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Muschelverkostung mit ernstem Unterton : „Kompromiss zu Lasten der Fischer“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Vorsitzende der Muschelfischer-Erzeugerorganisation gab in Husum Einblicke in die Probleme seines Berufsstandes. Mit der Vereinbarung zwischen Fischern, Naturschützern und Umweltministerium ist er nicht glücklich.

„Das ist ein tolles heimisches Produkt, das absolut lecker schmeckt“, kommentierte Bürgermeister Uwe Schmitz bei bestem Wetter den Inhalt seines Tellers. Die Interessengemeinschaft Husumer Hafen (IGHH) hatte anlässlich des Fischmarktes zur Muschelverkostung auf die große Terrasse vom Fischhaus Loof eingeladen. Die original nordfriesischen Miesmuscheln wurden frisch gekocht, in Töpfe abgefüllt und serviert – und fanden regen Zuspruch.

Mit der Verkostung machte die Erzeugerorganisation (EO) schleswig-holsteinischer Muschelzüchter in Zusammenarbeit mit der IGHH und dem Fischhaus Loof bereits zum vierten Mal in dieser Form auf das besondere Produkt aus dem Nationalpark Wattenmeer aufmerksam. „Das beste, das Nordfriesland zu bieten hat. Und dieses Jahr war eine sehr gute Ernte“, erklärte Peter Ewaldsen, Vorsitzender der EO Muschelzüchter, den Gästen. 600 bis 700 Tage dauere es, bis die Muscheln fertig zur Ernte seien. Und die Fleischmasse müsse mindestens 30 Prozent des Muschelumfanges ausmachen.

Inzwischen werden das ganze Jahr über gekochte und gebratene Muscheln aus der Region angeboten. „Es gibt zwischendurch fast keine Pause, dafür aber jede Menge Aufklärungsarbeit“, so Maren Loof. In den Köpfen vieler Menschen sei immer noch fest verankert, das Muscheln nur in Monaten, in denen der Buchstabe „R“ vorkomme, verzehrbar seien. „Das war früher tatsächlich so, aber heute funktionieren die Kühlketten einwandfrei und deshalb gibt es fast immer frische Muscheln.“

Am Rande der Veranstaltung ging Peter Ewaldsen auf die Vereinbarung zwischen Muschelfischern, Naturschützern und Umweltminister Robert Habeck ein. Mehrere Jahrzehnte hatten sie über die Miesmuschel-Nutzung im Nationalpark-Wattenmeer gestritten und sich in diesem Jahr auf gemeinsame Eckpunkte geeinigt. „Ich erwarte, dass die Zusagen auch umgesetzt werden und zukünftig ein schlankes Verfahren angewandt wird“, so der Vorsitzende. Die Kulturfläche der Muschelfischer wurde unter anderem laut der unterzeichneten Vereinbarung von 2000 auf 1750 Hektar reduziert. Auf 250 Hektar dieser übrig geblieben Flächen dürfen Saatmuschel-Gewinnungsanlagen aufgestellt werden. In der Schutzzone I des Nationalparkparks darf gar nicht mehr nach Muscheln gefischt werden.

„Es war ein Kompromiss zu unseren Lasten und Habeck lässt sich feiern“, meinte Ewaldsen. 15 Jahre lang gelte die Vereinbarung, was wiederum aber auch 15 Jahre Sicherheit für die Muschelfischer bedeute – daher der eingegangene Kompromiss. „Der Umweltminister redet von Muschelfrieden. Es ist in meinen Augen aber wie der Friedensvertrag von Versailles. Das war kein Frieden, sondern ein Diktat“, so Ewaldsen. Er bleibe aber am Ball. Nach seiner Meinung verändere sich der Wirtschaftsraum Wattenmeer ohnehin so, wie es die Natur vorgebe. „Und da kann es noch so viele Naturparkkuratorien geben.“

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