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Wichtige Akteure : Kommunen bringen die Energiewende voran

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wärmenetze wie in Löwenstedt entsprechen den Vorstellungen der Politik für die Zukunft: Eine Biogasanlage versorgt in dem Dorf 65 Häuser und Gewerbeobjekte. Nach dem Prinzip „Power-to-Heat“ ließe sich zudem Solar- oder Windstrom in Wärme umwandeln.

Energiewende – das bedeutet sowohl Umstieg auf erneuerbare Energien im Strom- und Wärmesektor, aber auch Energie einsparen und weniger Kohlenstoffdioxid ausstoßen. Dabei spielt die Energiewende „von unten“ eine immer wichtigere Rolle. Und so setzen Kommunen zunehmend auf die eigene dezentrale Wärme- und Stromerzeugung.

Peter Becker, Geschäftsführer der Messe Husum & Congress, die jährlich die Leitmesse „New Energy“ ausrichtet, bewertet diese Entwicklung positiv: „Ich finde es gut, dass sich die Gemeinden ihrer Verantwortung bewusst sind und aktiv werden.“ Dies sieht auch Ralf Radloff so. Er ist Referent im schleswig-holsteinischen Energiewende-Ministerium in Schleswig-Holstein und betont: „Als Energieverbraucher, Planungsinstanz und Eigner von Energieunternehmen gestalten die Kommunen die Energiewende. Vor allem ihre Rolle als Initiator und Mediator der Akteure ist entscheidend.“

Der Wärmesektor macht 54 Prozent des deutschen Energieverbrauchs aus. Bundesweit soll dieser Bedarf bis 2050 um 80 Prozent reduziert werden. Parallel ist das Ziel, die Kohlenstoffdioxid-Emissionen um 80 bis 95 Prozent zu senken. Die Wärmeversorgung in Deutschland ist jedoch von Einzelfeuerungsanlagen geprägt – effizienter ist der Zusammenschluss vieler Verbraucher. Radloff: „Außer dem Bedarf an Wärmeenergie wird sich auch der Anteil der Einzelfeuerungsanlagen drastisch verringern müssen.“ Gemäß Leitstudien des Bundesumweltministeriums müssten im Jahr 2050 bis zu 60 Prozent des Bedarfes über Wärmenetze bereitgestellt werden.

Dahinter verbirgt sich ein einfaches technisches Konzept: In Heizzentralen werden zum Beispiel Biogas oder Holzpellets verbrannt und mit dieser Energie Wasser erhitzt, das über ein gut gedämmtes Leitungssystem zu den Verbrauchern gelangt. Je nach Länge der Leitungen zwischen Erzeuger und Verbraucher handelt es sich um Nah- oder Fernwärme. Nahwärmenetze versorgen einzelne Gebäude, Fernwärmenetze ganze Ortschaften oder Stadtteile. Ein Wärmetauscher überträgt die Wärme des Wassers auf den Heizkreislauf beim Verbraucher, während das abgekühlte Heizwasser zurück zur Heizzentrale fließt, die in der Regel ein Blockheizkraftwerk ist. Dieses kann durch die Verbrennung sowohl Wärme als auch Strom gewinnen (Kraft-Wärme-Kopplung). Blockheizkraftwerke haben einen Wirkungsgrad von bis zu 90 Prozent.

Wärmenetze bieten zudem Perspektiven zur Energiespeicherung und -wandlung. Nach dem Prinzip „Power-to-Heat“ ließe sich überschüssiger Solar- oder Windstrom in Wärme umwandeln. Hierzu würde mit Hilfe einer elektrischen Widerstandsheizung ein Warmwasserspeicher erhitzt. Dabei ist es wirtschaftlich deutlich effizienter den zentralen großen Speicher eines Wärmenetzes zu erhitzen als zahlreiche dezentrale, kleine Speicher.

Ein Vorteil der Wärmespeicherung liegt in der technisch möglichen Entkopplung von Stromproduktion und Wärmeversorgung. So könnte das Blockheizkraftwerk bei hohen Stromtarifen und gleichzeitig niedrigem Wärmebedarf dennoch mit voller Leistung arbeiten. Überschüssig produzierte Wärme würde gespeichert. Und lohnt sich der Betrieb des Kraftwerks wegen niedriger Stromtarife kaum, ließe sich die Wärme aus dem Speicher nutzen.

Auch in Nordfriesland setzen Gemeinden auf Wärmenetze in Kombination mit neuen Energien. So hat die 670-Einwohner-Gemeinde Löwenstedt 2010 eine Biogasanlage in Betrieb genommen und 2012 ein Wärmenetz mit 3700 Metern Rohrlänge installiert. Die Biogasanlage vergärt Rindergülle, Gras- und Maissilage zu Methan. In einem Blockheizkraftwerk wird das Gas in einem Verbrennungsmotor verbrannt, der einen Generator antreibt: Die mechanische Energie wird in elektrischen Strom umgewandelt. Die bei diesem Verbrennungsprozess anfallende Wärme deckt den Bedarf in 65 angeschlossenen Häusern und Gewerbeobjekten in Löwenstedt. Ein 23 000 Liter fassender Warmwasserspeicher unterstützt zusätzlich eine effiziente Wärmeausnutzung. „Die Bewohner waren von Anfang an für das Projekt“, sagt der Geschäftsführer von Bioenergie Löwenstedt, Ferdinand Jensen. „Von 73 potenziellen Kunden im Ausbaugebiet haben 65 die Chance genutzt und den Vollwärmeliefervertrag mit 20 Jahren Laufzeit unterschrieben.“

Die New Energy Husum:

In den vergangenen Jahren hat sich die New Energy Husum als eine der bedeutendsten Messen im Bereich der erneuerbaren Energien etabliert. Seit 2002 lockt die Messe Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland nach Husum. In diesem Jahr waren es rund 15 000 Besucher. Sowohl Branchenexperten als auch interessierte Privatbesucher informieren sich über Trends und Neuheiten der Branchen. Die nächste New Energy findet vom 20. bis 23. März 2014 statt.

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