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Wohnungsmarkt in Nordfriesland : Kreis benötigt 780 Wohnungen für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach einer Analyse wird der Bedarf an Wohnungen für Flüchtlinge in Nordfriesland bis zum Jahresende zunehmen; es werden 780 Unterkünfte benötigt. Vor einer handfesten Wohnungskrise wird gewarnt.

Auf dem Prüfstand: Für die Flüchtlinge, die in diesem Jahr kommen, werden in Nordfriesland rund 780 Wohnungen zusätzlich gebraucht. Das geht aus einer aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt der Gesamt-Wohnungsbedarf im Kreis 2015 damit auf rund 1090 Wohnungen.

„Wenn es bei einem starken Flüchtlingszuzug bleibt, muss sich der Kreis Nordfriesland auch in den kommenden Jahren darauf einstellen, dass mehr Wohnungen gebraucht werden“, warnt Institutsleiter Matthias Günther: „Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, muss dringend neuer Wohnraum her!“ Es sei deshalb notwendig, den Neubau von Wohnungen zu forcieren und beim Leerstand kräftig zu sanieren.

Zwei „Mangelerscheinungen“ diagnostizieren die Wissenschaftler bei der Wohnungsmarkt-Analyse für Nordfriesland: „Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber Sozialwohnungen. Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, so Günther.

Hinter der Untersuchung, deren Ergebnisse gestern veröffentlicht wurden, steht die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Die IG BAU hat gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) die Wohnungsmarkt-Analyse in Auftrag gegeben.

Gemeinsam sprechen sich die Vertreter der Baubranche dafür aus, den Wohnungsneubau anzukurbeln, bei der Sanierung leer stehender Wohnungen eine Offensive zu starten und das Thema sozialer Wohnungsbau neu anzugehen. Erreicht werden kann dies, so das Pestel-Institut, durch zinslose Darlehen und Investitionszulagen für genossenschaftliche und kommunale Wohnungsunternehmen.

Um private Investoren zu gewinnen, schlagen die Wissenschaftler steuerliche Anreize vor. So sollte regional und zeitlich begrenzt in Verbindung mit Mietobergrenzen eine lineare Abschreibung für Abnutzung (AfA) von vier Prozent eingeführt werden. Ebenso eine degressive Abschreibung mit anfänglich zehn Prozent, um den sozialen Wohnungsbau zu stärken. Die gab es bereits bei der letzten großen Zuwanderungswelle in den 90er-Jahren. Günther: „Wenn private Investoren bezahlbare Wohnungen bauen sollen, wird das ohne steuerliche Anreize nicht funktionieren.“

Die vom Bund jetzt bereitgestellten 500 Millionen Euro, die die Länder bis 2020 jährlich für den sozialen Wohnungsbau bekommen sollen, sieht das Pestel-Institut kritisch. „Das wird hinten und vorne nicht reichen. Bundesweit werden dadurch bestenfalls zwischen 10.000 und 12.000 Wohnungen neu entstehen. Das ist eine Kapazität, die eine Großstadt nur so wegschluckt. Der Kreis Nordfriesland wird davon nicht wirklich spürbar profitieren“, sagt Günther.

An die Adresse der heimischen Bundestagsabgeordneten gerichtet, fügt der Wissenschaftler hinzu: „Es muss dringend etwas passieren. Andernfalls droht eine Wohnungskrise, die das Potenzial hat, an vielen Orten zu erheblichen sozialen Spannungen zu führen.“ Politisch müsse der Neubau und das Sanieren von Wohnungen als Konjunkturmotor neu entdeckt werden. „Denn, was als Anreiz vom Staat investiert wird, fließt beim Wohnungsbau zu einem Großteil über Steuereinnahmen und Sozialabgaben in öffentliche Kassen zurück“, macht Instituts-Chef Günther klar.

Das Pestel-Institut in Hannover geht bei seiner Wohn-Prognose von rund 1940 Flüchtlingen aus, die im Laufe dieses Jahres nach Nordfriesland kommen werden. Grundlage ist die für Deutschland erwartete Zahl von einer Million Flüchtlingen in 2015. Die Verteilung der Asylbewerber auf die Bundesländer berechneten die Wissenschaftler nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel, innerhalb der Länder nach der Einwohnerzahl. „Um die für Asylbewerber zusätzlich benötigten Wohnungen zu ermitteln, gilt die Formel: 100 Flüchtlinge, die in den Kreis Nordfriesland kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen“, erläutert Günther.

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