Garding : Kontroverse um Bahnstation

Carsten Wiele (2. v.l.) stellte den Einwohnern die ersten Pläne vor.
Carsten Wiele (2. v.l.) stellte den Einwohnern die ersten Pläne vor.

Nicht alle Verantwortlichen befürworten die Verlegung der Gardinger Bahn-Haltestelle an die Welter Straße. Es wird sogar ein Bürgerentscheid gefordert.

shz.de von
17. Juli 2018, 14:00 Uhr

Beim Thema „Verlegung des Bahnhaltepunktes“ in Garding scheiden sich die Geister. Dies wurde in einer Informationsveranstaltung deutlich. Dirk Lautenschläger, Vorsitzender der Steuerungsgruppe im Kooperationsraum Mittleres Eiderstedt, hob die Bedeutung dieser „einmaligen Gelegenheit“ hervor. „Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, die Region zu stärken und nicht im Gestern zu leben.“ Vor vier Jahren sei erstmals der Gedanke aufgekommen, die Bahn-Haltestelle an die Welter Straße zu verlegen, wo das Einkaufszentrum angesiedelt ist. Unzählige Sitzungen und zum Teil schwierige Diskussionen habe es in diesem Zusammenhang gegeben, bestätigte Amtsdirektor Herbert Lorenzen. Bei einem Workshop hätten sich weit über 70 Prozent der Teilnehmer für die Verlegung ausgesprochen. Auch bei einer Stadtvertreter-Sitzung habe es eine deutliche Mehrheit gegeben. Einmütigkeit herrsche auch unter den Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden des Kooperationsraumes. Und bei einer weiteren Bürgerwerkstatt sei die positive Resonanz noch höher gewesen. Es spreche auch viel dafür, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

„Unser Ziel ist es, den Busverkehr mit dem Bahnverkehr besser zu verknüpfen“, so Sven Jacobsen vom Amt Eiderstedt. „Der Gast bekommt an der jetzigen Haltestelle eher den Eindruck, irgendwo in einem Hinterhof ausgestiegen zu sein“, erklärte Jacobsen weiter. Eine Orientierung sei für den ankommenden Touristen kaum möglich. Außerdem biete die jetzige Bahn-Haltestelle keine ausreichende Wendemöglichkeit für Busse. Inzwischen habe sich die Deutsche Bahn gemeldet und um eine Stellungnahme der Stadt Garding zu diesem Vorhaben gebeten. „Die Bahn hat uns mitgeteilt, dass sie den Haltepunkt modernisieren möchte, an welchem Standort steht jedoch noch nicht fest“, berichtete Jacobsen weiter. Die Pläne der Bahn seien noch nicht in trockenen Tüchern. So müsse die Welter Straße am Bahnübergang deutlich verbreitert werden. Die Haltestelle sei Sache der Deutschen Bahn, die beabsichtigten Fahrradabstellplätze oder ein angedachter P+R-Parkplatz die des Kooperationsraumes.

Diplom-Ingenieur Carsten Wiele vom Ingenieurbüro W 2 in Hohenwestedt stellte den mehr als 200 Besuchern die verschiedenen Planungsvarianten vor. Die beste Variante sei, die Amtsparkplätze in das Gesamtprojekt einzubeziehen. „Hier könnten wir eine Wendestation für den Linienbus und für den Zwölfmeter-Bus einrichten.“

In der Diskussion prallten die verschiedenen Sichtweisen aufeinander. Stadtvertreter Hans-Dieter Struck stellte klar, dass er das Projekt ablehne. So sehe er große Sicherheitsmängel. „Die Welter Straße wird geprägt von einem starken Durchgangsverkehr, hier eine Haltestelle anzubringen, ist zu gefährlich.“ Auch kritisierte er die fehlende Transparenz im Bezug auf die Kosten. „Den Amtsparkplatz als Wendemöglichkeit zu nutzen halte ich zudem für eine Katastrophe.“ Zustimmung bekam er von Horst Dellin. Seiner Meinung nach gebe es keine Notwendigkeit, den Haltepunkt zu verlegen, er forderte einen Bürgerentscheid. „Die Entscheidung darf nicht allein die Stadtvertretung treffen.“ Auch befürchtet er hohe Kosten, die auf die Stadt zukämen, und prophezeite einen Aufwand von einer dreiviertel Million Euro. Dem widersprach Amtsdirektor Herbert Lorenzen. „Derzeit gehen wir davon aus, dass die Kosten weit unter 100.000 Euro liegen.“

Zu den Befürwortern gehörte auch Stadtvertreter Gerd Stecher. „Diese einmalige Gelegenheit werden wir nicht mehr bekommen“, betonte er. „Wir müssen uns heute für unsere Zukunft entscheiden.“ Bei all den Planungen für eine neue Bahn-Haltestelle müsse eine gesamte Verkehrsplanung berücksichtigt werden, lautete eine weitere Forderung. In diesem Zusammenhang wies Jacobsen darauf hin, dass die Welter Straße in eine Tempo-30-Zone umgewandelt werden solle.

Auch Kurt Eichert, Bürgermeister von Poppenbüll, schaltete sich ein. Ihn mache es wütend, wenn man damit argumentiere, dass alles beim Alten bleiben solle. „Dann können wir wieder die Postkutsche einführen.“ Auch er ging auf die Verkehrssicherheit ein: „Die kritische Situation in der Welter Straße müssen wir lösen, sonst können wir das ganze Projekt vergessen.“

Zum Schluss kündigte Gardings Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt eine weitere Bürgerwerkstatt für September an.



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