Medizinische Versorgung auf den Halligen : Krankenpflege ist nun Gemeindesache

Die Pflegekräfte und ehrenamtlichen Helfer von Langeneß betreuen auch die Bewohner von Oland.
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Die Pflegekräfte und ehrenamtlichen Helfer von Langeneß betreuen auch die Bewohner von Oland.

Der neu gegründete Zweckverband Daseinsvorsorge auf den Halligen beerbt die bislang verantwortlichen Kirchengemeinden. Das Gremium beschäftigt sich neben dem Thema Gesundheit auf mit Bildung, Arbeit, Wohnen und Soziales.

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14. Januar 2015, 17:00 Uhr

Die medizinische Versorgung auf den Halligen bekommt eine neue Struktur. Bislang sind zwei Krankenpfleger auf Hooge nacheinander sieben Tage im Dienst. Auf Langeneß ist es eine Krankenpflegerin und eine Ehrenamtliche. Bis vergangenen Donnerstag waren die drei medizinischen Kräfte von den jeweiligen Kirchengemeinden angestellt. Sollte aber aufgrund einer Erkrankung Personal ausfallen, sorgte der zuständige Pastor für Ersatz beim Kreis Nordfriesland. Ein Rettungsassistent füllt dann die Lücke aus. Wie es derzeit auch auf der Hallig Langeneß praktiziert wird. „Die Krankenpflegerin ist schon länger krank“, informiert der dortige Pastor Matthias Krämer. Doch die Vertretung des Rettungsassistenten ist zeitlich begrenzt, weil der Sanitäter auch in seiner eigentlichen Verwendung in der Rettungsleitstelle für Nordfriesland gebraucht wird. Daher wurde eine Mini-Jobberin eingestellt, die am Montag, 12. Januar, den Krankenpfleger auf Langeneß ablöste. Unterstützung gibt es von Claudia Nommensen, die aber mehrheitlich auf Oland tätig ist.

Besondere Situationen erfordern häufig auch außergewöhnliche Planungen. Denn: die Aushilfskraft für Langeneß musste bereits am vergangenen Donnerstag , 8. Januar, anreisen, weil Orkanböen den Ausfall des Fährbetriebs zur Folge hatten. Auf den Halligen bestimmt die Natur den Rhythmus.

Die geschäftsführende AG Biosphäre und Halliggemeinschaft hat sich unlängst mit dem Thema Daseinsvorsorge auf den Halligen beschäftigt – auch um die medizinische Versorgung sicherzustellen. Zudem hielten der Kreis Nordfriesland und die Krankenkassen die Gründung eines Zweckverbands ebenso für notwendig.

Laut Hooges Bürgermeister Matthias Piepgras sind die Halligen die einzigen Gemeinden bundesweit, die eigene Krankenpfleger einsetzen. In der Stellenbeschreibung des Gemeindeoberhaupts schafft es Frank Timrott auf Hooge sogar in zehn bis 15 Minuten bei den Betroffenen zu sein, um auch bei den Aufgaben im Bereich der Grundpflege zu unterstützen – wie Nahrungsaufnahme oder Körperpflege. Freilich veranlasst der Krankenpfleger auch lebensrettende Maßnahmen bis zur Übernahme des Patienten durch den Notarzt. Jedoch könne diese ob der Abgeschiedenheit der Halligen aber sehr viel mehr Zeit benötigen, um vor Ort zu sein, weiß Hooges Bürgermeister aus seiner Erfahrung.

Grundsätzlich geht es für Piepgras, Heike Hinrichsen (Bürgermeisterin von Langeneß), Volker Mommsen (Bürgermeister von Gröde) und Werner-Peter Paulsen (Bürgermeister von Nordstrand), zu der die Hallig Nordstrandischmoor gehört, und die von der Gemeindevertreterin Ruth Hartwig-Kruse repräsentiert wird, um das Fortbestehen der Halligen. Damit ein Dasein auch im hohen Alter lebenswert bleibt. Die Gemeinde-Oberhäupter gründeten daher im Husumer Rathaus den Zweckverband Daseinsvorsorge auf den Halligen. Matthias Piepgras wurde einstimmig zum Verbandsvorsteher gewählt. Ebenso eindeutig fiel die Wahl auf seine Stellvertreterin Heike Hinrichsen und die zweite Stellvertreterin Ruth Hartwig-Kruse.

Alle Anwesenden votierten einstimmig für die neue Satzung. Auch der Haushalt wurde zu 100 Prozent genehmigt. Anteilig zahlen Langeneß und Hooge jeweils 49 Prozent oder 131.900 Euro und Gröde und Nordstrandischmoor jeweils ein Prozent oder 2700 Euro. Der Verbandsvorsteher unterstrich nochmals den Wert der geleisteten Arbeit der Kirchen. Die seelsorgerische Tätigkeit bleibt auch unbelassen. Dafür dankte er stellvertretend Pastor Matthias Krämer. Der Theologe freute sich, die Verantwortung nach zwanzig Jahren abzugeben. Krämer sieht die Notwendigkeit, dass die Gemeinden nun selbst verantwortlich sind. Hooges Krankenpfleger Timrott ist derzeit jedoch noch skeptisch. Er sieht gewisse Anlaufschwierigkeiten: „Bislang habe ich den Pastor angerufen, wenn ein Ersatz benötigt wurde, jetzt muss ich mich wohl selbst um eine Vertretung kümmern“, benennt Frank Timrott eine Unsicherheit.

Aber Matthias Piepgras ist zuversichtlich, eine zuverlässige medizinische Vorsorge für die Halligen bieten zu können. Die Gespräche mit der kassenärztlichen Vereinigung liefen bislang entspannt, sagt der Verbandsvorsteher. „Jetzt geht es an die Krankenkassen, um die finanziellen Möglichkeiten zu besprechen“, schiebt er hinterher. Beim nächsten Treffen werden dann Details diskutiert. Halbjährlich trifft sich der Zweckverband dann minimal. Denn zur Daseinsvorsorge auf den Halligen gehören noch vier weitere Punkte neben dem Baustein Gesundheit: Bildung, Arbeit, Wohnen und Soziales. Für Hooges Bürgermeister gehört sogar noch ein weiterer Punkt dazu: Mobilität. Damit das Dasein nicht zu sehr fremdbestimmt wird – unabhängig von der Natur.

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