kleinen, nur noch stundenweise besetzten Filialen für viele nicht mehr interessant gewesen. „Jetzt schaffen wir regionale Teams mit fünf Mitarbeitern, die sich gegenseitig unterstützen können.“

Die Abgeordneten der Wählergemeinschaft Nordfriesland, Hans Klein und Gaby Edlefsen, monierten den vollständigen Rückzug aus kleinen Gemeinden wie Nordstrand oder Pellworm, wo die Insellage das Problem noch verschärfe. Menke verwies auf Lösungsansätze, mit denen sichergestellt werden soll, dass – selbst auf Pellworm – kein Kunde „alleingelassen“ wird. Beispiele seien eine mobile Beratung direkt beim Kunden und die Auszahlung von Geldern beim Einzelhändler statt am Automaten: Wer für weniger als 200 Euro einkaufe, könne sich die Differenz in bar auszahlen lassen. Auf dem Festland werde zudem ein „Geld-Bring-Service“ angeboten. „Bitte geben Sie uns noch etwas Zeit. Wir werden für Pellworm eine Lösung finden.“

Harsch kritisierte Ausschussmitglied Carsten-F. Sörensen (SPD) den in der Öffentlichkeit entstandenen Eindruck, das neue Konzept sei bereits beschlossene Sache: „Das geht nicht. Es muss zunächst in den Kreistagen und der Zweckverbandsversammlung diskutiert werden.“ Menke bestätigte, dass die endgültige Entscheidung voraussichtlich im Herbst vom Verwaltungsrat getroffen wird – nach vorheriger Anhörung der Verbandsversammlung. Aber: „Unsere mehr als 1000 Mitarbeiter sind davon überzeugt, dass dies ein Prozess ist, der die Zukunft der Sparkasse und die Arbeitsplätze im ländlichen Raum sichert.“

Vor der Verbandsversammlung wird der Kreistag in seiner nächsten Sitzung am 4. Juli über das Thema beraten und sich positionieren.

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