Suche nach Konzept : Krähen geht es an die Nistplätze

Friedrichstadt will ein Konzept zur Vergrämung der Saatkrähen erarbeiten. Das Landesamt sagte in einer Einwohnerversammlung Unterstützung zu. Die Bewohner fühlen sich durch die Vögel genervt und überreichten eine Unterschriftenliste.

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22. November 2013, 20:00 Uhr

Die, um die es ging, saßen schon lange auf den hohen Bäumen rund um den Marktplatz in Friedrichstadt, während in der Kultur- und Gedenkstätte Ehemalige Synagoge heiß über das Thema Saatkrähen diskutiert wurde. Gut 80 Interessierte waren der Einladung zur Einwohnerversammlung gefolgt und wurden von Bürgermeister Eggert Vogt begrüßt. Gleich zu Anfang schilderte er das Problem mit den Krähen drastisch, untermalt durch Fotos von Bänken, Plätzen und Papierkörben, die sehr stark verschmutzt waren. Vogt berichtete, dass ihm einige Schreiben von vorzeitig aus der Stadt abgereisten Gästen vorliegen. Darin werde der Lärm und der viele Kot der Krähen als Grund für die vorzeitige Abreise genannt. Enttäuscht zeigte er sich, dass seiner Einladung zu dem Informations- und Diskussionsabend weder der Nabu noch das Gesundheitsamt gefolgt seien. Lediglich Rüdiger Albrecht aus dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek, dort zuständig für den Artenschutz, stellte sich der Diskussion.

Wie sehr die Friedrichstädter die Krähen nerven, zeigt eine Unterschriftenaktion, in der Maßnahmen gegen die Vögel gefordert werden. Sie wurde vor zweieinhalb Monaten gestartet. In der Synagoge wurden dem Stadtoberhaupt 2034 Unterschriften überreicht. Was damit geschehen soll, ist noch nicht geklärt, denn die Saatkrähe fällt unter das Bundesnaturschutzgesetz und nicht unter Landesregelungen.

Das unterstrich auch Albrecht in seinem Vortrag zum Thema Saatkrähen und legte den Friedrichstädtern neueste Zahlen vor. Denn alljährlich wird der Brutvogelbestand auch in dem Holländerstädtchen gezählt. Brüteten 1954 noch 75 Prozent aller Saatkrähen außerhalb von Städten, sind es seit 1997 genau 74 Prozent, die in den Städten brüten – mit steigender Tendenz. Deutschlandweit gibt es rund 75 000 Brutpaare, in Schleswig-Holstein im vergangen Jahr allein 26 000 Paare. 16,6 Prozent des Bestandes, nämlich 4300 Paare, brüten in Nordfriesland. Hotspots sind Niebüll, Föhr, Husum und Eiderstedt. In Friedrichstadt, wo sich die Bewohner über den Lärm und die Hinterlassenschaften der Tiere beschweren, gibt es auch einen Trend zu beobachten. 2009 fanden sich im Schulwald 343 Paare, 2013 nur noch 66, entlang des Eiderdeichs waren es 2009 noch 129, in diesem Jahr 36, und am östlichen Stadtrand 2009 genau 314 Paare. Jetzt sind dort nur noch 74 zu finden. Dafür aber finden sich am Marktplatz, entlang des Mittelburggrabens und auf dem Stadtfeld nun 220 Paare, 2009 waren es 65. Den Grund dafür konnte Albrecht nennen. Die großen Bäume im Schulwald und entlang des Eiderdamms seien gefällt worden, die Tiere bevorzugten aber hohe Bäume, seien also in das Stadtzentrum gezogen. Sorgen um die eigene Gesundheit wegen des Krähenkots brauche sich niemand in der Stadt zu machen, das hätten zahlreiche Untersuchungen ergeben.

Rüdiger Albrecht zeigte Verständnis für die Menschen, die sich durch die Krähen belästigt fühlten. Zumal mehrere Einwohner beklagt hatten, dass die Schirme der Außengastronomie nicht dem Schutz vor der Sonne, sondern vor den Krähen-Hinterlassenschaften dienten. Da die Tiere durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt seien, kämen nur Vergrämungsmaßnahmen in Frage. Allerdings unterstrich Albrecht, dass er diesen nur zustimmen könne, wenn die Stadt ein Gesamtkonzept vorlege. „Wenn die Tiere vertrieben werden sollen, dann muss dies konsequent über Monate hinweg geschehen. Und, die Krähen suchen sich Ausweichquartiere.“ Eine wichtige Maßnahme sei es, die alten Nester aus den Bäumen zu entfernen, denn die würden von den Krähen als Nistmaterial im Frühjahr genutzt.

Vogt zeigte sich erfreut, dass eine Vergrämung wohl erlaubt werden wird, und will so schnell wie möglich ein Konzept entwickeln. Denn bereits im Februar, hatte Albrecht betont, müssten die Maßnahmen anlaufen, da dann die Tiere mit der Balz beginnen. Und er sagte zu, sich um das Problem zu kümmern.

Allerdings brach Albrecht auch eine Lanze für die Tiere. Auf die Frage aus dem Publikum, warum die Vögel nicht die hohen Bäume im Umland als Nistbäume bevorzugen, wo sie doch auch dort ihre Nahrung finden, sagte Rüdiger Albrecht: „Dort werden sie vermutlich illegal vertrieben“, er habe auch davon gehört, dass Nester heruntergeschossen werden. „Die Krähe liebt Ruhe und Sicherheit, es sind also wir Menschen, die das Problem Krähe in der Stadt verursacht haben.“

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