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Geld für Anbau fehlt – Spenden sollen helfen : Kraft und Trost für die letzten Stunden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In das Wilhelminen-Hospiz kommen Schwerstkranke als Gast – der dringend benötigte Anbau lässt sich nur über Spenden finanzieren.

Der Tod ist mit der Farbe Schwarz behaftet und ohnehin ein Tabuthema. Kaum jemand will darüber sprechen, obwohl es viele Menschen beschäftigt. Irgendwann stirbt jeder – daran führt kein Weg vorbei. Die Frage ist bloß, wie?

Eine Villa im Niebüller Westersteig 2. Nicht schwarz und düster, sondern einladend und eingebettet in sattem Grün. Es ist das Wilhelminen-Hospiz. Innen ist es farbenfroh – vom Tod keine Spur. Freundliche Mienen als Willkommensgruß machen es einem leicht, sich geborgen zu fühlen – und doch wird hinter den Türen der sieben Zimmer gestorben. Kein Tabu, sondern das Leben...

20 festangestellte und 15 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich tagtäglich rund um die Uhr um die Sterbenden und deren Angehörige. „Es wird nie so viele Betten geben, wie man braucht“, erzählt Christel Tychsen im Raum der Stille. Still will sie nicht sein, denn sie hat noch einiges vor. Dafür braucht sie
die Öffentlichkeit, immer wieder. Sie erzählt, wie wichtig die Arbeit hinter den Mauern der Villa ist, und auch, wie viel Geld dafür gebraucht wird.

Tychsen ist die Geschäftsführerin und Leiterin des Hospizes, das 2011 eröffnet wurde. Ein Jahr zuvor wurde das alte Gemäuer komplett entkernt und zu dem saniert, was es heute ist. „Dieses Haus ist in Nordfriesland angekommen“, fasst sie die Akzeptanz in der Region zusammen. Die Menschen hätten es angenommen, auch wenn es viele von ihnen noch nicht bräuchten. „Sie wissen aber, dass es da ist. Für viele ein beruhigendes Gefühl.“

In das Hospiz kommen Schwerstkranke als Gast – auf diese Bezeichnung legt Tychsen großen Wert, Widerrede macht da keinen Sinn. Sie ist resolut, ohne Wenn und Aber – und muss es wohl auch sein. Gemeinsam mit den Mitarbeitern will sie den Gästen ein gutes und weitestgehend angenehmes Ende bieten sowie die Angehörigen unterstützen, wo es nur geht. Das braucht Kraft. Und die hat sie. „Ich kann persönlich gut damit umgehen. Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Beginn von etwas Neuem“, sagt Tychsen voller Überzeugung. Die Seele würde immer weiterleben.

Die Zeit, in der die Gäste im Hospiz sind, reichen von zwei Stunden bis zu einem Jahr. Der Durchschnitt liegt in Deutschland bei 15 Tagen. Zeit ist ein großer Faktor – nicht nur für die Sterbenden und Angehörigen, sondern auch für die Mitarbeiter. „Niemand muss hier rennen, die Mitarbeiter haben Zeit – und genau das ist hier gewollt“, erzählt die Leiterin beim Rundgang. Auf der Internetseite www.wilhelminen-hospiz.de gibt es Gästebücher. Dort beschreiben die Angehörigen den Aufenthalt im Hospiz – tiefe Dankbarkeit schwarz auf weiß.

Stationärer und ambulanter Hospizdienst, Trauerbegleitung für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, Fortbildungen, Kurse und vieles mehr – die Villa und das im vergangenen Jahr erworbene Grundstück inklusive Haus gleich nebenan dienen vielen Menschen in der wohl schwersten Zeit ihres Lebens.

Das Wilhelminen-Hospiz im Westersteig 2 muss aufgrund von Platznot Menschen die Aufnahme verweigern, die Warteliste ist lang. Außerdem gibt es derzeit keine Nebenräume für die Mitarbeiter – Übergaben im Zuge von Schichtwechseln sowie wichtige Besprechungen finden deshalb in der Küche statt. Für Gäste und ihre Besucher ist dann dort kein Platz.

Platz zum Kraft tanken für die Mitarbeiter – Fehlanzeige. Ruhiges Arbeiten im Büro – keine Chance wegen Überfüllung. Nach außen wird dennoch gelächelt, werden Gäste und Besucher umsorgt – für sie gibt man alles. Vielleicht auch ein Stückchen deshalb, weil ein Erweiterungsbau in der nahen Zukunft liegt. Vier Zimmer mehr für die Gäste und Platz für die Mitarbeiter, die es wahrlich verdient haben. Das gekaufte Grundstück und das Haus gleich nebenan versprechen die Lösung. Das Haus muss weichen, ein Anbau soll her und 2018 fertig sein. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Den finanziellen Grundstock bildet der Verkaufserlös vom geerbten „Haus Underwood“ im Westersteig 6. Doch das reicht nicht. Und weil das so ist, kam Tychsen auf die Idee, die Nordfriesen zur Kreativität zu animieren.

Das Wilhelminen-Hospiz sei für alle Nordfriesen da – und umgekehrt solle es auch so sein. Vereine könnten beispielsweise etwas auf die Beine stellen und Erlöse in den Erweiterungsbau stecken. Unternehmen Preisnachlässe zugunsten des Hospizes geben und Privatpersonen beispielsweise Erlöse aus Flohmarkt-Verkäufen spenden. „Jeder ist gefragt, um gemeinsam mit anderen Gutes zu tun“, rührt Tychsen die Werbetrommel.

Auf der Hospiz-Internetseite besteht auch die Möglichkeit, online zu spenden. Außerdem gibt es ein Spendenkonto bei der VR Bank eG Niebüll, IBAN DE10217635420007606800. Alle Nordfriesen sind aufgerufen, sich zu beteiligen, appelliert Tychsen.

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