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Schutz des Wattenmeers : Krabbenfischer fürchten um ihre Fanggebiete

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Naturschützer wollen die Wattenmeer-Fischerei stärker einschränken. Fischer sind sauer, dass die Fanggründe "gleich um die Ecke" gesperrt werden sollen. Eine wahre "Schatzkammer" bliebe dann ungenutzt.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2013 | 00:31 Uhr

„Wenn das kommt, dann bin ich pleite!“ – Fischer Marko Rohwedder (47) hat gerade im Hafen von Friedrichskoog (Dithmarschen) seinen Fang gelöscht. Er könnte zufrieden sein, Krabben gibt es seit zwei Wochen wieder reichlich und die Preise sind auch noch vernünftig. Doch Rohwedders Welt ist nicht in Ordnung, aus Kiel droht politisches Unheil.

Hintergrund: Fischerei- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne) möchte die Nullnutzungs-Flächen im schleswig-holsteinischen Wattenmeer von derzeit 35 auf 50 Prozent ausweiten. „Die wollen an das Priel-System ran“, sagt Dieter Voß (69), Vorsitzender des Fischervereins Friedrichskoog. Und gerade in den Prielen halten sich gerne die Krabben auf. „Es sind 40 bis 50 Fischer, die in diesen Gebieten ihr Geld verdienen.“

Vor allem Fischer mit kleinen Kuttern sind auf die Fänge in den großen Prielen angewiesen. Einer von ihnen ist Marko Rohwedder. Sein Kutter „Zenit“ ist nur 15 Meter lang, erreicht mit einem Tiefgang von 1,45 Meter auch flachere Wasserläufe. „Er wurde für das Wattenmeer gebaut, weiter hinaus könnte ich gar nicht fahren“, erklärt der Fischer. Denn die Maschine hat zu wenig Leistung, der Laderaum kann nur 100 Krabbenkisten aufnehmen, für längere Fangfahrten ist das Schiff einfach nicht ausgerüstet.

So fischt Rohwedder „gleich um die Ecke“, steuert das Revier an, in dem schon sein Vater fischte: Die Schatzkammer 1 mit der angrenzenden Maikuhle sowie die Schatzkammer 2. Für Rohwedder sind diese Gebiete wirkliche Schatzkammern, fast immer gibt es dort genügend Krabben, kann der Dithmarscher damit seinen kleinen Betrieb mit einem angestellten Gehilfen über Wasser halten – und seine Familie ernähren.

Aber ausgerechnet seine Schatzkammer und die Maikuhle möchten die Naturschützer, so will Rohwedder erfahren haben, komplett für die Fischerei sperren. Ein Grund: Dort halten sich viele Brandgänse auf. Für den Fischer aber kein Argument, da die Vögel sich nach seinen Beobachtungen überhaupt nicht stören lassen, wenn sein Kutter langsam durch das Wasser gleitet. Außerdem, so ergänzt Voß, sind die Schatzkammern sowie die beiden Priele Bullenloch und Hakensand bereits als Mausergebiete für Brandgänse ausgewiesen. Vom 1. Juni bis 1. August dürfen sie zwei Stunden vor Beginn der Ebbe und drei Stunden nach der Ebbe nicht befischt werden. Die Fischer halten diese Schutzmaßnahmen für völlig ausreichend und wehren sich massiv gegen weitere Einschränkungen. Während der Gesprächsrunde, zu der Umweltminister Habeck morgen ins Dithmarscher Kreishaus eingeladen hat, werden die Vertreter der Fischervereine dies auch mit deutlichen Worten ansprechen.

Der Minister hatte den Krabbenfischern einen Deal vorgeschlagen: Er will ihnen beim angestrebten MSC-Siegel für umweltbewussten und nachhaltigen Fang helfen, wenn dafür „der Anteil unbefischter Flächen in unserem Nationalpark erhöht werden könnte“. Dies lehnen die Fischer ab. Voß: „Wir werden das geforderte Siegel gemeinsam mit der Zertifizierungsgesellschaft erarbeiten, die Verhandlungen laufen. Die Politik hat dabei jedenfalls nichts verloren.“

Fischer Rohwedder fühlt sich ohnehin von der Politik im Stich gelassen, immer stärker wurden seine Freiheiten in den vergangenen Jahren eingeengt. So spielte er bereits mit dem Gedanken, seinen Kutter zu verkaufen und als Decksmann auf einem Lotsenversetzboot anzuheuern. Eine Jobzusage lag bereits vor, dann überlegte es sich der Familienvater doch noch. Die Leidenschaft zum Fischerberuf siegte. „Man ist es oder man ist es nicht.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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