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Feuerwehr Nordfriesland : Kraftakt auf fremdem Terrain

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf fremdem Terrain und auf sich allein gestellt üben die drei nordfriesischen Feuerwehrbereitschaftszüge im Nachbarkreis Schleswig-Flensburg. 132 Einsatzkräfte sind mit 18 Fahrzeugen im Einsatz.

Um kurz nach 14 Uhr ist es vorbei mit der Idylle in Sollerup-Mühle. Die Nordfriesen kommen. Mit Blaulicht und 18 Fahrzeugen rücken 132 Einsatzkräfte in den beschaulichen Ortsteil in der Gemeinde im Kreis Schleswig-Flensburg ein. Die Großübung ist eine echte Premiere: Erstmals trainieren alle drei nordfriesischen Feuerwehrbereitschaftszüge mit Verpflegungstrupp außerhalb des Kreisgebietes – und das nicht etwa in Zusammenarbeit mit Kameraden aus Schleswig-Flensburg, sondern völlig autark.

Der nordfriesische Großeinsatz beginnt mit einem Notruf. Gemeldet ist ein Feuer in einer Lagerhalle bei der Firma ATR in Sollerup. Als Übungs-Objekt ist diese in den Fokus geraten, weil sie im Einzugsgebiet der ausrichtenden Standortwehr Viöl liegt. Nur wenig später folgen neue Meldungen: Durch eine Explosion in einer weiteren der drei großen Hallen werden Personen verletzt. Die Leitstelle löst Großalarm aus. Im Verlauf der nächsten halben Stunde rücken die Einsatzkräfte mit insgesamt 18 Fahrzeugen an, das erste rollt um 14.10 Uhr mit Blaulicht heran. Nahezu im Minutentakt folgen weitere; im Bereich Sollbrück wird ein sogenannter Bereitstellungsraum eingerichtet. Die ersten Feuerwehrleute müssen alsbald feststellen, dass vor Ort eine Menge Arbeit auf sie wartet und rasch gehandelt werden muss. Neben dem Feuer mit Verletzten in den beiden großen Lagerhallen gibt es ein weiteres Problem: Ein Auto ist mit einem Lastwagen kollidiert, mehrere Personen sind eingeklemmt. Dringend werden Rettungsschere und weiteres schweres Rettungsgerät sowie Rettungswagen benötigt. Erschwerend kommt hinzu, dass auf dem weiträumigen Firmengelände die gesamte Wasserversorgung ausgefallen ist und die Löscharbeiten zunächst nur mit vorhandenen Tankfahrzeugen vorgenommen werden können.

Immer wieder werden Atemschutzgeräteträger ausgerüstet und begeben sich „bei Sichtweite gleich Null“ in die völlig verqualmten Lagerhallen. Um 14.45 Uhr erschüttern zwei gewaltige Detonationen die Szenerie – gefolgt von lauten Rufen: „Alle in Deckung hinter den Fahrzeugen!“

„Es wird eine Menge Manpower benötigt“, bestätigen der technische Einsatzleiter Christoph Löbig (Lindholm) und sein Stellvertreter Michael Schultz (Viöl), die das komplexe Übungs-Szenario – ein Kraftakt für alle Beteiligten – ausgearbeitet haben. An Beobachtern mangelt es dabei nicht: Neben Nordfrieslands stellvertretendem Landrat Jörg von Sobbe und Kreisbrandmeister Christian Albertsen sind auch Amtswehrführer Ralf Käber (Eggebek), Sollerups Wehrführer Werner Carstensen und sein Amtskollege Dieter Holz (Süderhackstedt) vor Ort.

Im Einsatz sind der erste Zug der nordfriesischen Feuerwehrbereitschaft (Emmelsbüll, Niebüll-Deezbüll, Risum), der zweite (Viöl, Hattstedt-Wobbenbüll, Wittbek) und der dritte Zug (Bredstedt, Breklum, Mildstedt, Garding). In der eigens in Sollerup eingerichteten Leitstelle koordiniert und protokolliert Löschmeister Alexander Knauf aus Bredstedt das Geschehen.

„Der Unterschied zum Feuerwehreinsatz zu Hause ist, dass die Einsatzkräfte hier völlig ortsfremd sind“, betont Kreisbrandmeister Christian Albertsen mit Hinweis Erfahrungen von den Hochwassereinsatzen der Nordfriesen Züge bei den Elbe-Hochwassern 2002 und 2013. Vize-Landrat Jörg von Sobbe sammelt Eindrücke und lobt die Feuerwehrleute: „Ich sehe hier hochengagierte und hochmotivierte Einsatzkräfte, die ihre Aufgaben bestens erfüllen. Dieses Engagement ist unbedingt hervorzuheben, damit unsere Bürger wissen, dass im Schadensfall Verlass auf unsere Leute ist.“ Ein dickes Lob auch von Christian Albertsen: „Hier wurde gut koordiniert und gut gearbeitet. Das Szenario ist ja nicht an den Haaren herbeigezogen, es kann sich so oder so ähnlich tagtäglich ereignen.“

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