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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2017 | 10:58 Uhr

Garding : Konflikt um Asylbewerber-Unterkunft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stadt Garding fordert die Rücknahme des Mietvertrags für das Haarde-Huus. Ein Runder Tisch will nun nach Wohncontainer-Stellplätzen suchen.

Die Anmietung von mehreren Wohnungen im Seniorenwohnheim Harde-Huus in Garding zur Unterbringung von Flüchtlingen (wir berichteten) sorgte in der jüngsten Hauptausschuss-Sitzung des Amtes Eiderstedt für heftige Reaktionen. Nicht nur die im Ausschussmitglieder kritisierten den Alleingang von Amtsdirektor Herbert Lorenzen aufs Schärfste. Auch aus den Reihen der mehr als 50 anwesenden Einwohner kam harsche Kritik. Warum nicht auf breiter Front nach Wohnraum gesucht wurde, lautete die erste Frage aus dem Publikum. „Wir befinden uns in schwierigen Zeiten und die unerwartet hohen Flüchtlingszahlen haben uns alle unvorbereitet getroffen“, stellte Lorenzen klar. So arbeite die Verwaltung eine lange Liste ab und überprüfe die angebotenen Objekte. Die Verhandlungen mit den Hauseigentümern zögen sich jedoch in die Länge. Zu den Zuhörern gehörte auch Franziskus an Haack aus Tating, der einen ganzen Fragenkatalog zur Sitzung mitbrachte. „Es ist mir völlig unverständlich, dass Sie fast parallel zu unseren laufenden Ankaufsverhandlungen mit dem Wohnungs-Eigentümergesellschaft Harde-Huus trotzdem den Mietvertrag weiter verhandelten“, lautete sein Vorwurf und weiter: „Warum haben Sie uns als Kaufinteressent nicht angesprochen?“ Lorenzen beteuerte, dass er von den Verhandlungen keine Kenntnis gehabt habe. „Ich wusste nicht, wer mit wem wann Verhandlungen geführt hat.“ Vorgesehen ist, dass Monika Wolf, Ehefrau von Franziskus an Haack, mit einer neuen gemeinnützigen Gesellschaft das Harde-Huus erwerben möchte. „Beim Kauf des Projektes wollen wir notariell und testamentarisch verfügen, dass nach unserem Ableben das Objekt St. Angelus Senioren Service Residenz in das Eigentum der Stadt Garding übergeht“, so an Haack. Unmissverständlich stellte er klar, dass man nicht gegen die in Not geratenen Flüchtlingen sei.

Dies unterstrich auch Gardings Bürgermeisterin Andrea Kummerscheidt. Doch sie stellte auch klar, dass die Vorgehensweise des Amtsdirektors nicht akzeptabel sei. Die Stadt Garding hätte alle Möglichkeiten in Bewegung gesetzt, um Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Dieser unsägliche Streit hätte nicht sein müssen, wenn die Stadt Garding von Anfang an eingebunden worden wäre. Mit dem Neubau eines Pflegeheims auf dem Nachbargrundstück und den Umbau des Harde-Huus mit geschätzten Investitionen von gut acht Millionen Euro könnten mehr als 70 neue Arbeitsplätze entstehen, so Kummerscheidt. Allerdings gibt es derzeit keine Verhandlungen zwischen dem Investor für das geplante Pflegeheim und der Eigentümergemeinschaft des Harde-Huus, wie von der Gemeinschaft zu erfahren war.

Andrea Kummerscheidt legte dann ein Angebot auf den Tisch. „Die Stadt Garding kann ein größeres und befestigtes Grundstück zum Aufstellen von Wohncontainern zur Verfügung stellen.“ Im Gegenzug verlangte sie jedoch die Rücknahme des Mietvertrages. Auch Tatings Bürgermeister Hans Jacob Peters schaltete sich in die hoch emotional geführte Debatte ein. „Es wäre gut, wenn man den Mietvertrag wieder rückgängig machen könnte.“ Frank-Michael Tranzer, Bürgermeister von Oldenswort stimmte seinem Amtskollegen zu. „Wir alle kämpfen für eine gute Lösung, die Flüchtlinge ordentlich unterzubringen.“ Auf Anfrage erklärte Amtsdirektor Herbert Lorenzen: „Ob der Vertrag mir nichts dir nichts aufgelöst beziehungsweise rückgängig gemacht werden kann, muss rechtlich geklärt werden.“ Auf was solle er die Rücknahme des Mietvertrages gründen? Eine vernünftige Begründung sehe er derzeit nicht. Im übrigen sehe er keine Alternative zu der jetzt vereinbarten Unterbringungsmöglichekeit. „Es geht darum, den Flüchtlingen eine vernünftigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Ich als Amtsdirektor habe die gesetzliche Pflicht für die Unterbringung der Menschen zu sorgen.“

„Wir müssen an Dauerlösungen denken und uns nicht mit befristeten Möglichkeiten beschäftigen“, forderte Rainer Balsmeier, Bürgermeister in St. Peter-Ording, in der Sitzung. Doch er wies noch auf ein weiteres Problem hin: das der jungen, unbegleiteten Asylbewerber. Amtsdirektor Herbert Lorenzen schlug vor, mit Vertretern der ländlichen Zentralorte St. Peter-Ording, Tönning, Garding und Oldenswort einen runden Tisch zu bilden, um nach Grundstücken für Wohncontainer-Stellplätze zu suchen, um dort Unterkünfte für Flüchtlinge zu schaffen.

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