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Husumer Nachrichten

19. September 2017 | 15:20 Uhr

Langenhorn : „Kreis blockiert Planungshoheit“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Gemeinde kritisiert die Einbeziehung des Langenhorner Alten Kooges in den Geltungsbereich des Landschaftsschutzgebietes.

Bis zum Monatsende müssen die betroffenen Gemeinden ihre Stellungnahmen zur Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten sowie zur Teilfortschreibung des Regionalplanes des Landes abgeben. Im Rahmen einer außerplanmäßigen Sitzung im Gasthof Ingwersen verabschiedeten Langenhorns Gemeindevertreter die vom Planungsbüro effplan aus Jübek erarbeiteten Stellungnahmen.

Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen hatte im vergangenen Jahr verfügt, das Gebiet der Geest- und Marschlandschaft Soholmer Au nördlich der Kommune zum Landschaftsschutzgebiet (LSG) zu erklären. Damit sollte der Bau weiterer Windkraftanlagen verhindert werden, bis der neue Regionalplan des Landes Schleswig-Holstein in Kraft tritt.

Der Kreis habe, so die Meinung des Planers Hansjörg Brunk, seine Hausaufgaben nicht gemacht, zumindest was die Unterschutzstellung des Langenhorner Alten Kooges angehe. Dieser Teilbereich, der praktisch wenige Meter hinter dem nördlichen Ortsende beginnt, sich östlich bis zur B 5 erstreckt, westlich an die dort bestehenden Windkraftanlagen heranreicht und sich nach Norden hin über den Ortsteil Efkebüll hinzieht, könne nicht dazugezählt werden. „Man findet nichts in der Anordnung, was die Kriterien des Bundesnaturschutzgesetzes erfüllen würde“, so der Planer. Zwar wünsche sich das Gremium dort de facto keine Windkraftanlagen, jedoch würde der derzeitige LSG-Status die kommunale Planungshoheit blockieren. Die Teilaufstellung des Regionalplanes lasse derzeit nämlich grundsätzlich weitere Mühlen auf Teilflächen zu.

Nach einem vom Land in Auftrag gegebenen Gutachten liegt im besagten Gebiet kein charakteristischer Landschaftsraum vor. „Die Einschätzung untermauere ich mit Verweis auf die großflächige, intensive ackerbauliche Nutzung, der naturfernen Ausprägung der Entwässerungsgräben, die ein steiles Kastenprofil haben sowie weitestgehend begradigt worden sind, und der äußerst geringen ökologischen Wertigkeit der Flächen“, so Brunk. Außerdem ergebe sich aus dem Gesetz nichts, was die Anordnung des Kreises rechtfertige. In Paragraf 26 Bundesnaturschutzgesetz heißt es, dass Landschaftsschutzgebiete dem Schutz von Natur und Landschaft dienen, insbesondere zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes oder der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter einschließlich des Schutzes von Lebensstätten und –räumen bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzenarten, ferner wegen der Vielfalt, Eigenart und Schönheit oder der kulturhistorischen oder besonderen Bedeutung für die Erholung, auszuweisen sind.

Der Kreis habe als Schutzzweck nur formuliert, dass das Areal vor vertikalen technischen Anlagen, von denen eine Fernwirkung ausgeht (insbesondere Windkraftanlagen und Masten), freizuhalten ist. Dies entspreche weder den Anforderungen des BNatSchG, noch halte dies einer kulturhistorischen Zuordnung des Kooges zur Soholmer Au stand. Der Koog ist marschlandschaftstypisch und wurde 1466 eingedeicht. Er wurde dann in den Störtewerker Koog im Norden und den Langenhorner Neuen Koog im Süden unterteilt. Mit dem Ockholmer Koog und den Sterdebüller Kögen wird gemeinsam ein Siel im Seedeich und ein Außenpriel zur Entwässerung genutzt. Das zeige, dass der Koog dem Raum zur Soholmer Au hin nicht zugeordnet werden kann. Eine Bedeutung für die Erholung könne ebenso wenig konstruiert werden. Außer Straßen und Wirtschaftswege sind keine Wander-, Fuß- oder Radwege vorhanden.

Das Fazit, so Brunk, könne nur sein, dass die Gemeinde Langenhorn die Einbeziehung des Langenhorner Alten Kooges in den Geltungsbereich des LSG ablehnen müsse. Genau diese Fläche wäre dann geeignet, so Gisela Ohmsen (effplan), als Windvorrangsfläche in den Regionalplan aufgenommen zu werden. Die Stellungnahme dafür sei vorbereitet. Dabei habe sie darauf hingewiesen, dass die Gesamthöhe künftiger Windkraftanlagen nicht mehr als 150 Meter betragen sollte. Zur Minimierung von Schall-Immissionen und Schattenwurf sollten 550 Meter Abstand zu Einzelhäusern und 1.000 Meter zu Siedlungsbereichen gelten.

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