Neue Rohre, neue Fahrbahn : Kostspielige Sanierungspläne in Husum

Angespannte Mienen bei der Versammlung im Ratssaal.
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Angespannte Mienen bei der Versammlung im Ratssaal.

Die Baumaßnahmen in der Feldberg- und der Schückingstraße werden teuer für die Anlieger. Auf einer Einwohnerversammlung im Rathaus haben Bauamt und Stadtwerke ihre Vorhaben erläutert - und stießen auf Unwillen.

shz.de von
06. November 2013, 17:00 Uhr

Keine leichte Aufgabe hatten Klaus Lorenzen vom Tiefbauamt und die Vertreter der Stadtwerke in der jüngsten Einwohnerversammlung. Es ging um die geplanten Sanierungsarbeiten entlang der Feldberg- und Schückingstraße. Während die Stadtwerke alte Gasrohre austauschen und die maroden Kanäle für Regen und Schmutzwasser auf ein Trennsystem umstellen will, plant das Tiefbauamt, bei dieser Gelegenheit die Straßen zu sanieren (wir berichteten). Nach Lorenzens Recherchen sei die erste Asphaltdecke vor fast 50 Jahren gesetzt worden.

Sowohl die Kanalbauarbeiten als auch die Straßensanierungsmaßnahmen würden gemeinsam ausgeschrieben, um so günstigere Gesamtkosten zu erzielen. „Diesen Abend verstehen wir nicht als reine Informationsveranstaltung“, stellte Lorenzen klar. Hier hätten die Zuhörer die Möglichkeit, Anregungen und Ideen vorzubringen, die soweit wie möglich in die Planungen einbezogen werden sollten.

Doch der Beginn der Versammlung war geprägt von ständigen Zwischenrufen und negativen Äußerungen. Das Erscheinungsbild der beiden Straßen sei einmalig und sollte nicht verändert werden, lautete die unüberhörbare Kritik. „Wir wollen nicht das Profil, sondern den Zustand der Straße verändern“, stellte der Bauamtsvertreter klar. Die von ihm vorgeschlagene Anpflanzung von Bäumen wurde von einigen Teilnehmern ebenso abgelehnt wie die Neugestaltung der Bürgersteige. Denn auf jedem Grundstück stünden bereits zahlreiche Bäume, und „die Bordsteine sind über 100 Jahr alt und haben bisher alles überstanden“, so ein Zwischenruf. Diese Steine würden auch wieder eingesetzt werden, versicherte Lorenzen.

Allmählich kam er dann doch noch dazu, auf die geplanten Baumaßnahmen einzugehen. Der heutige Unterbau der Straßen sei für den jetzigen Verkehr nicht mehr ausreichend: „Wir können nicht ständig an der Oberfläche kratzen, wir wollen endlich dem Problem auf den Grund gehen.“ Einig waren sich alle Parteien darin, dass die zum Teil rücksichtslose Fahrweise von Autos und Lastwagen erst zu dieser miserablen Straßensituation geführt habe. „Keiner hält sich an das Parkverbot, keiner hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung und das Ordnungsamt schaut dem tatenlos zu“, schimpfte ein aufgebrachter Zuhörer. Insbesondere für die Schulkinder sei die derzeitige Situation nicht haltbar. Lorenzen wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man die Bäume so pflanzen wolle, dass schnelles Durchfahren unmöglich wird.

Bei aller Aufregung gab es aber auch Zustimmung – und unüberhörbare Selbstkritik. „Wir beschweren uns über die Autos, die wie Pilze im Wald entlang der Straße abgestellt sind, und merken nicht, dass dies unser eigenen Fahrzeuge sind“, lautete ein Punkt. Der Vorschlag, die Schückingstraße als Einbahnstraße auszuweisen, wird nun mit dem Ordnungsamt besprochen.

Auch das Vorhaben, die Gehwege teils mit gelben Steinen und Platten zu versehen, stieß bei den Anliegern auf Ablehnung. Dabei wurde auf die Norderstraße und das Osterende verwiesen. „Die Gehwege dort sind inzwischen reine Stolperfallen“, so ein Einwand. Warum könne man nicht den Gehweg so belassen, wie er ist, und nur den Straßenkörper sanieren, wollte eine Zuhörerin wissen. Hier schaltete sich Peter Hempel von den Stadtwerken-Abwasser ein. „Wir müssen die Anschlüsse zu den Grundstücken herstellen, und da wird der Bürgersteig aufgerissen.“

Die damit verbundenen Kosten waren ein weiteres heißes Eisen: „Sie müssen mal an die Finanzierung denken, von mir bekommen sie kein Geld“, gab ein aufgebrachter Zuhörer zu verstehen. Hempel erläuterte daraufhin die Fakten: „Die Kanäle stammen noch aus den 30er Jahren. Überprüfungen haben ergeben, dass die Schäden zum Teil sehr groß sind.“ Das bisherige Mischwassersystem werde weiterhin als Schmutzwasserkanal eingesetzt. Parallel werde hierzu ein Regenwasserkanal eingebaut. Pro Kanal würden auf jeden Anwohner etwa 1500 Euro zukommen, rechnete Hempel vor. Außerdem müsse jeder Anwohner für einen weiteren Schacht auf seinem eigenen Grundstück sorgen. Auch hier kämen erheblich Summen zusammen. Und dies seien nur die Kosten, die durch die Kanalsanierung entstünden. Für die Straßensanierung käme nochmals ein ordentlicher Brocken dazu. Denn den Löwenanteil für den Straßenausbau von 75 Prozent müssten die Anlieger selbst übernehmen, rechnete Stefan Frädermann von der Bauverwaltung vor. Pro Quadratmeter Grundfläche kämen in der Schückingstraße etwa 27 Euro und in der Feldbergstraße etwa 15 Euro zusammen. Wenigstens eins versprach Lorenzen den verärgerten Bewohnern beider Straßen: „Wir werden keine unnötigen Kosten verursachen.“


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