Vortrag : Kritik am Stil-Mischmasch in der Architektur

Gilt als vorbildlich restauriert: der Rote Haubarg. Foto: wis
Gilt als vorbildlich restauriert: der Rote Haubarg. Foto: wis

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09. März 2013, 09:00 Uhr

Garding | Worauf es beim Erhalt eines historischen Bauwerks ankommt, das weiß die Architektin Ellen Bauer aus Tetenbüll genau, ist sie doch selbst Besitzerin eines Haubargs. Sie hielt auf Einladung des Heimatbunds Landschaft Eiderstedt einen Vortrag über historische Häuser in Nordfriesland und Eiderstedt. Zahlreiche Besucher hatten den Weg ins Alte Rathaus in Garding gefunden.

"Wenn man vernünftige Denkmalpflege betreiben will, muss man auf Spurensuche gehen", ließ die Fachfrau wissen. Beispielsweise wurde früher ausschließlich Mörtel aus Muschelkalk verwendet und der sei weit flexibler und haltbarer als das heutige Material. Dies könne man an manchen Backsteinmauern erkennen, wo der moderne Mörtel die Feuchtigkeit nicht etwa absorbiert, sondern in die Steine leitet, die daraufhin Schaden nehmen. Häufig, so Bauer, werden auch die Fenster nicht richtig betrachtet. Oft sind Blockzargenfenster eingebaut, was an Aussparungen bei den oberen Fensterrahmen gut zu erkennen sei: "Der Nachbau eines solchen Fensters bereitet heute keine Schwierigkeiten." Beim Freilegen einer Hauswand vom Putz kämen oft über den Fenstern gemauerte Rundbögen zum Vorschein, die aber kein Fenstersturz seien, erläuterte die Expertin. "Hier handelt es sich um Stützbögen, um das Gewicht der oberen Stockwerke und des Daches abzufangen."

Als gelungene Sanierungen nannte sie den Roten Haubarg und das Herrenhaus Hoyerswort, in dem sogar noch ein Fenster mit dem Originalglas aus der Renaissance erhalten sei. Das Landschaftliche Haus in Tönning, in dem sich im 17. Jahrhundert die Lehnsmänner der Landschaft trafen, sei eigentlich ein wichtiges Kulturdenkmal. Man könne aber nur beim Betrachten der Rückwand erahnen, mit welchem Aufwand das Haus einst errichtet wurde.

Zum Schluss ging Ellen Bauer auf die moderne Architektur ein. Am Beispiel der "Explosion der Traufenhöhen" zeigte sie, wie Bauvorschriften umgangen werden. Zunächst richte sich der Architekt nach der Traufhöhe der Nachbarbebauung - so will es die Vorschrift -, doch dann würden noch schnell ein paar versetzte, Etagen "aufgesattelt". Zudem bemängelte Bauer den Stil-Mischmasch. Ein modernes Gebäude müsse auf der Halbinsel zwar zeitentsprechend, aber landschaftskonform sein, schloss sie und nannte als gelungene Bauten die Sauna der Dünen-Therme in St. Peter-Ording und das Multimar in Tönning.

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