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Sanierungsarbeiten : Kreative Zwangspause für den Hafen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wegen Sanierungsarbeiten muss der Husumer Hafen für zwei Wochen geflutet werden. Während sich die Bagger bis zu zwei Meter unter die Hafensohle graben, um belastete Sedimente auszuheben, soll das Wasser im Hafen für den nötigen Gegendruck sorgen und die Kaimauern stabilisieren.

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erstellt am 20.Mai.2014 | 15:00 Uhr

Das Wort klingt ziemlich technisch: Einstaubetrieb. Doch was damit gemeint ist, wird auch dem Laien klar, wenn er heute oder in den nächsten Tagen an die Hafenkante tritt. Im Zuge umfangreicher Sanierungsmaßnahmen ist dort bis zum 2. Juni erst einmal Schluss mit dem ständigen Auf und Ab. Weil im Bereich des Dockvorhafens sowie des ihm vorgelagerten Schiffswendeplatzes verunreinigtes Baggergut ausgehoben wird, muss der Hafen für zwei Wochen geflutet werden (wir berichteten).

„Wir müssen bis zwei Meter unter die Hafensohle baggern“, erläutert Birgit Knudsen, Bauingenieurin des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Damit in dieser Zeit die Kaimauern nicht nachgeben, wird der Hafen aufgestaut und auf diese Weise Gegendruck erzeugt.

Bis in zwei Meter Tiefe des Hafengrundes lässt sich Tributylzinn (TBT) nachweisen – eine zinnorganische Verbindung, die bis zu ihrem Verbot 2003 in Antifoulings enthalten war. Nach einem viermonatigen „sehr aufwendigen Genehmigungsverfahren mit sehr vielen Beteiligten“ (Knudsen) wird das betreffende Sediment jetzt ausgebaggert und auf einem Gelände westlich des Dockvorhafens in riesigen Geotextilschläuchen eingelagert. Die Maßnahme kostet rund 1,9 Millionen Euro und wird vom Wirtschaftsministerium finanziert.

Summa summarum müssen zwei Spezialbagger 38.000 Kubikmeter an Sedimenten ausheben. Das Verhältnis von Boden und Wasser liegt bei zirka 1:5, und wenn beides voneinander getrennt worden ist, wird das überschüssige Wasser in den Hafen zurückgeführt. Natürlich werde die Qualität dieses Wassers täglich kontrolliert. Das belastete Sediment bleibt vorerst auf dem Gelände der Dock und Reparatur GmbH & Co KG. Sechs bis acht Wochen werde die Entwässerung in Anspruch nehmen, schätzt Knudsen. Nach dem Aushub wird dann bis zur Hafensohle ein Austauschboden aufgefüllt. Damit sollen die Spundwände in ihrer Standfestigkeit stabilisiert werden.

Die Sperrung des Hafens hat Auswirkungen auf den gesamten Hafenbetrieb, und deshalb ist LKN-Direktor Dr. Johannes Oelerich auch „doppelt froh, dass wir die Maßnahme vor vornherein mit allen Beteiligten abgestimmt haben“. Außerdem gibt es – je nach Hochwasser – bis zu zwei Mal täglich maximal zwei Stunden, in denen Schiffe den Hafen anlaufen oder verlassen können. Und die ATR Landhandel GmbH & und Co. KG nutzt die Zeit, um das Motorschiff „Maike“ bei der Dock und Reparatur GmbH & Co. KG überholen zu lassen (wir berichteten). So hilft die Zwangspause beiden Firmen.

Aber auch für das Umland und die Wasserwirtschaft bleibt die Hafenflutung nicht ohne Nebenwirkungen. Über Halbmondwehle, Porrenkoog, Lagedeich-Sielzug und Mühlenau hat der Husumer Hafen eine wichtige Funktion als Vorfluter. Daher wurden an der Mühlenau und zum Porrenkoog hin Pumpen installiert. Sie sollen dafür sorgen, dass die Entwässerung des Hinterlandes auch während der Sanierungsmaßnahmen sichergestellt ist. „In enger Abstimmung mit den Wasser- und Bodenverbänden haben wir dafür gesorgt, dass auch größere Niederschlagsmengen abgepumpt werden können“, erläutert Oelerich.

Wenn alles nach Plan läuft, soll die Maßnahme bis zum 20. Juni abgeschlossen sein und keiner Wiederholung bedürfen, weil das verunreinigte Baggergut danach aus dem Boden entfernt ist und wegen des TBT-Verbots kein neues nachkommen dürfte. Das heißt aber nicht, dass im Hafen nicht mehr gebaggert wird. Durch die Tide werden natürlich auch weiter Sedimente ins Hafenbecken gelangen. Oelerich spricht von 100.000 Kubikmetern jährlich. Und alle drei bis vier Jahre müssen auch wieder gröbere Sedimente aufgenommen werden. Aber das ist dann schon eine andere Baustelle.

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