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Zum Schutz von Wiesen und Weiden : Kontroverse um neue Natur-Stiftung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach intensiver Diskussion stimmt der Eiderstedter Amtsausschuss für eine Mitgliedschaft. Die Gegner befürchten eine Preistreiberei beim Landkauf.

von
erstellt am 15.Mär.2015 | 09:00 Uhr

Ein neues Kapitel wird im Naturschutz auf Eiderstedt aufgeschlagen. Derzeit wird an der Gründung der Stiftung Eiderstedter Natur gearbeitet, einer Unterstiftung der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein (SN). Zweck ist der Erhalt, die Wiederherstellung und die Vermehrung von artenreichem Dauergrünland auf der Halbinsel. Neben der SN sind der Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt (DHSV) sowie der Kreis Nordfriesland Stifter. Seit Jahren fordern Naturschutzverbände mehr Engagement für den Erhalt von altem Dauergrünland. Diese oft seit Jahrzehnten bestehenden Flächen sind wichtige Kinderstuben für Wiesenvögel. Finanziert wird die Stiftung zum einen über das Stiftungskapital von 15.000 Euro, zum anderen über Spenden und Zustiftungen. Der Kreis Nordfriesland plant Ausgleichsgelder (Ersatzleistung für Eingriffe in die Natur) projektbezogen einzusetzen.

Nun befasste sich auch der Amtsausschuss von Eiderstedt in seiner jüngsten Sitzung mit diesem Thema. Es ging um die Frage der Mitgliedschaft des Amtes. Damit hätte es einen Sitz im ständigen Ausschuss der Stiftung Eiderstedter Natur. Diesem Gremium würden laut Satzungsentwurf der Oberdeichgraf, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland sowie der geschäftsführende Vorstand der Stiftung Naturschutz, derzeit Dr. Walter Hemmerling – und bei einer Mitgliedschaft des Amtes auch der Amtsdirektor angehören. Der ständige Ausschuss soll über den Erwerb und die langfristige Sicherung von geeigneten Flächen und über Maßnahmen zur Naturbildung entscheiden. Er bereitet außerdem Beschlüsse des Kuratoriums vor und führt diese aus.

Im Amtsausschuss entbrannte eine lebhafte Diskussion. Ein Teil der Mitglieder sah die Gefahr, dass mit der Stiftung noch ein Bewerber für landwirtschaftliche Flächen auf der Halbinsel auftaucht. „Als aktive Landwirte können wir hier ja schon seit Jahren kein Land mehr kaufen“, sagte Jann-Henning Dircks, Bürgermeister von Norderfriedrichskoog. Entweder gehen Flächen an die Stiftung Naturschutz oder an die Dithmarscher. „Wenn wir Mitglied werden, kann die Stiftung hinterher behaupten, dass auch wir das so gewollt haben“, sprach er den möglichen Unwillen von Bürgern gegen Entscheidungen der Stiftung an. Frank-Michael Tranzer, Gemeindechef von Oldenswort, forderte, die Mitgliedschaft in den Gemeinden zu besprechen, schließlich betreffe der Landkauf die Bürger. Zudem sei es eine zusätzliche Aufgabe für das Amt, was seiner Ansicht nach rechtlich nicht zulässig ist.

Die große Mehrheit sprach sich aber für eine Mitgliedschaft aus. Sie alle sahen den Vorteil, damit Einfluss auf die Entscheidungen der Stiftung zu haben. „Das Amt könnte dann schauen, welche Bedeutung die Fläche für die Gemeinde hat und einen entsprechenden Hinweis geben“, sagte Amtsdirektor Herberg Lorenzen. Zudem wäre die Stiftung berechtigt, Flächen zu tauschen. Kay-Uwe Cornils (Garding) gab zu bedenken, dass die Stiftung sowieso gegründet würde – „und dann sind wir wenigstens dabei“. Wilfried Massow (Oldenswort) schlug vor, die Mitgliedschaft vorläufig auf drei Jahre zu befristen. Dem folgte das Gremium. Als Mitglied für das Kuratorium wurde Jann-Henning Dircks benannt, der die Wahl annahm, obwohl er gegen die Mitgliedschaft gestimmt hatte.

Das Kuratorium ist das oberste Beschlussorgan der Stiftung. Es ändert die Satzung, legt die Grundsätze der Arbeit fest, beschließt die Verwendung der Stiftungsmittel sowie den Wirtschaftsplan und überwacht den Erwerb und die langfristige Sicherung der Flächen. Bislang sind folgende Institutionen als Mitglieder vorgeschlagen: Amt Eiderstedt, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, AG Geobotanik, Bauernverband (Bezirk Eiderstedt), Bioland, der Bund für Umwelt- und Naturschutz (Bund), der DHSV, der Eiderstedter Naturschutzverein, der Heimatbund Landschaft Eiderstedt, die Kommunen der Landschaft, der Kreis Nordfriesland, die Kreisjägerschaft Eiderstedt, das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), das Umweltministerium, der Naturschutzbund SH (Nabu), die Stiftung Naturschutz und der Verein Weideland Eiderstedt. Sie können jeweils einen Vertreter entsenden. „Sobald die Stiftung Eiderstedter Natur gegründet ist, was voraussichtlich im Mai der Fall ist“, so Dr. Walter Hemmerling auf Anfrage, „werden die Institutionen und Verbände angeschrieben, ob sie mitmachen wollen.“

Zu dem Einwand, dass künftig noch ein weiterer Landkäufer auf der Halbinsel im Spiel ist, erklärte Hemmerling, dass die Stiftung Naturschutz sich zurückziehen werde, es sei denn, sie werde direkt von Verkäufern angesprochen. Er widersprach ferner der Darstellung, dass die Stiftung ein Preistreiber sei. „Wir müssen uns an die Durchschnittspreise halten und dürfen nicht darüber gehen.“ Das werde vom LLUR und Gutachtern überwacht.

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