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Aktion Zeitung öffnet Türen : Kondensatoren für die ganze Welt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Leser der Husumer Nachrichten bekamen bei der Firma FTCap Einblicke in die Produktion.

von
erstellt am 12.Aug.2017 | 12:00 Uhr

„Es ist wirklich erstaunlich, dass Husum so eine Weltmarkt-Firma zu bieten hat!“ Peter Kubrinowski ist begeistert von dem, was er beim von den Husumer Nachrichten organisierten Besuch beim Kondensatoren-Hersteller FTCap (Fischer & Tausche) im Industriegebiet zu sehen bekam. Und das Lob kam aus dem Mund eines Fachmannes: Immerhin war der 70-Jährige nach seiner Seefahrt-Zeit als Funker selber in der Branche tätig – in der Entwicklung bei Siemens und der britischen Firma Marconi. Er war übrigens nicht der einzige, der sich mit der Materie besser auskannte: Unter den zehn Teilnehmern des von Geschäftsführer Dr. Thomas Ebel persönlich geleiteten Rundgangs waren mit ihm gleich vier Amateurfunker im Boot – und die wissen, wie ein Kondensator funktioniert.

Den anderen hatte es der Chemiker Ebel bei der Einführung und Vorstellung des Unternehmens höchst anschaulich erklärt: „Ein Kondensator nimmt Strom auf und gibt ihn schlagartig wieder ab – wie eine Toilettenspülung, wo zunächst der Wasserspeicher gefüllt und auf Knopfdruck entleert wird.“ Fünf Millionen Kondensatoren, so ließ Ebel die Besucher wissen, produziere FTCap im Jahr – „und keine Massenware, sondern kundenspezifische Lösungen für Autos, Züge, Flugzeuge, Wind- und Solarenergie-Technik, Maschinen und für vieles andere mehr.“ Viele große Konzerne gehörten zu den Kunden des drittgrößten Herstellers dieser Art in Europa, so Ebel, und die Forschung an Zukunftslösungen werde sogar mit Landesmitteln gefördert.

Doch grau ist alle Theorie und lebendig das Erlebte, und daher waren alle höchst gespannt auf den Rundgang über das 6000 Quadratmeter große Gelände der Firma, die 1948 von Heinz Fischer und Alfred Tausche gegründet worden war und lange Zeit am Nedderweg residierte. Hier hatte der 76-jährige Manfred Timm, Elektromeister aus Süderstapel im Ruhestand und ebenfalls Amateurfunker, übrigens schon in Jugendzeiten eine Führung mitgemacht. Und schwärmt noch heute von den Firmengründern: „Als Lehrling hatte ich nicht viel Geld, ein Kondensator für mein selbstgebautes Radio war zu teuer. Da hat mir der Chef einen geschenkt – und der hat mir jahrelang treue Dienste geleistet!“ Als Gastgeschenk hatte er denn auch einen uralten von Fischer & Tausche produzierten Kondensator für die Werkssammlung mitgebracht, den Ebel dankend entgegen nahm.

Mit blauen Plastik-Überzügen an den Schuhen, um den für die Herstellung benötigten Reinraum nicht mit Straßendreck zu kontaminieren, ging es dann durch die einzelnen Abteilungen – immer auf der Spur des Kondensators vom Rohmaterial über Wicklung und Befüllung mit Elektrolyt-Flüssigkeit, Deckelung und Verdrahtung bis hin zur Endabnahme und Versand. Eine Schleuse trennte diesen Bereich von den Herstellungsräumen der trockenen Filmkondensatoren, deren Produktionsprozess – unter völlig verschiedenen Klimabedingungen ablaufend – auf ebensolches Interesse stieß wie der der mit Chemie befüllten Werkstücke. „Der Trend geht weg von einzelnen Stücken hin zu Kombi-Lösungen mit einer ganzen Batterie von Kondensatoren, die der Kunde dann nur noch anschließen statt einbauen muss.“

Und das Drumherum: „Da es die Maschinen zur Herstellung unserer Produkte nicht so einfach zu kaufen gibt, bauen wir sie selbst“, erläuterte Ebel seinen faszinierten Gästen in der hauseigenen Werkstatt, wo soeben eine nagelneue Großfräse angeliefert worden war. So konnte er auch auf die Frage von Telse Jacobsen, welche Berufszweige denn alles im Unternehmen vertreten seien, eine ellenlange Liste herunterbeten, die vom Ingenieur und Chemiker über den Industrie-Elektroniker und Mechaniker, Techniker, Logistiker, Bürokaufmann und Lageristen bis zum Software-Entwickler reichte. „Und junge Leute brauchen wir immer“, so Ebel mit Blick auf den jüngsten Teilnehmer der Besichtigung, den 13-jährigen Niko Rumpf. Der technisch interessierte Ferdinand-Tönnies-Schüler konnte sich denn auch gut vorstellen, bei FT Cap zu arbeiten. Aber bis dahin hat er noch ein paar Jahre Zeit.

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