Ein Wittbeker fliegt zu Olympia : Korea – ich komme!

Justus Cohrs ist der einzige Motorsportler im Jugendlager.
Justus Cohrs ist der einzige Motorsportler im Jugendlager.

Winterspiele 2018 in Pyeongchang: Kartsportler Justus Cohrs aus Wittbek ist beim Deutschen Olympischen Jugendlager dabei.

shz.de von
31. Januar 2018, 10:00 Uhr

Seine weiteste Reise bisher führte auf die Mittelmeerinsel Menorca. Am 7. Februar steht dem 16-jährigen Justus Cohrs jetzt ein größeres Abenteuer bevor: Gemeinsam mit 39 weiteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 19 Jahren ist er als Teilnehmer des Deutschen Olympischen Jugendlagers bei den Winterspielen in Südko-rea dabei. Der Wittbeker ist der einzige Schleswig-Holsteiner und bundesweit der einzige Motorsportler in dieser Gruppe. „Ich freue mich riesig und danke allen Unterstützern, die mir dieses tolle Abenteuer ermöglichen“, sagt er.

Im Sommer 2017 erhielten die dem Landessportverband angeschlossenen Vereine die Ausschreibung zu diesem vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) durchgeführten Jugendlager. Voraussetzung für eine Bewerbung ist entweder, erfolgreich Nachwuchsleistungssport zu betreiben, oder sich überdurchschnittlich im Verein oder Verband zu engagieren.

„Justus erfüllt aus meiner Sicht beide Voraussetzungen. Daher habe ich ihn gemeinsam mit seinen Eltern zu einer Bewerbung aufgefordert“, so Carsten Carstensen, Vorsitzender des Automobilclubs Nordfriesland. Der Vereinschef denkt dabei nicht nur an die Erfolge des jungen Kartsportlers, sondern hebt auch das ehrenamtliche Engagement des Wittbekers hervor. Dennoch bedurfte es einiger Überredungskünste und intensiver Überlegungen bei Justus selbst, der für sich als „nicht-olympischen“ Motorsportler keine großen Aussichten sah. Umso größer war die Freude, als die Zusage aus Frankfurt eintraf.

Im November trafen sich die ausgewählten jungen Menschen zu einem Vorbereitungsseminar in Frankfurt. „Da hatte ich schon ein flaues Gefühl im Bauch, zumal ich der zweitjüngste Teilnehmer bin“, erzählt Justus. „Aber meine Vorbehalte waren ganz schnell verflogen. Es war schön, unter so vielen Gleichgesinnten zu sein, alle sind nett und offen. Ich fühle mich in der Runde wohl und freue mich jetzt riesig auf das bevorstehende Abenteuer.“

2018 reisen 40 Nachwuchssportlerinnen und -sportler sowie junge Engagierte aus den Strukturen des Sports nach Südkorea. Sie werden von zehn erfahrenen Betreuerinnen und Betreuern – darunter eine Ärztin – begleitet. Neben dem Besuch der Wettkämpfe wird den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein vielfältiges Kultur-, Sport- und Seminarprogramm geboten.

„Wir können uns den Besuch von fünf verschiedenen Wettkämpfen aussuchen. Zusätzlich wird eine Veranstaltung von der gesamten Gruppe besucht“, schildert Justus das Programm. Ihm schweben Bob-Rennen und Skispringen vor. „Da ist auch viel Tempo drin.“ Das komme seinem eigenen Hobby sehr nahe. „Und wir werden an einem Austauschtag in der Olympiastadt Gangneung an der Ostküste Koreas teilnehmen. Dort verbringen wir den Tag mit koreanischen Jugendlichen und übernachten anschließend in deren Familien.“

Eine weitere wesentliche persönliche Voraussetzung erfüllt Justus ebenfalls: Er ist ein guter Schüler der Gemeinschaftsschule in Mildstedt und wird in diesem Jahr seine Mittlere Reife machen. Kein Wun-der, dass sowohl Klassenlehrerin Claudia Spiekermann als auch Schulleiter Stefan Knoll der rund 14-tägigen Abwesenheit zugestimmt haben.

So ein ganz leichtes Unbehagen macht sich bei Mutter Sonja breit, aber die Familie unterstützt das Abenteuer Olympia ganz klar. Schwester Leonie wäre am liebsten dabei und Vater Holger freut sich auch aus einem ganz anderen Grund: „Mein Vater Karl-Heinz war als Mitarbeiter des Unternehmens Deutz in Südkorea und hat unter dem Bogen in Panmunjeom in der entmilitarisierten Zone gestanden. Ich selbst bin mit der Marine an der gleichen Stelle gewesen. Und nun fährt mein Sohn vielleicht ebenfalls dorthin. Einfach super!“

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