Tourismus in Nordfriesland : Kontroverse um Gästekarte: Sylter Touristiker gegen Nordseecard

Vergünstigungen bei einem nachhaltigen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind für Sylter Gäste von größerem Interesse als ein billigerer Besuch in einem Festlands-Museum.
Vergünstigungen bei einem nachhaltigen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sind für Sylter Gäste von größerem Interesse als ein billigerer Besuch in einem Festlands-Museum.

Sylt Marketing-Geschäftsführer plädiert stattdessen für eine Syltcard.

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05. Juni 2020, 17:30 Uhr

Touristen, die die schönste Zeit des Jahres in Nordfriesland verbringen, geht es bei der Wahl ihrer Urlaubsdestination nicht anders als anderen Reisenden. Sie entscheiden sich zwar für einen Ort, haben dabei aber die Attraktivität der gesamten Region mit ihren vielfältigen Freizeitmöglichkeiten im Auge.

Bei Nordfriesland-Touristen kommen die Faktoren Natur und Landschaft als bestimmende Elemente hinzu. Und weil der, der die Natur liebt, zumeist auch ein großes Interesse an ihrem Erhalt hat, steht das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile ebenfalls für viele Gäste im Vordergrund.

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Nachvollziehbar also, dass die Nordsee Tourismus Service GmbH (NTS) eine gemeinsame Gästekarte für alle Nordfriesland-Urlauber für sinnvoll hält und die Nordseecard einführen möchte.

Unterschied zwischen Insel und Destination

Doch so gleich die grundsätzlichen Interessen der Urlauber auch sind, so sehr unterscheiden sie sich zwischen der Destination Insel und der Destination Festland. Ist eine Insel erst erreicht, verlässt der Gast sie nicht so schnell wieder. Zu groß ist der Aufwand, zu verlockend das Angebot vor der eigenen Insel-Haustür.

„Urlauber, die zum Beispiel in Friedrichstadt übernachten, machen Tagesausflüge nach Seebüll und Büsum und nutzen die Nordseecard mit all ihren attraktiven inkludierten Leistungen sicherlich gerne“, gesteht Moritz Luft, Geschäftsführer von Sylt Marketing (SMG), zu. „Aber für unsere Inselgäste ist der freie Eintritt in ein Museum auf dem Festland nur wenig bis gar nicht interessant.“

Ohne Sylt wird es eng für die Nordseecard

Für die Finanzierbarkeit der Nordseecard sind die Inselgäste jedoch ein wichtiger Faktor. Ohne sie ist die Zahl der potenziellen Nutzer zu gering.

Weil Sylt die Schwerpunkte im Sinne seiner Gäste anders setzt, ist die Insel auf der vergangenen Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Kreises als Blockierer dargestellt worden. Das sorgt bei den Vertretern der Insel, die sich bisher mit dem Thema Nordseecard auseinandergesetzt haben, für Unverständnis.

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Denn die Sylter Position sei seit langem klar und auch mehrfach mit der Nordsee-Tourismus-Service GmbH kommuniziert worden. Bereits im März 2019 habe ein Treffen mit Vertretern der NTS, des Dehoga Sylt und des Sylt Tourismus-Verbands stattgefunden.

Die Inseln votieren gegen Nordseecard

Das Ergebnis, so Moritz Luft, ist ein nachvollziehbares, negatives Votum der Sylter Gastgeber gewesen. Auch die Gastgeberverbände der Insel hätten diese Position der NTS bereits erläutert. „Es sind schließlich die Gastgeber, die die Umlage generieren müssen, indem ihre Gäste 3,90 Euro pro Person und Übernachtung bezahlen müssen“.

Moritz Luft
Moritz Luft
 

Von den Sylter Nachbarinseln Föhr und Amrum vernahm er, dass dort die Einstellung zur Nordseecard ähnlich ist.

Eine eigene Gästekarte für Sylt

Prinzipiell ablehnend stehen die Sylter Touristiker einer Karte aber nicht gegenüber: „Viel interessanter als die Nordseecard wäre für Sylt eine eigene Karte, die sogenannte Syltcard“, sagt Moritz Luft. Von diesem Vorschlag wisse die NTS bereits, habe sich dazu aber noch nicht geäußert.

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Die „Syltcard“ könne als reine Mobilitätskarte Gästen vornehmlich in der Nebensaison ermöglichen, den ÖPNV frei zu nutzen – oder gegebenenfalls Taxi-, Mietauto- oder Mietrad-Gutscheine zu erhalten, denn „freie Mobilität ist für Sylt-Urlauber wesentlich wichtiger als kostenfreier Zugang zu touristischen Angeboten auf dem Festland“.

Sylt möchte weiterhin mit NTS zusammenarbeiten

Moritz Luft betont jedoch, dass die SMG jederzeit gerne bereit sei, Projekte der NTS zu unterstützen. Zumal die Zusammenarbeit in der Vergangenheit, wie die gemeinsame Präsenz auf Messen, sich als Durchaus sinnvoll erwiesen habe. Nur müssten gemeinsame Projekte eben auch einen tatsächlichen Nutzen für Sylt haben.







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