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Westerhever : Konflikt um einen Hügel im Vorland

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Küstenschützer wollen den kleinen Schafberg in Sichtweite des Westerhever-Leuchtturms abtragen lassen. Die Gemeinde wehrt sich vehement dagegen.

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erstellt am 12.Dez.2016 | 18:50 Uhr

Die einen wollen ihn abtragen und neue Salzwiesen schaffen. Die anderen möchten ihn unbedingt erhalten wissen – mit Blick auf den Küstenschutz und aus kulturhistorischen Gründen. Der Schafberg, eine kleine Erhebung in Sichtweite des berühmten Leuchtturms Westerheversand, ist zum Politikum geworden. Seit Monaten streiten sich die Gemeinde-Verantwortlichen mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) um die Zukunft dieses scheinbar unscheinbaren Hügels im Eiderstedter Deichvorland. Der vorläufige Höhepunkt: Die Husumer Behörde muss das Planverfahren in Teilen neu aufnehmen. Denn diese hatte es versäumt, die Gemeinde Westerhever einzubeziehen, obwohl Schafberg und Leuchtturm-Gelände einen Sonderfall darstellen, weil sie aufgrund historischer Verträge zur Kommune gehören.

„Ein Verfahrensmangel“, wie Dietmar Wienholdt einräumt. Der zuständige Leiter für Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz aus dem Kieler Umweltministerium erläuterte im Umweltausschuss des Kreises Nordfriesland, wie das Versäumnis jetzt geheilt werden soll. Deshalb folgt nun ein Planergänzungsverfahren, in dem der Gemeinde bis zum 10. Februar 2017 Gelegenheit gegeben wird, dezidiert Stellung zu beziehen. Und vor der Entscheidung wird es dann auch noch eine Anhörung geben. „Wir steigen tatsächlich noch einmal in das formale Verfahren ein“, so Wienholdt.

Ziel ist es, den Schafberg abzutragen, um Raubtieren die Plattform zu entziehen, sowie Teile des Vorlandes vor Westerhever zu vernässen. Dadurch soll ein Ausgleich geschaffen werden für den laufenden Deichbau am Nordstrander Damm bei Wobbenbüll. Dass durch diese Maßnahmen der Schutz der Küste im Nordwesten Eiderstedts leiden würde, weist Wienholdt nachdrücklich zurück: „Das ist eine Mär.“ Der Schafberg liege 900 entfernt und damit viel zu weit weg vom Deich als dass er als Wellenbrecher fungieren könnte. Wirksames Vorland sei 200 Meter breit, verwies er auf langjährige Untersuchungen. Wienholdt: „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass wir irgendwelche Risiken eingehen – das ist definitiv nicht der Fall.“

Der Küstenschutz sei privilegiert, Eingriffe müssten aber auf ein Minimum begrenzt werden. Und wie im Straßenbau muss ein Ersatz oder Ausgleich erfolgen. Wird eine Salzwiese im Interesse des Küstenschutzes überbaut, muss diese andernorts wiederhergestellt oder aber ein vierfacher Kohärenzausgleich geschaffen werden. „Das ist anerkanntes europäisches Recht“, bemerkte Wienholdt mit Blick auf kritische Nachfragen von Landrat Dieter Harrsen hinsichtlich der grundsätzlichen Problematik für den Küstenschutz. Diese sieht auch der erfahrene Experte aus dem Kieler Ministerium. Das Wattenmeer werde Jahr für Jahr kleiner: „Wenn wir Wattflächen brauchen als Kohärenzausgleich, dann haben wir große Schwierigkeiten.“ Auch die 10  000 Hektar Salzwiesen, von denen rund die Hälfte unbeweidet ist, böten kaum noch Möglichkeiten. Deshalb gibt es nach seinen Aussagen eine neue Konzeption bis 2025, um derlei Fragen perspektivisch zu lösen „und nicht immer Kleinklein zu machen“. Das reicht bis hin zu Überlegungen, im Zuge von nötigen Ausgleichsmaßnahmen auch Salzwasserflächen im Binnenland zu schaffen. „Man muss an der Küste solidarisch sein“, sagte Wienholdt.

Die Auffassung, dass ein Streifen von 200 Metern Vorland ausreichend sein soll, mag Bürgermeister Olaf Dirks nicht teilen. „Wir kriegen das voll ab“, sagte er mit Blick auf die exponierte Lage Westerhevers. Zudem geht es der Gemeinde nach seinen Aussagen auch um das „Kulturgut“. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht mehr von einem Schäfer bewirtschaftet, sei der Schafberg doch ein „Zeitzeuge“. Die Gemeinde bemühe sich bereits seit Jahren darum, dass dieser unter Schutz gestellt wird.

Wie es mit dem Hügel im Vorland weitergeht, muss das weitere Verfahren und vielleicht sogar ein Gericht entscheiden. Sollte er abgetragen werden, wird das Material – rund 25  000 Kubikmeter Boden – laut Wienholdt vorwiegend dazu dienen, die Leuchtturm-Warft zu verstärken, weil diese den Anforderungen nicht mehr standhalte.

Die Gremien des Kreises wollen nun zunächst den Lauf der Dinge abwarten, ehe sie sich positionieren. „Sie dürfen gern wieder auf den Kreis zukommen und wir können dann immer noch helfen“, signalisierte der zweite stellvertretende Ausschuss-Vorsitzende Frank Petersen dem Eiderstedter Bürgermeister.

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