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Ratloser Bürgermeister : Krähen haben den Luftraum erobert

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Friedrichstadt hofft auf verwertbare Erfahrungen im Kampf gegen die Krähen. Immer mehr schwarze Vögel bauen ihre Nester in der Stadt. Noch gibt es keine Lösung.

Er will es nicht bestätigen, aber es ist ihm deutlich anzumerken, dass es ihm wohl viel Spaß machen würde, eine Drohne über die Dächer von Friedrichstadt zu steuern. Die Rede ist von Bürgermeister Eggert Vogt, der allerdings den Gedanken, ein solches funkgesteuertes Fluggerät im „Kampfeinsatz“ gegen die Krähen zu manövrieren, noch weit von sich weist. „Sollten allerdings aus anderen Städten positive Erfahrungen vorliegen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass auch wir ein solches Fluggerät anschaffen werden“, betont er. Doch noch sei das Zukunftsmusik, konkret sei an den Kauf einer Drohne nicht gedacht.

Aber konkret sind die vielen Krähen, die die Friedrichstädter Innenstadt bevölkern. Dort scheinen sie sich sehr wohl zu fühlen, denn nahezu jeder höhere Baum wird von ihnen als Nistplatz genutzt. Dabei fühlen sich die Tiere eigentlich im Umland der Stadt viel wohler, unterstreicht Rüdiger Albrecht vom Landesamt für Umwelt und Natur in Flintbek, der bereits mehrfach in Friedrichstadt war, um nach Lösungen zu suchen. Aber, so sagt er, rund um die Stadt herum seien viele der großen Bäume verschwunden, auch die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg angepflanzten Pappeln, beliebte Nistbäume, würden verstärkt abgeholzt. „Was bleibt den Tieren da denn anderes übrig, sie suchen hohe Nistplätze und die finden sie in den Städten.“

Auch Bürgermeister Vogt will die Krähen ja nicht ausrotten, nur ihre Zahl reduzieren. „Alle Versuche sind bislang gescheitert, die Tiere sind einfach viel zu schlau“, betont er. Unter anderem würden ihn auch viele Mails aus dem Nachbarland Dänemark erreichen, in denen es Tipps gibt. Doch die nördlichen Nachbarn seien sehr rigoros, „abschießen“ lauten mehrheitlich deren Vorschläge.

Dagegen spricht nicht nur die Tatsache, dass die Krähen geschützte Vögel sind, sondern auch, dass die Tiere nunmal zu einer Stadt gehören. „Nur eben ihre Zahl, die ist viel zu hoch“, sagen nicht nur Bürgermeister Vogt, sondern auch die Tourismus-Chefin der Stadt, Anke Stecher (wir berichteten). Nicht nur Touristen, auch Bürger fühlen sich durch die Hinterlassenschaften der Vogel belästigt. Die Sitzgelegenheiten auf dem Marktplatz könnten häufig in den Abendstunden, wenn die Tiere von den umliegenden Feldern in ihre Schlafbäume zurückkehren, nur noch unter großen Sonnen-, beziehungsweise Kotschutzschirmen genutzt werden.

„Im vergangenen Jahr mussten wir sogar über dem Eingangsbereich des Kindergartens am Großen Garten eine Plane spannen“, berichtet der Bürgermeister. Durch Baumpflegemaßnahmen sei dies in diesem Jahr wohl nicht mehr möglich. Spezialunternehmen wären im Einsatz gewesen. Dabei würden vorwiegend Dreier-Astgabelungen aus den Bäumen herausgeschnitten. Denn auf diese sind Krähen angewiesen, um Nester zu bauen. Diese Maßnahmen kosten die Stadtkasse jährlich geschätzt zwischen 10.000 und 20.000 Euro.

Auch etwas außerhalb der Innenstadt, am Halbmond, haben die Krähen die dortige Pappelreihe als Wohnquartier für sich entdeckt. Jährlich ist dort ein gewaltiger Zuwachs an Nestern zu beobachten. „Wir haben ein Baumgutachten erstellen lassen und festgestellt, dass einige dieser Pappeln krank sind und daher im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht beseitigt werden müssen“, sagt das Stadtoberhaupt. Allerdings rechnet er nicht damit, dass
dies noch vor der Brutsaison beginnen kann. Im Herbst könnten dann nach Rücksprache mit dem Flintbeker Experten die Arbeiten aufgenommen werden. Ohnehin stehe man in ständigem Kontakt mit Rüdiger Albrecht, doch bislang sei man noch weit von einer Lösung entfernt. Hoffnung macht sich Vogt, dass der Städtetag auch nach einer Lösung sucht. Im vergangenen Sommer hatte dieser einen Fragebogen zum Thema Krähen verschickt. „Bislang haben wir noch keine Auswertung bekommen, ich hoffe auf eine Lösung.“

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erstellt am 03.Feb.2017 | 09:30 Uhr

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