Diskussion im Tönninger Stadtrat : Kontroverse um zweiten Schulbus

Die 69 Sitzplätze im Tönninger Schulbus werden nach den Sommerferien nicht mehr ausreichen. Es wird mit mindestens 95 Schülern aus Dithmarschen gerechnet.
Foto:
Die 69 Sitzplätze im Tönninger Schulbus werden nach den Sommerferien nicht mehr ausreichen. Es wird mit mindestens 95 Schülern aus Dithmarschen gerechnet.

Tönnings CDU-Stadtvertreter kritisieren eine weitere Anschaffung. Die Mehrheit im Gremium ist aber dafür, um weitere Schüler aus Dithmarschen zur Eider-Treene-Schule in Tönning zu bringen.

shz.de von
17. Juli 2015, 10:00 Uhr

Eigentlich wollte Tönnings Bürgervorsteher Jan Diekmann den Tagesordnungspunkt „Anschaffung eines weiteren Schulbusses zur Schülerbeförderung“ nur für neue Informationen zur Entwicklung der Schülerzahlen an der Eider-Treene-Schule (ETS) nutzen. Doch es kam anders. Friedrich Busch stellte gleich zu Beginn der jüngsten Stadtvertreter-Sitzung für die CDU-Fraktion den Antrag, den Punkt zu streichen. Niemand und schon gar nicht Mitglieder des zuständigen Fachausschusses hätten vorher darüber beraten können, weil nichts vorgelegen habe. Zudem sei zuletzt beschlossen worden, dass kein weiterer Bus angeschafft werden soll. Der Bürgervorsteher räumte ein, eine unglückliche Formulierung gewählt zu haben. Stefan Runge (SPD-Fraktionsvorsitzender) stellte den Gegenantrag, den Punkt als Bestandteil der Tagesordnung zu belassen. Er habe auch kein Problem damit, etwaige Entscheidungen zu treffen, falls die Informationen dies erforderten. Diekmann ließ abstimmen. Mehrheitlich beschloss das Gremium, den Punkt wie vorgegeben zu besprechen.

95 Schüler werden allein aus Dithmarschen, so Diekmann, ab August die Tönninger Schule besuchen. Auf der Warteliste stehen aber weitere 40 Schüler aus dem Nachbarkreis. 69 Plätze bietet der vorhandene Bus, so dass praktisch ein weiteres Gefährt fehlt. „Im Moment könnten wir nur die Hälfte befördern. Es ist beachtlich, dass ein Viertel unserer Kinder aus Dithmarschen kommt. Wir sollten über einen weiteren Bus diskutieren und eine Entscheidung treffen“, erklärte der Bürgervorsteher. Auf Nachfrage aus der Runde sagte Bürgermeisterin Dorothe Klömmer, dass es nach dem aktuellen Stand eine Lösung mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht geben werde. Gespräche mit dem Landrat des Nachbarkreises seien trotz Veränderung der dortigen Schullandschaft erfolglos geblieben. Die Sekundarstufen in Lunden und Lehe gebe es nicht mehr. Daher erkläre sich auch das Interesse an der ETS. Die Eltern hätten nun einmal freie Schulwahl.

Kontroverse Diskussionen zwischen Runge und Busch folgten. Insbesondere kam es zu persönlichen Wortwechseln. „Ich bitte Sie, sachlich zu bleiben“, musste der Bürgervorsteher mahnen. Busch wies darauf hin, dass die Stadt als Schulträger doch wohl nicht in der Pflicht sei, als „Busunternehmen“ zu fungieren und dafür wieder Tausende von Euros locker zu machen. „Wir sind nicht gegen die Sekundarstufe. Sie ist aber noch in der Testphase. Auch darum muss alles im Kostenrahmen bleiben. Da wird man wohl noch genauer hinterfragen dürfen“, stellte Busch fest. „Wir sollten gute Rahmenbedingungen schaffen und das Wohl der Kinder im Auge haben“, konterte Runge. Für ihn gelte nur eines: „Ein weiterer Bus muss her.“ Helge Harder, Vorsitzender der SSW-Fraktion, erklärte: „Ich kann die Kritik des Landrates von Dithmarschen nicht verstehen. Die rasante Entwicklung bedeutet, es ist Bedarf da. Wir müssen handeln. Der ÖPNV muss ran. Es sollte weiter verhandelt werden.“ Der Meinung war auch Mery Ebsen (AWT). Sie sehe auch das Land in der Pflicht. Dann wurde abgestimmt: Nur sieben der 17 Stadtvertreter stimmten gegen den Kauf. So wurde die Verwaltung beauftragt, einen Nachtragshaushalt für die Finanzierung von bis zu 100.000 Euro für den Bus vorzubreiten und danach in den Finanzausschuss zu geben. Einstimmig wurde hingegen die Bürgermeisterin dazu aufgefordert, umgehend weitere Verhandlungen mit dem Kreis Dithmarschen aufzunehmen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen