zur Navigation springen

Klinikum Nordfriesland : Kreistag gibt die Richtung vor

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine Reihe von Beschlüssen soll das defizitäre Klinikum Nordfriesland in eine gesicherte Zukunft führen. Dazu gehört die Schließung des Tönninger Krankenhauses.

von
erstellt am 24.Mär.2016 | 07:00 Uhr

Die entscheidenden Pflöcke hatten Nordfrieslands Politiker bereits im Vorfeld in mehreren öffentlichen Sitzungen eingeschlagen. Und auch der Beschluss-Vorschlag zur Zukunft des defizitären Klinikums, auf den sich sechs der sieben Kreistags-Fraktionen in Ergänzung der Verwaltungsvorlage geeinigt hatten, war seit Dienstagabend (22. März) öffentlich zugänglich. Dennoch fanden sich am Mittwochvormittag (23. März) noch rund 150 Zuhörer, die sich zum Teil schon morgens demonstrativ vor der Tür des Kreishauses in Husum versammelt hatten, zur Sondersitzung des Kreistages ein. An der allseits erwarteten Entscheidung, die sich auf der Basis des Vorwig- und des BDO-Gutachtens herausgeschält hatte, änderte die große Resonanz indes nichts.

Gefasst wurden die Beschlüsse mehrheitlich – gegen die Stimmen der drei Vertreter der Freien Sozialen Demokraten (FSD) – Horst Deyerling, Manfred Thomas und Herbert Frommer – sowie von Mery Ebsen (Wählergemeinschaft NF) und Thomas Ries (SSW). Demnach soll die stationäre Versorgung am Standort Tönning eingestellt werden. Als Termin für die Klinik-Schließung wird der 30. Juni 2017 angestrebt – vorausgesetzt, der Betrieb kann aus organisatorischen und personellen Gründen bis dahin gewährleistet werden. Für diesen Punkt hatte Nico Hamkens (SPD) – Wahl-Husumer mit Eiderstedter Wurzeln – eine offene Abstimmung beantragt. Ergebnis: Er selbst und sein Fraktionskollege Dirk Althof (Oldenswort) sowie Ebsen (Tönning) und das FSD-Trio waren dagegen. Bevor das Krankenhaus dichtgemacht wird, so ein weiterer Auftrag an den Klinikums-Geschäftsführer und seinen designierten Nachfolger (wir berichteten), ist der Weiterbetrieb des Medizinischen Versorgungszentrums sicherzustellen. Das Gleiche gilt für die Notfallversorgung in und für Eiderstedt.

Mit 44 Nein-Stimmen abgelehnt wurde ein sechsteiliger Änderungsantrag der FSD. Dieser zielte in der Hauptsache darauf ab, die stationäre Versorgung in Tönning mit dem Ziel zu prüfen, den Standort zu erhalten. Das, so begründete Fraktions-Vorsitzender Deyerling diesen Vorstoß, sei „allein aus geografischer Sicht“ geboten – auch mit Blick auf die verhältnismäßig hohe Zahl an Touristen im Raum Eiderstedt.

Zurück zum „mehrheitsfähigen“ interfraktionellen Antrag: Das klinische Angebot in Niebüll soll mit finanzieller Hilfe etwa in Form eines Sicherstellungszuschlages oder einer Budgeterhöhung erhalten werden – entsprechende Verhandlungen mit dem Sozialministerium und den Kassen sind zu führen. Die Erweiterung der Geriatrie-Abteilung kommt auf den Prüfstand.

Gespräche mit dem Ziel einer engen Zusammenarbeit mit nicht-privaten Nord-Kliniken sind ebenso Bestandteil des Beschlusses wie der Auftrag, die Möglichkeit eines zentralen Neubaus abzuklären. Landrat Dieter Harrsen wird angewiesen, in Abstimmung mit der Geschäftsführung des Klinikums die Schließung des Tönninger Krankenhauses so gut wie möglich auszugleichen. Die ambulante Versorgung und der Rettungsdienst auf Eiderstedt sollen danach ausgerichtet werden.

 

Die Positionen der Fraktionen im Kreistag

 

Verständnis für die Enttäuschung der Eiderstedter über die Schließung des Krankenhauses Tönning äußerte  CDU-Fraktions-Chef Tim Hanke. Aber die Bürger selbst hätten in weiten Teilen schon vorher „mit den Füßen abgestimmt“ und die Klinik nicht frequentiert. Die Kreistags-Entscheidung  trage dazu bei, die Gesundheitsversorgung in NF zu sichern und verhindere, dass der Kreis im Falle einer Insolvenz seinen Einfluss komplett verliert.

„Wir müssen, ob wir es wollen oder nicht, selbst handeln“, sagte  SPD-Fraktions-Chef Thomas Nisssen. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, drohe Ende 2017 erneut Illiquidität. Das Klinikum  müsse zukunftsfähig aufgestellt werden, und dabei  seien die Abgeordneten dem Wohl des ganzen Kreises verpflichtet, betonte sein Fraktionskollege Siegfried Puschmann. Kämen private  Investoren zum Zuge, „wären die Folgen noch wesentlich einschneidender“.

  „Unsere Krankenhäuser sind kranke Häuser“, merkte FDP-Fraktions-Chef Jörg Tessin an. Er warnte davor, dringend notwendige Maßnahmen weiter zu verschleppen: „Tönning ist in der jetzigen Form nicht mehr zu erhalten.“

 Ulrich Stellfeld-Petersen (SSW)  sprach von einer Wahl zwischen Pest und Cholera. Er gab zu bedenken, dass auch die Häuser in Niebüll und Husum weiter auf dem Prüfstand stehen. „Ich bin wütend, dass die Kreistags-Abgeordneten zu Vollstreckern einer Gesundheitspolitik werden, die Kostensenkung im Blick hat ohne Rücksicht auf den demografischen Wandel und den ländlichen Raum“, so Susanne Rignanese (SSW).

  Der Druck werde anhalten, und der Kreis als Entscheidungsträger sei abhängig von den Kassen, der Kassenärztlichen Vereinigung, Bund, Land und letztlich auch den Patienten, machte der WG-NF-Fraktionschef Jürgen Jungclaus deutlich.

„Bei den jetzigen bundespolitischen Rahmenbedingungen ist das für Nordfriesland die beste aller schlechten Möglichkeiten“, sagte Uwe Schwalm (Grüne) zum  Rettungsplan. Horst Deyerling (FSD) wandte sich strikt gegen die Schließung  in Tönning  , ohne zunächst alle Möglichkeiten geprüft zu haben, wie das Haus erhalten werden kann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen