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Suche nach Wohnraum : Kreis Nordfriesland heißt Flüchtlinge willkommen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Helfer stehen vor großen Herausforderungen: Es fehlt nach wie vor an freien Wohnungen und Geld für Sprachkurse sowie an klaren Regelungen für erkrankte Asylbewerber.

„Wir haben die höchste Flüchtlingswelle seit Kriegsende.“ Das betont Harry Schröder, Leiter der Ausländerbehörde des Kreises Nordfriesland anlässlich eines Pressegesprächs zur Lage der Flüchtlinge in Nordfriesland. Deutschland habe in den Vorjahren etwa 200.000 Menschen aufgenommen, von denen 7000 nach Schleswig-Holstein und 430 nach Nordfriesland bekommen seien. In diesem Jahr rechnet man beim Kreis mit bis zu tausend Personen – und die müssten untergebracht werden. Der Handlungsbedarf sei klar, und jeder einzelne sei gefordert.

Schröder lobt, dass im Kreisgebiet von vielen Akteuren fachlich, logistisch und menschlich schon sehr gute Leistungen erbracht würden. Asylverfahren, Aufenthaltstitel, Unterbringung, Betreuung und vieles mehr müssen bearbeitet werden. Anforderungen an Ordnungsämter, Sozialzentren und die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Niebüll steigen dementsprechend an.

In Niebüll angekommen, werden die Migranten nach einer sehr kurzen Einführungszeit nach festen Quoten auf die Ämter, Städte und Gemeinden verteilt. 42 Plätze biete die Gemeinschaftsunterkunft, wie die Leiterin Birte Matthiesen berichtet. Manchmal blieben die Asylbewerber nur eine Nacht dort. Der Grundgedanke, ihnen „Deutschland für Anfänger“ in einer größeren Zeitspanne zu erklären, könne nicht umgesetzt werden. Problematisch werde es vor allem dann, wenn sie nach Niebüll kommen und am nächsten Morgen um 8 Uhr wieder in Neumünster zur Anhörung sein müssten. „Unpünktlichkeit bedeutet, dass das Verfahren in Frage gestellt wird“, ergänzt Urte Andresen, Koordinatorin der Asylbewerber-Betreuung im Raum Husum und Umland. Erst dann, wenn Anträge genehmigt seien, dürften Sprachkurse besucht werden. Schwierig werde es, wenn Bewerber krank seien, denn sie seien nicht versichert und das dann anlaufende Verfahren sei sehr kompliziert und unter humanitären Aspekten nicht akzeptabel, so Andresen. „Politisch muss sich etwas ändern“, machte sie deutlich. Landrat Dieter Harrsen hofft, dass sich für diese Fälle bald Lösungen abzeichnen könnten.

Etwa bei Abschiebungen seien auch ehrenamtlich Engagierte seelisch sehr belastet, weil sie die als „menschliche Katastrophen“ empfinden würden. Folglich riet Urte Andresen, den freiwilligen Kräften Fortbildungen anzubieten, um mit dem Themenkomplex besser klarzukommen.

Harry Schröder erklärte, dass es immer schwieriger werde, die Asylbewerber unterzubringen. Fasst alle freien Wohnungen seien mittlerweile belegt. Er appellierte daher an alle Eigentümer leerstehender Häuser und Wohnungen, sich beim örtlichem Ordnungsamt zu melden.

Die Kreisverwaltung habe ihr Personal von zwei auf drei Vollzeitstellen aufgestockt, so Peter Martensen von der Migrationssozialberatung des Kreises. „Sehr erfolgreich“ arbeiten ihm zufolge die mit Fördermitteln ausgestattete Runden Tische in Leck, Niebüll, Husum und Sylt. Sie brächten haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter zum Erfahrungsausstausch zusammen. In Eigeninitiative beteilige sich der Kreis am Nationalen Integrationsplan der Bundesregierung und bildete dazu vier Arbeitsgruppen zu den Themen Integration in den Arbeitsmarkt, Bildung, Integration vor Ort und die besondere Situation von Mädchen und Frauen. Daraus entstand in Kooperation mit dem Kinderschutzbund ein Pool von Sprachmittlern, zu denen unter anderem Migranten gehören, die bereits deutsch sprechen und ihre Landsleute im Alltag begleiten können.

Pro Quartal erhalte der Kreis vom Land 95 Euro pro Asylbewerber. „Den größten Teil davon erhalten die Ämter, Städte und Gemeinden“, erklärte Landrat Dieter Harrsen. Dadurch sei es möglich, dass die Kommunen neues Personal einstellen könnten. Für Husum und Umland wurde eine 30-Stunden-Stelle beim Diakonischen Werk eingerichtet, in Südtondern und Eiderstedt sind weitere halbe Stellen geplant und auch auf Sylt und im Amtsbereich Mittleres Nordfriesland gab es Personalzuwächse.

Mit Blick auf den Fachkräftemangel und demografischen Wandel sollte man die Migranten möglichst in den Berufen einsetzen, aus denen sie stammten, sagte Axel Scholz, Leiter des Fachdienstes Grundsicherung und Verwaltung des Kreises. „Wir stellen immer wieder fest, dass sie auf keinen Fall untätig zu Hause sitzen wollen und jede Chance ergreifen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“ Er plädierte dafür, dass Bund und Land Sprachkurse gleich an Beginn an finanzieren sollten, weil dies die Integration beschleunigen würde.

Landrat Harrsen drückte abschließend seine Hoffnung aus, dass es schnell Lösungen bezüglich der Finanzierung von Sprachkursen geben werde.






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