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Ärger in Friedrichstadt : Kritik an Verbot von Kunststoff-Türen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bürger wehren sich gegen die Friedrichstädter Ortsgestaltungs-Satzung, die Holztüren vorschreibt. 74 Hauseigentümer in der Stadt wurden aufgefordert, Kunststoffelemente auszutauschen.

Wer in die Friedrichstädter Altstadt zieht, wird sie schnell kennen lernen. Sie schreibt nämlich viele Dinge vor, die in vielen anderen Städten ganz allein den Hauseigentümern überlassen sind. Die Rede ist von der Ortsgestaltungs-Satzung (OGS) der Stadt Friedrichstadt. Gerade dieser Tage ist sie wieder in aller Munde, denn immerhin wurden mindestens 74 Hauseigentümer von der Stadt beim Kreis Nordfriesland wegen eines Verstoßes gegen die OGS gemeldet.

Und der Kreis hat auch prompt reagiert. Einige der Bürger erhielten mittlerweile Post von der Verwaltung. Sie wurden aufgefordert, Türen und Tore, die nicht der OGS entsprechen, dort ist einzig Holz als Material genehmigt, auszutauschen. Um dem nicht gänzlich allein gegenüberzustehen, hat nun Kai Rieck aus Friedrichstadt alle Betroffenen und Interessierten zu einem Infoabend in das Holsteinische Haus eingeladen. Das Treffen beginnt am Donnerstag (28.) um 19 Uhr. Es geht dabei um einen ersten Informations- und Meinungsaustausch.

Hauptsächlich sind die Friedrichstädter Hausbesitzer darüber verärgert, dass sie nach wie vor durch die OGS dazu verdonnert werden, Türen und Fenster ausschließlich aus Holz anfertigen zu lassen. Denn zu dem Zeitpunkt, als die OGS ins Leben gerufen worden ist (1980), gab es diese Bauelemente zwar auch schon aus Kunststoff, doch waren sie auch als solche sofort zu erkennen. Heute hingegen, argumentieren die Gegner der im Jahr 2010 überarbeiteten OGS, seien Türen und Fenster optisch nicht mehr von denen aus dem Naturprodukt Holz zu unterscheiden. Der mittlerweile aufgekommene Materialmix – wie etwa Thermoholz – wird beispielsweise in der OGS gar nicht erwähnt.

Nach Ansicht vieler betroffener Bürger ist es allerdings auch nachvollziehbar, dass in der historischen Altstadt möglichst die Originalität der Häuser erhalten werden soll. Allerdings nicht um jeden Preis, schließlich gehe es in erster Linie ausschließlich um die Optik. Rick betont, dass beispielsweise geschwungene Kunststofftüren nur rund die Hälfte einer vergleichbaren Holztür kosten – und nur von einem Fachmann zu unterscheiden sind.

Eine Folge der strengen Auslegung der OGS zeigt sich mittlerweile bei vielen Häusern der Altstadt. Viele einst prächtige Holztüren sind mittlerweile durch schlichte glatte Türblätter ersetzt worden – aus Kostengründen. Verspielte Türformen finden sich daher immer weniger.

Seit dem In-Kraft-Treten der OGS wurden dennoch munter unter den Augen der Verwaltung weiter die eigentlich untersagten Türen und Fenster in die Häuser der Innenstadt eingebaut. Auch die Stadt selbst, die Hüterin der Satzung, scheute sich nicht, in einer von ihr betreuten Wohnanlage in der Westerlilienstraße/Kaneelstraße alle Fenster und Türen auszutauschen und durch moderne Bauelemente zu ersetzen – aus Kunststoff.

Die Bürger wollen am 28. April auch darüber beraten, wie es mit der Umsetzung der vom Kreis angemahnten Umbauten aussieht, denn schließlich kommen auf die Betroffenen nicht unerhebliche Kosten zu. Zwar wurde auch in Friedrichstadt mittlerweile ein Gerichtsurteil zur Kenntnis genommen, das den Einbau von Kunststofffenstern in Holzoptik erlaubt, aber bei den Türen wird an der alten Regelung festgehalten.

Erst im Juni 2014 kochte das Thema letztmalig hoch. Olaf Jöns berichtet in einer Stadtratssitzung, dass er in seinem Haus in der Flachsblumenstraße eine neue Haustür einbauen will, die alle Kriterien zum Energiesparen erfüllt. Doch dies sei ihm verwehrt worden, da sie aus Kunststoff sei. Holztüren aber, so argumentierte Jöns, würden die Energiekriterien nur sehr schwer erfüllen und seien zudem, in seinem Fall fast 1500 Euro, teurer.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Ortsgestaltungs-Satzung der Stadt Friedrichstadt für Wirbel sorgt. Denn auch das Recht auf freie Information wurde schon durch sie beschnitten. So untersagte sie beispielsweise das Anbringen von Satellitenschüsseln an den historischen Häusern. Mittlerweile ist dies aber gestattet, allerdings nur an den Gebäudeteilen, die nicht vom öffentlichen Raum aus einzusehen sind.

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erstellt am 02.Apr.2016 | 14:00 Uhr

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