Bredstedt : Kommunen haben viele Pläne

Das Amt Mittleres Nordfriesland: Hier in der ehemaligen Landwirtschaftsschule ist seit zehn Jahren die Verwaltung zu Hause.
Das Amt Mittleres Nordfriesland: Hier in der ehemaligen Landwirtschaftsschule ist seit zehn Jahren die Verwaltung zu Hause.

Vor der Wahl: Die Bürgermeister der Ämter Mittleres Nordfriesland und Pellworm berichten über Zukunftsthemen ihrer Gemeinden.

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23. März 2018, 16:00 Uhr

Am 6. Mai sind alle Bürger dazu aufgerufen, bei der Kommunalwahl für die neue Gemeinde- oder Stadtvertretung in ihrer Kommune zu stimmen. Auch im Amt Mittleres Nordfriesland wird über die Zusammensetzung der Selbstverwaltung entschieden. Was hat sich in den Kommunen getan? Wo liegen die Schwerpunkte für die Zukunft? Und: Stellen sich die Bürgermeister ein weiteres Mal zur Wahl? Heute: Teil 1.


Bredstedt schafft mehr Wohnraum

Eine Legislaturperiode hindurch – also seit Juni 2013 – war Knut Jessen Bredstedts Bürgermeister. Nun, im 71. Lebensjahr, hat er sich entschieden, sich nicht mehr zur Wahl für die Stadtvertretung zu stellen. In der Kommunalpolitik ist Knut Jessen ein alter Hase und hat sich einen umfangreichen Erfahrungsschatz erworben. Seit 1994 hat er hier gewirkt. „Davon war ich 14 Jahre 1. Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister“, erklärt er. Bredstedt sei eine wachsende Stadt, fügt Jessen an. „Die Stadt Bredstedt hat rund 5.400 Einwohner, die Zahl hat um über 400 zugelegt.“ Zurückzuführen sei dies auf eine rege Bautätigkeit, Eigentümerwechsel bei Immobilien (Ältere geben die Häuser an junge Familien mit Kindern ab), sowie den Zuzug von Flüchtlingsfamilien. Das wirkt sich auf die kommende Kommunalwahl aus. „Die Stadt wird künftig aus 19 Stadtvertretern bestehen, die in fünf Wahlkreisen gewählt werden.“

Als eines der Hauptprobleme der Stadt – sie ist Bedarfszuweisungsempfänger – bezeichnet Knut Jessen die Finanzierung des notwendigen Straßenausbaus. Und weitere größere Projekte stehen an: der Neubau eines Kindergartens im Norden der Stadt, die Gestaltung des benachbarten Neubaugebietes rund um die noch abzureißenden ehemaligen BGS-Blocks, die Umgestaltung der Innenstadt – Stichwort Einzelhandelsgutachten – sowie die Integration der Flüchtlingsfamilien in der Stadt. „Wünschenswert wäre daneben noch die weitere Umsetzung unseres Sportentwicklungsplanes.“


Bargum setzt auf die Konversion

In der Gemeinde Bargum ist Bernd Wolf der Gemeinde-Chef. Der 60-Jährige gehört seit 1994 der Gemeindevertretung an, das Amt des Bürgermeisters hat er seit 2003 inne. Und: Bernd Wolf tritt am 6. Mai bei der Kommunalwahl erneut an. Zu tun gibt es in der 620 Einwohner zählenden Gemeinde noch einiges. Zu seinen Hauptsorgen gehört derzeit die Haushaltslage Bargums. „Aufgrund der Doppik- Umstellung bekommen wir rechnerisch den Haushalt nicht mehr ausgeglichen“, sagt er und kritisiert die stetig steigenden Kosten für Schulverbands-, Kindergarten-, Amts- und Kreisumlage. Die Kommune hat die Zukunft fest im Blick, möchte die Nachfrage nach Grundstücken gerne befriedigen. Doch bei der Vermarktung der bereits erschlossenen Baugrundstücke „stellt sich die Landesplanung quer aufgrund des Landesentwicklungsplanes. Meines Erachtens ist dieser nicht mehr zeitgemäß“, erklärt der Bürgermeister. Bargums große Hoffnung auf neue Arbeitsplätze und zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen liegt bei der Vermarktung des ehemaligen Bundeswehr-Materiallagers. Auf 55,62 Hektar warten 56 Gebäude, davon elf Bunker, auf eine Nachnutzung. Das Konversionsverfahren läuft derzeit in enger Zusammenarbeit mit dem Liegenschaftseigentümer – der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) –, begleitet von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft NF sowie in Abstimmung mit den Kreis- und Landesbehörden und der Nachbargemeinde Langenhorn.

Wachsende Gemeinde Langenhorn

Seit 2008 ist Langenhorns Bürgermeister Horst Petersen im Amt. „Ja ich stelle mich noch mal zur Wahl“, sagt der 69-Jährige. „Ob ich dann Bürgermeister werde ... schauen wir mal.“ Und was bewegt etwa 3.300 Einwohner? Bei den Hauptproblemen muss Petersen nicht lange überlegen: „Wir leiden noch bis 2021 an der Altlast der Biogasanlage, was in unserem Haushalt jährlich etwa 240.000 Euro an Verbindlichkeiten bindet. Dieses Geld wird eigentlich dringend für den Wegebau gebraucht.“ Ansonsten boomt Langenhorn, was die Zahl der Zuzugs- und Bauwilligen betrifft. Ein Problem, das auch andere Gemeinden kennen: „Wir haben zur Zeit kaum Bauplätze zur Verfügung, jedoch für das neue Baugebiet schon 34 –hauptsächlich junge Familien aus Langenhorn – auf einer Liste stehen, die sich für ein Grundstück interessieren.“ F- und B-Plan-Änderungen sind in Arbeit und kommen demnächst zur Auslegung. „Wir sind ebenfalls dabei, alte B-Pläne der jetzigen Zeit anzupassen.“ Und auch das Gewerbe fühlt sich in Langenhorn offensichtlich zu Hause. Horst Petersen: „Ein Aufstellungsbeschluss für ein neues Gewerbegebiet westlich des jetzigen und südlich vom Sikkeackerweg ist gefasst, ein Planungsbüro ist beauftragt. Auf einer Fläche von 2,7 Hektar beabsichtigen wir, Gewerbeflächen bereit zu stellen.“ Kooperation mit den Nachbargemeinden wird in Langenhorn seit jeher gepflegt und hat sich bewährt. So soll es auch künftig bleiben. Petersen: „Mit den Gemeinden Bargum,Lütjenholm und Ockholm müssen wir ein neues Konzept für unsere Kindergärten auf den Weg bringen. Uns werden zwei Krippengruppen und eine Kindergartengruppe langfristig fehlen. In enger Abstimmung unter den Gemeinden werden wir demnächst die Weichen stellen müssen.“ Das gilt auch für materielle Anschaffungen: „Für unser Klärwerk werden wir eine Schlammpresse anschaffen, hier vermutlich in Kooperation mit den Gemeinden Bargum und Bordelum. Bei der Nassschlammausbringung treten zu viele Unwegbarkeiten auf.“ Eine Herzensangelegenheit ist der Gemeinde die Einrichtung eines sogenannten Gesundheitshauses/Ärztehauses. Angesiedelt werden soll es in dem Gebäude des früheren Amtes Stollberg im Redlingsweg.

Ahrenshöft hat fast alles erreicht

Manfred Peters ist seit zehn Jahren Bürgermeister in Ahrenshöft. Mit 28 Jahren Arbeit in der Gemeindevertretung gehört der 60-Jährige schon zum Urgestein. Und er würde gerne weitermachen, tritt daher auch am 6. Mai wieder an. 534 Einwohner zählt Ahrenshöft derzeit. Probleme habe die Kommune derzeit keine. „Alle Haushalte sind an das Breitband angeschlossen, die Beleuchtung ist auf LED umgerüstet, die Wege sind saniert.“ Für junge Leute, die sich gerne in der Gemeinde ein Eigenheim schaffen würden, ist ein Baugebiet in Planung. Ahrenshöft kann sich über einen stabilen Haushalt ohne Defizite freuen. Die Abfallentsorgung und vier Standorte für Windenergie tragen das ihrige dazu bei. „Die Gewerbesteuer ist für Ahrenshöft wichtig“, ist sich Manfred Peters im Klaren. Da die Wind-Standorte keinen Bestandsschutz genießen, musste sich die Gemeinde etwas einfallen lassen. „Eine mögliche Lösung: die Sektorenkoppelung. Das soll in Zusammenarbeit mit der AW NF und dem Kreis passieren. „Wir versuchen, Energie in Wasserstoff umzuwandeln“, so Peters. „Dadurch hoffen wir, die Standorte erhalten zu können.“

Pellworm entdeckt neue Seiten

Er war von 1990 bis 2005 Bürgermeister und Amtsvorsteher, sowie von 2013 bis 2018 Bürgermeister: Jürgen Feddersen. Nach 20 Jahren im Amt des Gemeindechefs tritt der 74-Jährige am 6. Mai nicht mehr an.

Doch um seine Gemeinde mit 1.188 Einwohnern braucht er sich nicht zu sorgen. Pellworm lebt von der Landwirtschaft/Fischerei, dem Tourismus und von alternativen Energien. „Wir sind dabei, uns im Tourismus nach vorne zu entwickeln“, sagt Feddersen. „Wir investieren in die Infrastruktur. So entstehe ein Kur- und Gesundheitszentrum, es gibt private Investoren, die in Hotelbetriebe investieren werden. Weiterhin entsteht auf der Insel ein Feriendorf mit 38 Ferienhäusern, gebaut aus wohngesunden Baumaterialien. Der Bürgermeister: „Pellworm hat hier Nachholbedarf, aber die Nachfrage ist auch groß. Wir haben seit 2016 das neue kommunale MVZ, neben Büsum das zweite in Schleswig-Holstein.“

Welche Themen werden Pellworm in Zukunft noch beschäftigen? „Die gesunde Umwelt. Wir streben an, Biosphäre zu werden, setzen auf mehr Elektromobilität auf der Insel, wir planen den Neubau einer Kita, einer Mensa und Klassenersatzräume.“ Weiteres Ziel ist es, dieses Jahr Glasfaser in fast jedes Haus legen zu lassen. Weiterhin stehen die Sanierung der Landesstraße L 97 in 2018/19 sowie viele weitere Projekte an.

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